Nachbarschafts-Zoff am BVB-Gelände: Streit um Neubau eskaliert

mlzHohenbuschei-Bauärger

So verfeindet sind wohl nur wenige Nachbarn in Dortmund: An der Max-Michallek-Straße herrscht weiter Unfrieden wegen eines Neubaus. Die Parteien werfen sich allerhand vor.

Brackel

, 10.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine gute Nachbarschaft wird das sicher nicht mehr. Die Anwohner der Max-Michallek-Straße 3-5 auf Hohenbuschei werfen der Bauherrin Bettina Nowarre, die nebenan baut, so einiges vor – und umgekehrt.

Vorwurf an die Stadt wegen Erteilung der Baugenehmigung

Ein Blick zurück: Im Mai 2019 fragten die Anwohner: „Wie kann es sein, dass in einem Baugebiet, in dem per Bebauungsplan ganz klar eine maximale Geschosshöhe von dreieinhalb Stockwerken erlaubt ist, jemand plötzlich viereinhalb Geschosse bauen darf?“ Nicht nur ihre Terrasse sei nun voll einsehbar, sagten Susanne Brenscheidt und Martin Neumann damals, sondern auch das nahe BVB-Trainingsgelände. Möglicherweise sei die zusätzliche Etage nur gebaut worden, um einem künftigen Bewohner diese Aussicht zu ermöglichen. Sie bezweifelten, dass dem BVB das recht sei. Der BVB wollte diese Vermutung damals nicht kommentieren.

Klage beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen

Die Anwohner beließen es aber nicht bei der Frage, sondern reichten Klage beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ein. Seither läuft das Verfahren. Mit einem Urteil sei nicht vor 2021 zu rechnen, sagen sie. Die Stadt Dortmund verteidigte im vergangenen Jahr die Baugenehmigung mit einem „städtebaulichen Akzent“, den das Gebäude setze. Gleichzeitig teilte die Stadt der Bauherrin mit, dass sie nur auf eigene Verantwortung weiterbauen dürfe. Sollte das Verwaltungsgericht die Baugenehmigung doch kippen, erhalte die Bauherrin keinerlei finanzielle Entschädigungen.

Die Vorwürfe der Anwohner Susanne Brenscheidt, Martin Neumann sowie Dominic Kaltenberg lauten:

  • Der Bau schreite nicht voran, was für sie ein monatelanges Leben auf der Baustelle bedeute. Womöglich verzögere Bauherrin Bettina Nowarre den Bau wegen des drohenden Verwaltungsgerichtsurteils. „Stimmt nicht“, sagt Bettina Nowarre, „die Arbeiten liegen im Zeitplan.“
  • Es gibt Sicherheitsbedenken. Die Baustelle sei gar nicht mehr sicher. „Stimmt nicht“, sagt Bettina Nowarre, „die Baustelle wird über einen Sicherheitskoordinator (SIGEKO) ständig überwacht.“ Und: „Die Gerüste sowie die Baustelle sind durch die Berufsgenossenschaft ordnungsgemäß freigegeben.“ Unterstützung erhalten die Anwohner allerdings von Thomas Schiffer, einem Sachverständiger für die Montage von Fenstern und Haustüren aus Kempen, der nach eigenen Angaben zwischen Juli und September 2019 auf der Baustelle tätig gewesen war. Er sagt, die Berufsgenossenschaft habe den Bau zwischenzeitlich mehrmals stillgelegt. Von der Genossenschaft selbst war dazu mit Hinweis auf den Datenschutz keine Stellungnahme zu erhalten.

So sieht der umstrittene Neubau an der Max-Michallek-Straße 1 auf Hohenbuschei im Februar 2020 aus.

So sieht der umstrittene Neubau an der Max-Michallek-Straße 1 auf Hohenbuschei im Februar 2020 aus. © Andreas Schröter

Bettina Nowarre ihrerseits wirft den Anwohnern vor:

  • Sie hätten widerrechtlich eine 360-Grad-Kamera angebracht, die ständig die Baustelle überwache. „Stimmt nicht“, sagen die Anwohner, es handele sich um eine 120-Grad-Kamera, die lediglich die eigene Terrasse der Anwohner überwache.
  • Sie hätten ihren Bodenaushub widerrechtlich auf Bettina Nowarres Grundstück abgelegt. „Dafür haben wir 750 Euro Miete gezahlt“, kontern die Anwohner.
  • Die Anwohner hätten ihren Garten noch nicht hergerichtet, was für die künftigen Bewohner des Neubaus kein schöner Anblick sei. Die Beklagten sagen: „Wir können unseren Garten nicht herrichten, so lange Baustellenmaterialien und auch Schläuche, die zum Nowarre-Bau gehören, auf unserem Grundstück lagern.“

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