Neonazi-Übergriffe in Dortmund häufen sich

Unzufriedenheit als Ursache

In keiner Stadt in NRW gab es in der jüngeren Vergangenheit so viele Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund wie in Dortmund. Die Zahl der Vorfälle in Form von gewalttätigen Angriffen, Hakenkreuz-Schmierereien und rechten Parolen hat sich in den vergangenen Wochen noch einmal gehäuft.

DORTMUND

von Von Matthias Dersch

, 22.10.2011, 05:05 Uhr / Lesedauer: 1 min

 „Die Neonazis haben in Dortmund binnen kurzer Zeit zwei symbolhafte Kämpfe verloren. Jetzt setzen sie wieder verstärkt auf die Karte Gewalt“, sagt Borstel von der Universität Bielefeld, der die Strukturen der Dortmunder Szene seit Jahren beobachtet. „Die Teilnehmer-Zahlen der Gegen-Demos haben sie ebenso beeindruckt wie das große bürgerliche Engagement in Dorstfeld. Die Rechtsextremisten sind in Wallung.“  Und das äußert sich scheinbar auf den Straßen: Seit dem 3. September kam es in Dortmund mindestens zu sieben Gewaltdelikten mit rechtsextremistischen Hintergrund. Zuletzt attackierten am vergangenen Wochenende drei Neonazis binnen zwei Stunden mehrere Personen in der Dortmunder Innenstadt.

 Zwischen 2005 und 2010 gab es in der größten Stadt des Ruhrgebiets deutlich mehr Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund (1080) als in anderen Städten Nordrhein-Westfalens. Köln (648) und Aachen (485), die ebenfalls als Hochburgen gelten, blieben weit hinter diesen Zahlen zurück. In Essen kam es zu 725 rechtsextremistischen Straftaten. Aktuelle Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor, sie werden im Frühjahr 2012 vom NRW-Innenministerium vorgestellt.  Der Bochumer Sozialwissenschaftler Jan Schedler liegt ein Teil des Dortmunder Problems auch bei der Polizei: die greife deutlich zu lax ein. Auf Anfrage dieser Zeitung wies der Staatsschutz den Vorwurf als „unberechtigt“ zurück. Das könne man auch belegen.

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