Einige Arbeiten von Handwerkern müssen nicht in diesen Zeiten ausgeführt und können verschoben werden. © picture alliance / dpa
Corona-Pandemie

Muss ich den Handwerker ohne Maske in die Wohnung lassen?

Es stehen wichtige Reparaturarbeiten an, der Schornsteinfeger muss zwingend etwas überprüfen. Lässt sich das verschieben? Was passiert, wenn der Handwerker keine Maske trägt? Ein Überblick.

Strom- und Wasserzähler müssen abgelesen, die neue Küche eingebaut oder Rauchwarnmelder installiert werden. Gleichzeitig soll man aber wegen der Corona-Pandemie so wenig Menschen wie möglich treffen. Was tun, wenn der Handwerker anruft und mitteilt, dass etwas in der Wohnung gemacht werden muss.

Wer den Termin erstmal verschieben und die nächsten Tage oder Wochen abwarten will, kann dies tun. Aber: „Verbraucher sollten ihre Bedenken in Hinblick auf den Gesundheitsschutz so früh wie möglich mit dem Handwerksbetrieb und gegebenenfalls dem Vermieter besprechen und versuchen gemeinsam eine Lösung zu finden“, rät Klaus Palenberg von der Verbraucherzentrale NRW.

Schornsteinfeger: „Gewisse Arbeiten haben einen fixen Zeitpunkt“

Der Experte warnt jedoch vor wiederholten Absagen oder einer sehr kurzfristigen Verschiebung. Dann stünden dem Handwerksbetrieb oder unter Umständen auch dem Vermieter ein Schadensersatzanspruch zu. Deswegen gilt: Je früher ein Verbraucher sich bei dem Handwerksbetrieb meldet, desto eher hat dieser die Möglichkeit seinen frei gewordenen Termin einem anderen Kunden anzubieten.

Bei Arbeiten eines Schornsteinfegers sieht die Sachlage etwas anders aus. Auch deshalb, weil ein Schornsteinfeger Aufgaben wie Brand- oder Umweltschutz wahrnimmt. Ein Verschieben eines Termins hängt von der Art der Arbeit ab und auch von der Wichtigkeit. „Be vielen Tätigkeiten haben wir etwas Spielraum, aber können auch nicht unendlich lange warten, da Arbeiten bis zu einem Zeitpunkt erledigt werden müssen“, erklärt Andreas Quentmeier, Stellvertretender Obermeister und Pressesprecher der Schornsteinfeger-Innung Arnsberg.

Schlüsseldienst als letzte Instanz

Wer also notwendige Arbeiten wie beispielsweise die Überprüfung des Brandschutzes nicht zulässt, bekommt Ärger mit dem Ordnungsamt. Zunächst gibt es einen Brief als Erinnerung mit einer Frist. Dann folgt der zweite Brief vom Ordnungsamt, in dem ein Termin festgesetzt wird. Hier wird sich dann – notfalls mit einem Schlüsseldienst – Zutritt in die Wohnung verschafft. „Wir machen das äußert ungern, aber es gibt solche Fälle“, sagt Quentmeier, „in Corona-Zeiten ist mir ein solcher Vorgang jedoch nicht bekannt.“

Zurück zu den Handwerkern: Ein Termin ist gefunden und der Facharbeiter steht ohne Maske vor der Tür. Muss man ihn dann trotzdem reinlassen? „Soweit der Mindestabstand von 1,5 Metern durchgehend eingehalten werden kann, besteht generell keine Verpflichtung für den Handwerker eine Maske oder Ähnliches zu tragen“, sagt Palenberg.

Empfehlung der Handwerkskammer: „Termin gut vorbereiten“

Sollte dieser Abstand aber nicht die ganze Zeit über gewahrt werden können und der Handwerker weigert sich trotzdem eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, kann man sich gerne an die Verbraucherzentralen wenden. Auch die Handwerkskammern oder die zuständigen Ordnungsämter können weiterhelfen. Wenn ein Schornsteinfeger keine Maske trägt, sollte man sich bei der Innung des jeweiligen Bezirks melden, rät Quentmeier.

Henrik Himpe, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dortmund, meint: „In der aktuellen Zeit ist es umso wichtiger, dass vereinbarte Termine gut vorbereitet werden. Dabei spielen bei vielen Aufträgen auch die im Alltag erprobten AHA+L (Abstand halten, Hygiene-Maßnahmen beachten, Alltagsmaske tragen + Lüften, Anm. d. Red.) Regelungen eine wichtige Rolle, um keine der Vertragsparteien zu gefährden.“

Bei handwerklichen Arbeiten in den eigenen vier Wänden steht zudem manchmal die Frage an, ob die Tätigkeit zwingend notwendig ist? Eine starre Grenze zwischen verpflichtenden Maßnahmen und Schönheitsreparaturen gibt es aktuell nicht.

„Grob lässt sich sagen, dass eine Maßnahme dann verpflichtend ist, wenn sie nicht aufgeschoben werden kann. Ein Wasserrohrbruch muss beispielsweise sofort repariert werden, wohingegen die Tapete, sollte sie nicht von Schimmel befallen sein, auch ohne neuen Anstrich ihren Zweck noch für einige Zeit weiterhin erfüllen kann“, erklärt Palenberg.

Zählerstand per Karte oder im Internet eintragen

Viele fragen sich auch, wie in diesen Zeiten das Ablesen der Therme oder des Stromzählers geregelt sind. Normalerweise sind das Pflichttermine, bei denen ein Techniker vorbeikommt. DEW21 hat jedoch schon entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um die Kontakte zu reduzieren.

Kunden sollen ihre Anzeigen selbst ablesen und haben dafür Ablesekarten erhalten. Mit diesen können sie den Zählerstand DEW21 mitteilen, heißt es von Seiten der Energiewerke. Die Ablesekarten können portofrei zurück geschickt werden.

Auch über einen Chatbot lasse sich der Zählerstand übermitteln. Der findet sich auf der Startseite der DEW21 oben rechts. Nach einem Klick auf „Zählerstand erfassen“ öffnet sich ein Chatfenster und es werden verschiedene Fragen gestellt. Nachdem man sich dann authentifiziert hat, erfolgt die Eintragung des aktuellen Zählerstandes.

Sollten Verbraucher keinen aktuellen Stand eingeben oder keine Ablesekarte zurückschicken, ist die Netzgesellschaft dazu verpflichtet, den Verbrauch – auf Basis der vorherigen Daten – zu schätzen, um eine korrekte Abrechnung zu gewährleisten.

Über den Autor
Volontär
Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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