Nazis fliegen in Dorstfeld aus dem „Stress-Café“ raus

Rechtsextremismus

Mietrückstände, keine Kaution gezahlt: Der italienische Eigentümer eines Ladenlokals in Dorstfeld hat den Vertrag gekündigt und die Mieterin aus der Naziszene vor die Tür gesetzt.

Dortmund

, 05.02.2019, 19:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nazis fliegen in Dorstfeld aus dem „Stress-Café“ raus

Das „Stress-Café“ sorgte Mitte Dezember 2018 für Stress in Dorstfeld, da es aus dem Nazi-Milieu heraus eröffnet worden ist. Wegen fehlender Geldzahlungen ist der Pächterin gekündigt worden. Nach wenigen Wochen ist der Laden nun wieder dicht. © Peter Bandermann

Ein Mitte Dezember 2018 am Dorstfelder Hellweg eröffnetes „Stress-Café“ sollte als Nazi-Etablissement durchstarten. Laut Oberbürgermeister Ullrich Sierau habe „die Zahlungsfähigkeit nicht ausgereicht, um einer Kündigung zu entgehen“. Das sagte er während einer Verwaltungsvorstands-Sitzung am Dienstag (5.2.2019) im Dortmunder Rathaus. Daran teilgenommen hat auch der Leitungsstab der Polizei.

Italienischer Eigentümer soll gekündigt haben

Der italienische Eigentümer der Immobilie am Dorstfelder Hellweg / Ecke Sachsenwaldstraße hat der Mieterin aus der Neonaziszene die Kündigung zugestellt, weil die Kaution nicht gezahlt worden sei. Die Eigentümerfamilie bestätigte das am Dienstagabend in Dorstfeld. Das Café ist geschlossen und soll im Sommer als Eisdiele wiedereröffnen. Derzeit hängt dort noch eine Deutschlandfahne herab, und eine auf die Fassade gerichtete Videokamera blinkt vor sich hin.

Der schnelle Abgang aus der Gastronomie-Branche passte in das Bild, mit dem der Oberbürgermeister im Rathaus vor Journalisten und dem Leitungsstab der Polizei die Dortmunder Neonazi-Szene beschrieben hat: „Diese Herrschaften sind nicht anschlussfähig. Die Bevölkerung schließt sich ihren Demonstrationen nicht an.“

Frühere Ratsmitglieder der Partei „Die Rechte“ hätten Dortmund verlassen oder säßen aktuell im Gefängnis, berichtete Ullrich Sierau. Die Szene sei nicht besonders groß und nicht besonders kreativ. „Sie wird romantisiert und überhöht“, sagte Dortmunds Oberbürgermeister. Führende Mitglieder zeigten ein „angekratztes Nervenkostüm“. Ein Ratsmitglied habe mehrmals den Ratssaal verlassen müssen und zeige sich immer seltener.

Szene ist klein und gefährlich

Auch Polizeipräsident Gregor Lange äußerte sich zum aktuellen Lagebild. Die Szene sei zwar klein, aber wegen ihrer bundesweiten und internationalen Vernetzung gefährlich. Die Polizei habe „gute Erfolge erzielt“. Strenge Auflagen für Demonstrationen, Verurteilungen vor Gericht und aktuelle Strafverfahren würden der Szene zusetzen. „Aber wir müssen wachsam bleiben“, sagte der Polizeipräsident. Der hohe Druck habe sich in einem besonders wichtigen Bereich ausgewirkt: So sei die Zahl der Gewalttaten zurückgegangen. Die Zahlen:

  • 2015 50
  • 2016 36
  • 2017 17
  • 2018 liegen noch nicht vor

Bemerkenswert sei, dass die Dortmunder Neonazi-Szene nicht anwachse, sondern von Austausch, Weggängen und Zuzügen geprägt sei. Ein „Eindringen in die Allgemeinbevölkerung“ sei nicht feststellbar. „Wir haben es mit einer kleinen, isolierten Szene zu tun. Eine gefährliche Szene, die ihre Werkzeuge nutzen kann. Deshalb ist unser Druck auch so hoch.“

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