Mutter angegriffen: Sohn kann doch auf Freiheit hoffen

07.09.2007, 18:57 Uhr / Lesedauer: 1 min

Was macht man mit einem Mann, der schon drei Mal versucht hat, seine 78-jährige Mutter umzubringen? Die Antwort fällt offenbar auch dem Dortmunder Schwurgericht nicht leicht.

Der Prozess gegen einen 47-jährigen Dortmunder ging am Freitag überraschend in die Verlängerung. Die Richter wollen nun erst einmal abwarten, ob der Betreuer eine Unterkunft für den kranken Mann (paranoide Schizophrenie) finden kann. Entweder in einem Heim oder in einer Wohngruppe.

Dass er bald wieder in Freiheit leben darf, wird damit immer wahrscheinlicher. Noch ist der 47-Jährige zwar in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht, doch das hält der Psychiater, der ihn im Auftrag der Justiz untersucht hat, nicht für erforderlich. Wörtlich sagte der Sachverständige im Prozess: "Man kann die Gefahr, die von ihm ausgeht, abwenden." Dazu gehöre die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, eine Psychotherapie zur Reduzierung der Minderwertigkeitskomplexe und ein Platz in einer Einrichtung des betreuten Wohnens.

Denn zu seiner Mutter soll der Dortmunder auf keinen Fall zurück. "Die räumliche Trennung ist sehr wichtig", erklärte der Psychiater den Richtern. Ein völliges Kontaktverbot sei allerdings auch nicht erforderlich. Schließlich hänge der Mann an seiner Mutter. Beide bräuchten sich gegenseitig.

Dass auch andere Menschen gefährdet sind, hält der Gutachter für kaum wahrscheinlich. "Es ist nicht zu erwarten, dass er gegenüber anderen Personen aggressiv wird", sagte er den Richtern. Dazu sei der Mann viel zu schüchtern.

Der Beschuldigte nahm die Worte und Einschätzungen mit Zufriedenheit entgegen. Schließlich wollte ihn die Staatsanwaltschaft ursprünglich dauerhaft in der geschlossenen Psychiatrie unterbringen. Weil er zuletzt im März seine Medikamente abgesetzt und dann seine Mutter attackiert hat. Die 78-Jährige überlebte schwer verletzt. Als Erklärung sagte der 47-Jährige später: "Ich habe Stimmen gehört."

Jörn Hartwich

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