Das Dortmunder Gesundheitsamt ist für die Kontaktnachverfolgung zuständig. © Björn Althoff
Corona-Pandemie

Nach Rückstau: Wie läuft es jetzt bei der Kontaktverfolgung in Dortmund?

Eine Dortmunder Familie wundert sich, dass sie nach einem positiven Corona-Test in ihren Reihen vor einer Woche noch keinen Anruf vom Gesundheitsamt bekommen hat. Und fragt: Sind dort Betriebsferien?

Dr. Frank Renken, Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes, hatte schon am 8. Dezember vor dem Gesundheitsausschuss der Stadt über die mangelhafte Informationspolitik des Landes zu den Quarantäne-Regeln für positiv Getestete und ihre Kontaktpersonen geklagt.

Das Land als Verordnungsgeber kremple alle paar Wochen alles auf Links und verkünde dies in Pressekonferenzen, kritisierte Renken. Die Änderungen seien zwar gut gemeint und dafür gedacht, die Gesundheitsämter zu entlasten, doch das wisse keiner. Renken: „Am Ende kriegen wir die Haue, weil die Leute die Verordnung nicht kennen.“

Um solch einen Fall könnte es sich auch bei der Beschwerde einer Dortmunder Familie handeln. Bei einem Familienmitglied wurde am 22. Dezember vom Hausarzt ein Abstrich gemacht. Der Befund kam am 23. Dezember vom Labor: Corona-positiv. Das Labor teilte auch mit, dass das Familienmitglied erst Anfang Januar vom Gesundheitsamt zu Kontaktpersonen befragt werde.

120 Menschen im Gesundheitsamt im Einsatz

Die Familie versteht die Welt nicht mehr; denn sie mutmaßt, dass das Gesundheitsamt trotz besorgniserregender Infektionszahlen und massiver Einschränkungen für die Bürger während des Lockdowns zwischen Weihnachten und Neujahr Betriebsferien macht.

Dem ist aber nicht so, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Zurzeit seien 120 Menschen im Gesundheitsamt im Einsatz. Auch während der Feiertage ermittle man Indexfälle und Kontaktpersonen. „Somit werden die Kontaktpersonen nicht erst Anfang Januar befragt, wie es das Labor der positiv getesteten Person mitgeteilt hat“, sagt Stadtsprecher Christian Schön.

Anfang November hatte das Gesundheitsamt noch drei bis vier Tage gebraucht, um die Kontaktpersonen eines bestätigten neuen Corona-Infizierten zu benachrichtigen, Mitte November waren es ein bis zwei Tage. Doch aktuell seien alle Indexfälle abgearbeitet – und auch die Ermittlung der Kontaktpersonen zeige keine Rückstände auf, so Schön.

Kontaktpersonen selbst verständigen

Die meisten Menschen wissen inzwischen, dass Personen, die mit einer positiv getesteten Person in einer häuslichen Gemeinschaft leben, verpflichtet sind, sich unverzüglich nach Bekanntwerden des positiven Testergebnisses des Haushaltsmitglieds ebenfalls in Quarantäne zu begeben. Die Stadtverwaltung muss diese Maßnahme also nicht erst anordnen.

Doch eines wissen viele eher nicht – und darauf zielte die Kritik von Gesundheitsamtsleiter Renken vor dem Ausschuss: Die Haushaltsangehörigen müssen von sich aus das zuständige Gesundheitsamt über den Beginn der Quarantäne informieren und es unverzüglich kontaktieren, wenn sie Krankheitszeichen zeigen, die auf eine SARS-CoV-2-Infektion hindeuten.

Zudem müssen die positiv Getesteten selbst ihre Kontaktpersonen verständigen. Über die Quarantäne von Kontaktpersonen, die keine Haushaltsangehörigen sind, entscheidet die örtliche Ordnungsbehörde in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt.

Liste mit Kontaktpersonen vorbereiten

Die Kontaktpersonen-Nachverfolgung funktioniere bei einem bereits ermittelten Indexfall in der Regel dann schnell, wenn die positiv getestete Person eine Kontaktpersonen-Liste vorbereitet habe und unverzüglich alle Personen unterrichte, zu denen in den letzten vier Tagen vor der Durchführung des Tests oder seit der Durchführung des Tests ein enger Kontakt bestanden habe, so Stadtsprecher Schön.

Dennoch – warum besagte Dortmunder Familie vom Gesundheitsamt noch nicht befragt wurde, kann der Stadtsprecher nicht sagen. Möglicherweise sei das positiv getestete Familienmitglied nur in Dortmund zu Besuch gewesen und habe seinen Wohnsitz – wie gegebenenfalls auch die Kontaktpersonen – in einer anderen Stadt. Die müssten dann dort ermittelt werden. Schön: „Dieser Sachverhalt könnte sich auf die Ermittlungsdauer auswirken.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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