Möge die Party beginnen: Bei der Ausstellung "Hello again" wird das Dortmunder U zum Nachtclub. © Felix Guth
Ausstellungen

Nachtleben: So kommen Dortmunder jetzt in die geschlossenen Clubs

Zwei Ausstellungen in Dortmund ermöglichen den Eintritt an Orte, die gerade eigentlich nicht betretbar sind: in die Clubs der Stadt. Das ist auch für die spannend, die nicht so oft tanzen gehen.

Seit März 2020 sind Clubs und vergleichbare Tanz-Lokalitäten wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Gleichzeitig haben sich wahrscheinlich noch nie so viele Menschen in Dortmund mit der Clubkultur der Stadt beschäftigt.

Denn erst als die Clubs und das Ausgehen fehlten, kam bei vielen die Frage auf: Was bedeuten diese Orte eigentlich für uns als Menschen und für die Stadt insgesamt?

Sie bedeuten eine ganze Menge und es gibt mehr Clubkultur in Dortmund als man auf den ersten Blick sieht. Diese Antwort liefern zwei sehr unterschiedliche Ausstellungsformate auf der UZwei im Dortmunder U und in sieben Dortmunder Clubs.

Clubbing – auch für Menschen, die sonst nicht in Clubs gehen

Dort finden zwei bemerkenswerte Auseinandersetzungen mit dem Clubbing als kultureller Praxis statt – sowohl im globalen als auch im lokalen Kontext. Und sie sind auch für Leute spannend, deren letzter Clubbesuch Jahre oder Jahrzehnte her ist. Oder die sogar noch nie in einem Club waren.

Mit Kylie Minogues Disco-Hit-Zitat „Can’t Get You Out Of My Head“ ist eine dezentrale Ausstellung in sieben Dortmunder Clubs überschrieben. Die Idee: Wenn schon die Menschen nicht zum Tanzen hinein dürfen, dann bitte wenigstens, um sich Kunst anzuschauen.

Medienkunst in vielen Facetten ist bis zum 8. August an diesen Orten ausgestellt: Großmarktschänke (Heilger Weg 60 g), Langer August (Braunschweiger Straße 22), Oma Doris (Reinoldistraße 2-4), Rekorder (Gneisenaustraße 55), Subrosa (Gneisenaustraße 56), Tresor.West (Phoenixplatz 4) und Zum Schlips (Brückstraße 66).

Dezentrale Ausstellung als Zeichen der Solidarität

„Can’t Get You Out Of My Head“ ist eine Kooperation zwischen Uzwei und dem Hartware Medienkunstverein (HMKV). „Es ist ein Zeichen der Solidarität für die Orte, die am längsten von allen geschlossen sind“, sagt Fabian Saavedra-Lara, Co-Kurator der Ausstellung.

Schon der Aufbau der Kunstwerke habe für emotionale Momente gesorgt, weil es für einige Mitarbeitende die erste Schicht nach eineinhalb Jahren war.

Inke Arns vom HMKV ergänzt: „Wir zeigen Clubkultur als politischen Moment“. So befassen sich einige der Arbeiten von Künstlern wie Jeremy Deller, Arthur Jafa und anderen damit, wie das Feiern weltweit Ausdruck von Freiheit, Widerstand und Emanzipation für ausgegrenzte, queere oder schwarze Menschen ist.

Die Öffnungszeiten von „„Can’t Get You Out Of My Head“ sind an die gängigen Club-Zeiten angepasst: freitags 18 bis 0 Uhr, samstags 11 bis 0 Uhr und sonntags 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Viele Dortmunder Clubs an einem Ort vereint

Wem die Reise durch sieben Clubs zu weit ist, der kann die Dortmunder Nachtkultur auch im Dortmunder U nachempfinden. Dort läuft noch bis zum 7. November „Hello again“. Diese Ausstellung betritt der Besucher in der 2. Etage durch eine echte Disco-Garderobe und einen graffiti-beschmierten Plastik-Vorhang.

Dahinter: ein Dortmunder Mash-Up-Club. Ein DJ-Pult vor dem Tresor.West-Banner, davor ein Tisch mit Telefon aus dem Oma Doris, dahinter noch Devotionalien aus Großmarktschänke und Weinkeller, schließlich ein Bauzaun aus dem Speicher 100. „Wir wollten deutlich machen, was wir miteinander vermisst haben“, sagt Judith Brinkmann, Leiterin der UZwei.

Hier lernt man viel über das Dortmunder Nachtleben

Wer ohnehin schon sein Herz an Live- und Clubkultur verloren hat, bei dem erzeugt die multimediale Ausstellung ein Kribbeln. Denn sie macht diese besonderen Momente der Nacht wieder lebendig. Und man merkt, wie sehr man sie vermisst.

Doch auch wer sich bisher nicht mit der Dortmunder Clubszene befasst hat, der lernt bei „Hello Again“ eine Menge. Welche Clubs es seit 1975 in Dortmund gab. Wie vielfältig die Nachtkultur der Stadt ist. Wie viele Menschen ihre Energie für das Vergnügen anderer einsetzen und sich dabei zunehmend auch mit Themen wie Genderdiversität und strukturellem Rassismus auseinandersetzen.

Begleitprogramm mit Lectures und Workshops

  • Es gibt ein Begleitprogramm zu den Ausstellungen, unter anderem mit „Lectures“ von Steffen Korthals (DJ Dash) am 11.7. und 8.8. (jeweils Sonntag), einer Fahrradexkursion zu den sieben Clubs oder Workshops zu Rap und elektronischer Musik.
  • Beide Schauen docken zudem an die große Ausstellung zum „Studio 54“ im Dortmunder U an, die seit dem 26. Juni läuft.
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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