Die Maskenpflicht am Platz wird für Schülerinnen und Schüler in NRW wohl bald fallen (Symbolbild). © dpa
Corona-Maßnahmen in Schulen

Mutter aus Dortmund: „Es ging bei den Schulschließungen nie um die Kinder“

In den Schulen NRWs wird die Maskenpflicht wohl gelockert. Eine Mutter aus Dortmund sieht die Pläne zwiespältig. Der Blick auf die Schulen bringt für sie eine bittere Erkenntnis mit sich.

Die NRW-Landesregierung plant eine Lockerung der Maskenpflicht in den Schulen. Am 25. Oktober beginnt für die Schüler der Unterricht wieder, ab dem 2. November sollen sie dann zwar im Gebäude eine Maske tragen müssen, an ihrem Sitzplatz aber nicht mehr.

Entschieden ist das noch nicht, aber dieser Plan ist in zwei Elternbriefen formuliert, die das Schulministerium auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. Für weiterführende Schulen wird das mit der „stetigen

Zunahme der Impfquote bei Schülerinnen und Schülern“ und dem aktuellen Infektionsgeschehen begründet. Bei Grund- und Förderschulen fehlt dieser Passus. Für Kinder unter zwölf Jahren liegt noch keine Impfempfehlung vor.

„Löst unterschiedliche Emotionen bei mir aus“

„Dieses Vorhaben löst unterschiedliche Emotionen bei mir aus“ sagt Raphaele Drögemüller. Sie ist Mutter von vier Kindern. Zwei ihrer Kinder gehen noch in die Kita, ihr 7-jähriger Sohn und die 9-jährige Tochter in die Grundschule. „Wir haben die Corona-Situation von Beginn an sehr ernst genommen, soweit ich das beurteilen kann, erscheint es mir jetzt aber vertretbar, die Maskenpflicht am Platz zu lockern.“

Das sieht auch Professor Dr. Dominik Schneider so, der Leiter der Dortmunder Kinderklinik: „In der Grundschule werden die Kinder häufig getestet. Es ist durchaus möglich, dort Lockerungen bei der Maskenpflicht im Rahmen eines ganzheitlichen Hygienekonzepts vorzunehmen, solange die Infektionszahlen so moderat sind, wie aktuell.“ Dass Schülerinnen und Schüler Masken weiterhin dann tragen, wenn sich ihre Wege kreuzen, hält er weiterhin für sinnvoll.

Ihre Kinder hätten die Maskenpflicht problemlos mitgemacht, sagt Drögemüller aber es sei an der Zeit den Kindern, das Leben wieder zu erleichtern. „Sie mussten in der Pandemie genug leiden, weil sie nicht mit Gleichaltrigen spielen durften und online unterrichtet wurden.“

„Es ging bei den Schulschließungen nie um die Kinder“

Ihr 7-jähriger Sohn kenne seine Klassenkameraden und -kameradinnen im Unterricht nur mit Masken. „Der Infektionsschutz ist wichtig, man darf aber nicht außer Acht lassen, dass die Masken die Kinder natürlich auch beeinträchtigen.“

Aus Sicht der 36-Jährigen hat sich die Situation der Kinder im Vergleich zur Zeit der Schul-Lockdowns nicht wesentlich geändert, da Unter-12-Jährige sich noch nicht impfen lassen können.

„Es ging bei den Schulschließungen nie um die Kinder“, findet die Mutter Raphaele Drögemüller.
„Es ging bei den Schulschließungen nie um die Kinder“, findet die Mutter Raphaele Drögemüller. © privat © privat

„Das zeigt mir, es ging bei den Schulschließungen nie um die Kinder, wie gerne behauptet worden ist. Es ging immer nur darum, die Erwachsenen zu schützen und dafür zu sorgen, dass sie weiter arbeiten können, damit die Wirtschaft weiterläuft“, sagt Drögemüller. „Das ist eine bittere Erkenntnis und ich hoffe wirklich, dass meine Kinder das noch nicht verstehen.“

Inzidenz bei Kindern nach wie vor am höchsten

Vor ein paar Wochen habe ihre älteste Tochter Sara jedoch einmal gesagt: „Kinder sind nicht wichtig, die verdienen kein Geld.“ Da habe sie schlucken müssen, sagt die Mutter.

„Wenn wir ehrlich sind, stimmt das aber. Die Politik hat sich nicht wirklich für die Kinder interessiert. Als im Sommer gesagt wurde, jetzt ist es an der Zeit, den Kindern etwas zurückzugeben, gab es für sie freien Eintritt im Zoo. Das war es dann“, sagt Raphaele Drögemüller.

Der Lehrerverband NRW hält ein Ende der Maskenpflicht zum 2. November für verführt. Die Erfahrung aus dem letzten Jahr würden zeigen, dass die Corona-Infektionszahlen im Herbst noch einmal deutlich steigen könnten. „Zugleich sind bei Kindern und Jugendlichen die Inzidenzwerte im Vergleich zu anderen Altersgruppen nach wie vor hoch und die Impfquote niedrig“, teilt der Verband mit.

In Dortmund liegt die 7-Tages-Inzidenz in der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen bei 147,23 (Stand: 13.10.) und damit mehr als doppelt so hoch wie in der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen (71,69).

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Lukas Wittland

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