Muss Dortmund am Ende die Zeche für Steag zahlen, wenn andere Revierstädte aussteigen?

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Nachdem fünf Ruhrgebietsstädte bei Steag aussteigen wollen, soll der Stromerzeuger sich selbst kaufen. Dortmund will mit DSW21 im Boot bleiben. Teile der Politik sehen darin ein hohes Risiko.

Dortmund

, 08.03.2020, 10:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünf Ruhrgebietskommunen haben bereits im vergangenen Juli beschlossen, ihre Anteile am Essener Energiekonzern Steag im Paket abzustoßen. Die Städte Essen, Bochum, Duisburg, Oberhausen und Dinslaken konnten sich aber offenkundig nicht auf einen Käufer einigen.

Wie die WAZ berichtet, soll es nun einen neuen Plan geben. Der wäre für DSW21 als sechsten und größten kommunalen Anteilseigner nicht ohne Risiko, meinen die Grünen.

Laut WAZ ist geplant, dass Steag zunächst sich selbst kauft. Der Konzern soll die Anteile der aussteigenden Kommunen zu einem symbolischen Preis übernehmen. Der reale Preis soll fällig werden, wenn ein Käufer für die in Rede stehenden 64 Prozent der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft (KSBG) gefunden ist.

Dieser Preis soll jedoch schon jetzt festgeschrieben werden. Zudem wollen die Kommunen nicht ewig auf ihr Geld warten müssen. Die Rede ist von einer Stundung bis zum Jahr 2024.

DSW21 weiter von Steag überzeugt

Über die Höhe des Preises wird offensichtlich noch gerungen. Die am Ende zugesagte Summe muss Steag dann durch den Verkauf der Mehrheitsanteile an einen Investor erlösen.

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Allein Dortmund will an den von seiner Tochter DSW21 gehaltenen 36 Prozent festhalten. Sowohl die Stadt Dortmund als auch DSW21 seien weiterhin von der Geschäftsstrategie und den Potenzialen der Steag überzeugt, teilt DSW21-Chef Guntram Pehlke mit: „Mit dem klaren Bekenntnis zur Steag setzen Dortmund und DSW21 ihren erfolgreichen Weg fort, Energiebeteiligungen – wie auch die an RWE – stets als langfristig angelegte Investitionen zu betrachten.“

Grüne: Eine falsche Entscheidung

Das sehen die Grünen im Dortmunder Rat anders. Sie warnen davor, dass das beabsichtigte Konstrukt zulasten von DSW21 geht. „Wenn schon vorab festgelegt wird, was die Anteile der Städte, die jetzt aussteigen, in einigen Jahren wert sein müssen, wird das Marktrisiko völlig außen vor gelassen“, kritisiert Ingrid Reuter, Sprecherin der Grünen im Rat.

Sie zweifeln daran, dass ein finanzkräftiger und verlässliche Käufer gefunden wird. Reuter: „Es muss ausgeschlossen werden, dass Dortmund am Ende die Zeche zahlt: weder durch den Ankauf weiterer Anteile noch durch die Finanzierung zusätzlicher Kredite, die aufgrund der vorab festgelegten Auszahlungsverpflichtung an die anderen Kommunen möglicherweise nötig werden.“

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Vor dem Hintergrund der schlechten Geschäftsentwicklung halten die Grünen das Festhalten an Steag aus finanziellen Gründen weiterhin für eine falsche Entscheidung. Reuter fordert von Pehlke, als Aufsichtsratsvorsitzender der Steag darzulegen, „wie er ein zusätzliches Risiko für Dortmund ausschließen will.“

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