Nach vielen trockenen Monaten sind die Talsperren und Flüsse wieder voll

mlzWasserversorgung

Nach einer langen Trockenheit haben die für Dortmund lebenswichtigen Talsperren im Sauerland wieder normale Füllstände erreicht. Der Klimawandel hat Folgen für das Wassermanagement.

Dortmund

, 20.02.2019, 16:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hohe Temperaturen und kein Regen: Über Monate strapazierte das Wetter 2018 das Talsperren- und Flusssystem im Sauerland, das für 4,6 Millionen Einwohner ausgelegt ist.

Im November 2018 musste der Ruhrverband die Wasserabgabe aus den für Dortmund lebenswichtigen Talsperren im Sauerland stark drosseln, damit die Becken nicht leer laufen. Die Wasserabgabe an Flüsse wie Lenne und Ruhr ist wichtig, damit die an der Ruhr gelegenen Wasserwerke das abgeleitete Rohwasser in Trinkwasser umwandeln und in die Städte leiten.

Diese Grafik veranschaulicht die Trockenheit im Jahr 2018: Ab Juli gehen die Füllstände in der Talsperren zurück. Erst im Januar 2019 steigen die Werte wieder:

Einen Füllstand von nur 42 Prozent hatten die Talsperren zuletzt in den 1970er-Jahren.

Die Speicherbecken von Möhne-, Henne- und Sorpesee in der Nordgruppe des Ruhrverbands und die Talsperren der Südgruppe (Bigge, Verse, Fürwigge, Lister, Ennepetal) sind zwar nicht zu 100 Prozent aufgefüllt, sondern nur zu 83,4 Prozent (Stand: 20.2.2019).

Doch die insgesamt 400,13 Millionen Kubikmeter Wasser entsprechen zu 100,4 Prozent dem zu dieser Jahreszeit üblichen Mittelwert.

Viel mehr Wasser sollen die Talsperren in den Wintermonaten nicht speichern, denn das nicht genutzte Volumen muss der Ruhrverband für den Hochwasserschutz freihalten - damit Städte wie Altena im engen Lennetal bei starkem Regen keine nassen Füße bekommen.

Konsequenzen für das Wassermanagement

Aus dem viel zu trockenen Jahr 2018 wollen der Ruhrverband und die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr nun Konsequenzen ziehen. Anfang November 2018 hatte das NRW-Umweltministerium dem Ruhrverband die Genehmigung erteilt, weniger Wasser als sonst üblich an das unter den Talsperren gelegene Flusssystem abzugeben.

Laut Britta Balt vom Ruhrverband soll in Zukunft die Wasserabgabe schon früher gedrosselt werden können, wenn über einen langen Zeitraum der natürliche Nachschub von oben ausbleibt und die Talsperren trocken zu fallen drohen.

Nach vielen trockenen Monaten sind die Talsperren und Flüsse wieder voll

Der Biggesee im September 2018: Die hellen Flächen auf dieser Staumauer verraten, dass der Wasserspiel gesunken ist. © Peter Bandermann

Britta Balt: „Ohne die starken Regenfälle im Dezember und ohne die Reduzierung der Wasserabgabe an die Flüsse hätten wir uns jetzt mit dem Ausfall des Talsperrensystems beschäftigen müssen.“

Das hätte dann weitreichende Konsequenzen für die 4,6 Millionen Einwohner, die von den Wasserwerken an der Ruhr mit Trinkwasser versorgt werden. Die Trinkwassernotversorgung ist laut Bundesamt für den Zivilschutz ursprünglich für den „Verteidigungsfall“ konzipiert worden und soll eine „Grundversorgung“ sicherstellen. Etwa 5000 Brunnen gibt es dafür in Deutschland - jedoch nicht in Dortmund. Die Stadt hat andere Pläne. Statistisch soll der Notstand nur einmal in 500 Jahren eintreten. Diese Zahl wurde berechnet, als der Klimawandel noch nicht diskutiert wurde. Nach aktuellen regionalen Studien soll der Notfall einmal in 200 Jahren eintreten können. Der Klimawandel ist dabei berücksichtigt.

Lage ist für Landwirte wieder normal

Zufrieden ist derzeit auch der Dortmunder Landwirt Tobias Erve vom Steffenhof in Benninghofen. Ende 2018 hatte er noch die Sorge, dass der Ackerbau leiden und nach dem Wassermangel die Ernte den Bach runter gehen würde. „Im Acker ist jetzt wieder genug Wasser. Die Lage hat sich zu unserem Glück normalisiert“, sagte er. Die Voraussetzungen für eine gute Ernte bei den typischen Viehfutterpflanzen wie Ackerbohne, Hafer und Mais seien jetzt gut.

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