Nach Kritik an Dortmunds Mega-Tanne: Wann Weihnachtsbäume schlecht für die Umwelt sind

mlzWeihnachtsstadt 2019

Allein die Frage, ob der Weihnachtsbaum auf dem Hansaplatz eine Umweltsünde sein kann, weckt viele Emotionen. Viele Dortmunder verteidigen ihren Baum. So sieht es ein Naturschützer.

Dortmund

, 14.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Einige Dortmunder hatten die Frage aufgeworfen, ob es nicht ein Umweltfrevel ist, die Nadelbäume extra für den Dortmunder Weihnachtsbaum anzupflanzen und abzuholzen.

Für Thomas Quittek, Sprecher des Naturschutzverbands BUND, hängt die Bewertung davon ab, wo die Bäume herkommen. „So etwas ist immer eine Umweltbelastung, weil es nicht natürlich ist und durch den Transport Energie verbraucht“, sagt Thomas Quittek.

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Er kritisiert allerdings nicht das Baum-Projekt als solches. Aber er empfiehlt Privatleuten einen bewussteren Weihnachtsbaumkauf.

Naturschützer: „Über die Art und Weise nachdenken, wie Weihnachtsbäume gepflanzt werden“

„Man sollte auf jeden Fall über die Art und Weise nachdenken, wie sie gepflanzt worden sind“, sagt Quittek. Denn Bäume, die aus künstlich angelegten Weihnachtsbaumkulturen stammen, sind nicht ökologisch. Im Gegenteil: Solche Flächen seien genehmigungspflichtige Eingriffe in die Natur.

Die Nadelbäume aus solchen Kulturen werden laut Thomas Quittek mit Herbiziden behandelt, damit sie schön genug zum Verkaufen bleiben. Die Chemie verändere den Boden. Außerdem werde der restlichen Natur Fläche entzogen.

Die Rotfichten vom Hansaplatz stammen allerdings gerade nicht von einer solchen Kulturfläche: Sie stehen in einem Stück Wald, das der Forstbetrieb Schulte-Brinker aus Kirchhundem im Rothaargebirge bewirtschaftet. Unternehmensleiter Stefan Schulte-Brinker sagt: „Wir entnehmen die Fichten aus aufgeforsteten Waldflächen.“

Für die Dortmunder Bäume werden keine Flächen gerodet

Für die Bäume, die nach Dortmund kommen, würden keine Flächen gerodet. Sie gehören zu Beständen, die vor Jahren angepflanzt wurden. Dass sie gefällt werden, hilft laut Stefan Schulte-Brinker den Bäumen, die stehen bleiben. „Sie können dadurch besser wachsen und werden wieder zu Hochwald. Damit dienen sie der Forstwirtschaft, also der Produktion von Holz“, sagt Schulte-Brinker.

Die Produktion von Weihnachtsbäumen und Tannengrün sei ein wichtiger Betriebszweig. „Als Forstbetrieb denken wir über Generationen. Deshalb liegt uns viel an Nachhaltigkeit. Unser Betrieb lebt vom Wald“, sagt Stefan Schulte-Brinker.

Aus den Reaktionen auf die Berichterstattung zum Thema lässt sich ohnehin vor allem eines ablesen: Einer großen Mehrheit ist im Falle des Dortmunder Weihnachtsbaums ohnehin egal, woher die Bäume kommen. Viele ärgern sich über „Umweltspinner“, die „alles vermiesen wollen“.

Allerdings taucht immer wieder auch die Meinung auf, dass ein einzelner großer Weihnachtsbaum schöner wäre als der Baum aus 1700 kleineren Fichten.

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