Essen in Schichten, viele Protokolle: Corona-Regeln fordern Restaurants massiv

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Restaurants dürfen seit Montag (11.5.) wieder Gäste empfangen. Das Labsal ist ein klassisches kleines Restaurant - und musste für die Wiedereröffnung einiges verändern.

Dortmund

, 14.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch das kleine Fleckchen Schwaben gegenüber vom Dortmunder U hatte es zuletzt nicht leicht. Das Restaurant Labsal durfte keine Gäste hinein lassen, erst seit dieser Woche ist das wieder erlaubt. Und das bedeutet ziemlich viel Aufwand.

Gemeinsam mit Jessica Pahl hat Florian Kohl das Labsal im Spätsommer 2017 eröffnet, an der Rheinischen Straße 12 gibt es Spätzle, Maultaschen und noch einige andere Spezialitäten aus Süddeutschland.

In den vergangenen Wochen durfte sich hier aber niemand an einen der Tische setzen und mit Freunden ein paar Stunden was essen und trinken. Seit Dienstag (12.5.) hat das Labsal aber wieder geöffnet. Statt der mehr als 30 Sitzplätze sind es nun aber deutlich weniger.

Viele Protokolle und Listen sind jetzt Standard

Wie viele genau? Das kommt darauf an. „Es dürfen zwei Haushalte an einem Tisch sitzen“, sagt Florian Kohl. Und je nachdem, wie viele Menschen das dann sind, verändere sich auch die Anordnung aller Tische im ganzen Laden.

„Wir haben erst einmal alles rausgeräumt und dann an den Ecken angefangen“, sagt Kohl über die neue Anordnung der Tische. Denn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Gästen, die nicht zu einer Gruppe gehören, ist eine der Voraussetzungen dafür, dass Restaurants überhaupt wieder öffnen dürfen.

Es kommen aber noch eine Menge anderer Pflichten hinzu, berichtet Kohl: „Wir mussten eine grobe Raumskizze mit der Anordnung der Tische anfertigen, wir mussten unsere Mitarbeiter unterweisen und das protokollieren, wir haben Protokolle für die Handwäsche und das Desinfizieren, es gibt eine Kontrollliste für die Toiletten.“

Der Weg zur Toilette als Knackpunkt

Gäste müssen sich mit Name, Adresse und Unterschrift in eine Liste eintragen. Sobald sie das Restaurant verlassen haben, müssen die Labsal-Mitarbeiter Tische, Stühle, Armlehnen und Karten desinfizieren.

 Im Restaurant Labsal in Dortmund ist die Zahl der Plätze wegen Coronaverordnungen begrenzt.

Mehr Platz als gewohnt: Im Labsal ist die Zahl der Plätze begrenzt. © Labsal

Der vorgeschriebene Mindestabstand sorgt auch dafür, dass das Labsal für den freien Weg zur Toilette einen Tisch opfern muss. Normalerweise wäre davor noch Platz inklusive Sicherheitsabstand. „Dann wären die Gäste allerdings zu dicht an unserer Theke. Für die habe ich vor einer Woche eine Plexiglasscheibe bestellt“, sagt Kohl. „Die ist aber noch nicht da.“ Also muss der Tisch unbesetzt bleiben.

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Wie so viele andere Restaurantbetreiber auch stehen Kohl und Pahl vor einem Dilemma. Lohnt sich das Aufmachen – oder zahlen sie nur drauf? Das Labsal hat sich fürs Aufmachen entschieden. „Es wird sich zeigen, wie lange die Leute zurückhaltend sind“, sagt Kohl. „Natürlich haben wir jetzt weniger Einnahmen. Aber wenn wir schließen, verdienen wir noch weniger.“

Am ersten Tag der Öffnung war noch wenig los. „Das war aber gar nicht mal so schlimm, denn da konnten wir die ganzen neuen Auflagen für uns durchexerzieren“, sagt Kohl.

Der erste Tag lief mäßig, der Freitag ist ausgebucht

Für Freitag (15.5.) wiederum ist der komplette Tag ausgebucht. Wer im Labsal essen möchte, sollte also auf jeden Fall reservieren, wählbar sind aktuell drei Zeiten - quasi im Schicht-System. Die Karte ist ein wenig reduziert.

„Unsere Gäste sind sehr verständnisvoll“, sagt Kohl. Viele Menschen müssten aber erst eine gewisse Skepsis verlieren, ehe sie wieder in ein Restaurant gehen. „Auch für sie ist es komisch“, so Kohl.

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In den vergangenen Wochen hat das Labsal aber trotzdem Essen verkauft, es gab Maultaschen zum Abholen vor Ort. „Wir haben das direkt an dem Tag begonnen, als beschlossen wurde, dass Restaurants schließen müssen“, sagt Kohl.

Das sei erstaunlich gut gelaufen - zumindest bis Ostern. „Dann kam das gute Wetter und die Grillsaison hat angefangen, das kommt Gastronomen nicht zu Gute“, so Kohl. Die Idee für einen Lieferservice habe man aber schnell verworfen.

Jetzt ist die Grenze zum kleinen Fleckchen Schwaben ohnehin wieder geöffnet.

Gutschein

Hilfe für das Restaurant digital möglich

  • Wer das Labsal unterstützen möchte, kann das auch digital tun. Möglich ist das über die Plattform Love Your Artist.
  • „Natürlich liegt es in Eurer Hand, ob ihr die Gutscheine einlöst oder sie sozusagen als Spende an diesen kleinen feinen Ort in Dortmund ansehen möchtet“, schreibt das Labsal auf seiner Facebook-Seite mit einem Augenzwinkern.
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