Nach Rassismus-Kritik: Dschungel-Graffito in der Nordstadt soll übermalt werden

mlzMünsterstraße

Nach heftiger Rassismus-Kritik soll das umstrittene Dschungel-Graffito am Anfang der Münsterstraße verschwinden. Viele Anwohner fühlen sich von ihm beleidigt. Eine Frage ist aber noch offen.

Dortmund

, 05.02.2020, 20:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viviane Dörne war als Moderatorin einer Diskussion engagiert, doch früh stellte sie am Mittwoch (5.2.) klar: „Wir sind über den Punkt hinaus, zu diskutieren, ob das Graffito problematisch ist.“ Beim Thema Rassismus gehe es nicht um die Absicht der Urheber, sondern um die Wirkung bei den anderen.

Und weil es jede Menge Nordstadt-Bewohner als beleidigend empfinden, dass ein Dschungel-Schriftzug mitsamt Gorilla ein „Eingangstor“ zur Nordstadt schmückt, sei klar, dass sich an dem Bild etwas ändern muss. Drei Vorschläge zur Neugestaltung waren zum Diskussionstermin vor Ort bereits vorbereitet.

Rund 40 Besucher wollten mitbestimmen

Doch die rund 40 Besucher, unter ihnen viele Schüler, machten deutlich, dass sie gerne detaillierter mitbestimmen wollen. Sie konnten unter den vorbereiteten Entwürfen Klebepunkte anbringen, um für das jeweilige Bild abzustimmen. Fast alle Besucher wählten Option vier: einen Workshop, um gemeinsam ein neues Motiv zu gestalten.

Der 17-Jährige Jamal meldete sich zu Wort, als über das bisherige Dschungel-Graffito diskutiert wurde. „Das ist King Kong“, sagte er mit Blick auf den Gorilla: „Haben Sie den Film gesehen? Der entführt weiße Frauen.“ Mitschülerin Almira (16) pflichtete ihm später bei: „Das ist rassistisch. Das kann man nicht anders sehen.“

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Die Organisatoren vom Sozialen Zentrum Dortmund betonten, niemanden mit dem Graffito beleidigen zu wollen – aber es wurde auch deutlich, dass bei der Planung im Vorfeld nicht genügend die Perspektiven anderer Dortmunder eingenommen worden waren.

„Ich bin von Rassismus betroffen, ich vertrete eine deutsche Perspektive, aber eine schwarze deutsche Perspektive“, sagte Besucherin Isabelle Spieker und meinte ihre dunklere Hautfarbe: „Ich muss gestehen, dass ich als Privatperson schockiert war, als ich sah, dass hier so ein Bild gezeigt wird.“

Nach Rassismus-Kritik: Dschungel-Graffito in der Nordstadt soll übermalt werden

Viele junge Leute kamen am Mittwoch zur Diskussionsveranstaltung an die umstrittene Graffitiwand. © Kevin Kindel

Viele Besucher vertraten die Ansicht, mit dem Graffito werde die Nordstadt als Dschungel bezeichnet, in dem wilde Tiere leben. Es gab aber auch verteidigende Stimmen, die einen urbanen Dschungel im Sinne eines wuseligen Stadtviertels beschrieben. Gorillas könne man auch als starke und selbstbewusste Wesen sehen - andere dachten eher an Aggressionen.

„Es mag sein, dass es Personen gibt, die sich an diesem Bild nicht stören. Aber es geht um die Betroffenenperspektive“, sagte Viviane Dörne.

Also soll das riesige Wandbild nun übermalt werden. Ein Workshop für Künstler und alle anderen Interessierten wird jetzt für März oder April geplant, blickte Isabel Cramer vom Sozialen Zentrum voraus. Zunächst müsse die Bezirksvertretung Geld für das neue Vorhaben bereitstellen.

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