Naturschutzbund: Weniger Meisen in Dortmund

Schwache Bruterfolge

Es gibt weniger Meisen in Dortmund. Viele Dortmunder halten vergeblich in ihren Gärten Ausschau nach den kleinen gelb-blau gefiederten Tieren, für die sie Knödel gekauft haben. Dr. Erich Kretzschmar vom Naturschutzbund bestätigt das und spricht von "gefühlt weniger" Meisen. Eine Katastrophe sei das aber nicht.

DORTMUND

, 25.12.2016, 12:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Blaumeisen kehren im Winter immer wieder zu ihren Futterstellen zurück. Aktuell sind sie kaum zu sehen – vermutlich, weil viele Jungtiere die Nässe-Kälte-Kombination im Frühjahr 2016 nicht überlebt haben.

Blaumeisen kehren im Winter immer wieder zu ihren Futterstellen zurück. Aktuell sind sie kaum zu sehen – vermutlich, weil viele Jungtiere die Nässe-Kälte-Kombination im Frühjahr 2016 nicht überlebt haben.

"Das Thema wird immer mehr diskutiert, denn Tatsache ist: An den Futterstellen sind weniger Meisen zu sehen. Ich führe das auf die schlechten Bruterfolge im Frühjahr 2016 zurück", erklärt Dr. Erich Kretzschmar auf Anfrage unserer Redaktion. Anlass war die schlechte Nachfrage an den fetthaltigen Meisenknödeln, die vor Fenstern, auf Terrassen und Balkonen oder in Gärten hängen, ohne dabei an Substanz zu verlieren.

Der Mai 2016 – ein nasser und kalter Monat, der den Speiseplan der Meisen mit weitreichenden Folgen durcheinander gebracht hat. Denn das schlechte Wetter hatte Folgen auch für den Raupen-Bestand im Stadtgebiet. Die Altvögel beliefern ihre Brut im Minutentakt mit den energiereichen Raupen. Wenn sie denn da sind.

Allgemeiner Rückgang bei Insekten

"Dazu kommt der allgemein zu beobachtende Rückgang bei den Insekten", sagt Erich Kretzschmar über das immer ärmer werdende Nahrungsangebot in der Natur. Fehlende Nahrung, Nässe und Kälte bildeten im Frühjahr 2016 also eine für die Aufzucht in Nestern und Nistkästen ungünstige Kombination.

"Tatsächlich haben unsere Nistkästen-Betreuer viele tote Jungvögel und nicht ausgebrütete Eier entdeckt. Die Jungvögel sind erfroren oder verhungert. Die meisten haben Ernährungsprobleme bei kalter Witterung", sagt der beim Naturschutzbund für die Brutvogelkartierung zuständige Biologe.

Pro Jahr bis zu 30 Eier

Mutter Natur weiß allerdings um die Sensibilität der Meisen – und hat ihr deshalb drei Brutzeiten ins Stammbuch geschrieben. Pro Jahr könne ein Paar bis zu 30 Eier ausbrüten. Bei guten Bedingungen können sich die Meisen-Populationen schnell wieder erholen. Schlecht sei allerdings, wenn Nässe und Kälte zwei bis drei Jahre aufeinanderfolgten.

Normal sei, dass viele Meisen das erste Lebensjahr nicht überstehen würden. Statistisch werden Meisen nur 0,8 Jahre alt. Vogel-Beobachter haben in England schon eine zwölf Jahre alte Meise gesichtet. In der Ruhrgebietsstadt Essen wurde eine siebenjährige Meise wiedererkannt. Die Tiere waren als Jungvögel beringt worden.

Kein "Meisen-Drama"

Von einem Meisen-Drama möchte der Naturschützer nicht sprechen: "Die Art ist nicht verschwunden. Es sind gefühlt weniger Meisen, belastbare Zahlen gibt es jedoch nicht." Ein Blick in das Handbuch der Vögel Mitteleuropas verrät, dass Meisen-Populationen regional und auch lokal stark schwanken können.

Was kann der Großstadt-Mensch unternehmen, um die Meisen wieder anzusiedeln? Die Antwort ist ernüchternd: "Nichts". Denn wo keine Meisen sind, machen sich andere Tierarten über Meisenknödel, Erdnüsse oder Sonnenblumenkerne her. Mensch muss auf Meise einfach warten.

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