Nachtbürgermeister für Dortmund? So funktioniert das Konzept in der Musterstadt Mannheim

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In Dortmund gibt es Überlegungen, einen Nachtbürgermeister einzuführen. Die erste deutsche Stadt, die ein solches Amt einführte, war 2018 Mannheim. Wir haben nachgefragt, wie es dort läuft.

Mannheim

, 17.01.2020, 14:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter den Akteuren der Dortmunder Nachtökonomie - also Clubbetreibern, Gastronomen und anderen Gewerbetreibenden mit Hauptumsatz nach 22 Uhr - gibt es den Wunsch nach einem festen Ansprechpartner - einem sogenannten Nachtbürgermeister. Die Wirtschaftsförderung Dortmund steht dem aufgeschlossen gegenüber.

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In Mannheim in Baden-Württemberg lässt sich beobachten, wie das Prinzip des Nachtbürgermeisters funktionieren könnte. Seit 2018 ist hier Hendrik Meier „Night Mayor“ als Angestellter eines städtischen Tochterbetriebs.

„Durchweg positive Erfahrungen“ in Mannheim

Das zunächst befristete Projekt wurde gerade erst auf Dauer angelegt. „Denn wir haben durchweg positive Erfahrungen gemacht“, sagt Dr. Matthias Rauch, Leiter der Kulturellen Stadtentwicklung Mannheim.

In drei Funktionen habe Hendrik Meier in den ersten eineinhalb Jahren Erfolge erzielt: Als Vermittler bei Konfliktfällen, als Impulsgeber für neue Unternehmer und bei der Vernetzung innerhalb von Nachtkultur und Nachtökonomie.

„Es ging um ganz klassische Lärmbeschwerden, aber auch das Thema Müll im Nachtleben“, sagt Matthias Rauch. Durch Betreibertreffen und engen Austausch mit Polizei und Ordnungsamt sei die Verbindung in die Verwaltung gestärkt worden. „Es gibt ein anderes Vertrauensverhältnis.“

Vereinbarung für Szeneviertel - und Dinge, die nicht geklappt haben

Im Mannheimer Szeneviertel Jungbusch ist eine Vereinbarung für den Umgang miteinander verabschiedet worden. An anderen Stellen zeigte sich, dass der Einfluss eines „Night Mayors“ auch Grenzen hat. Eine Verkürzung der Sperrstunde - wie sie auch in Dortmund von manchen gefordert wird - war in Mannheim rechtlich nicht möglich.

Mannheim ist mit 320.000 Einwohnern etwa halb so groß wie Dortmund, hat aber als größte Stadt in einer Metropolregion eine vitale Bar- und Clubszene mit rund 130 Betrieben.

Stadtentwickler Matthias Rauch sagt: „Das ist ökonomisch ein wichtiger Faktor, denn da wird wertgeschöpft. Aber es ist vor allem kulturell ein wichtiger Standort-Faktor. Es wird von den Leuten erwartet, dass Städte ein breit gefächertes Ausgeh-Angebot liefern. Clubkultur gehört genauso dazu wie Theater oder Kino.“

Es gibt kein Konzept, das auf jede Stadt passt

Eine Erkenntnis der vergangenen 18 Monate: Die Ausgehkultur hat sich verändert. Das klassische Businessmodell von Clubs habe sich überholt, weil viele Menschen erst spät ausgehen und weniger auswärts und mehr zuhause konsumieren. Deshalb gibt es in Mannheim auch erste Gespräche über eine Tag-Nutzung von Räumen, wie es etwa in den Niederlanden Standard ist.

Laut Matthias Rauch wurde aber ebenfalls deutlich, dass es beim Konzept des Nachtbürgermeisters keine Schablone gibt, die auf jede Stadt passt.

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