Neuer Chor „Singbunt“ singt für mehr Vielfalt

mlzMusik im Westpark

Im Unionviertel hat sich ein neuer Chor gegründet: „Singbunt“ setzt sich für Freiheit und kulturelle Vielfalt ein. Die Sänger singen unter anderem auf Hebräisch. Mitmachen können alle.

Unionviertel

, 16.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfangs könnte man meinen, man ist im Irrenhaus. „Sing sing sing, sang sang sang, lalalalalaaaaa“, trällert die Gruppe und wird zum Ende hin immer höher. Dann geht’s mit einer weiteren Übung weiter.

Knapp 20 Menschen stehen in einem ei-förmigen Halbkreis und machen Aufwärmübungen für die Stimme. Chorleiter Winfried Meyer gibt mit seiner tiefen Stimme und Keyboard die Töne vor, alle anderen singen sie nach. Hier, in einem Hinterzimmer eines Cafés, hat sich der Chor „Singbunt“ versammelt.

Noch ist er brandneu, probt an diesem Abend erst das dritte Mal. Das besondere an dem Chor: Die Teilnehmer singen nicht einfach nur fröhlich irgendwelche Lieder, sondern setzen sich dabei auch noch für Freiheit und Vielfalt ein.

Ein Zeichen gegen Rechts

Entstanden ist der Chor als „Bierdeckel-Idee“, wie Winfried Meyer es bezeichnet: Die 28-jährige Swenja Reil wollte einen Chor gründen, der ein Zeichen gegen Rechts setzt. Mit Menschen, die aus vielen verschiedenen Kulturen kommen, ob jung oder alt, und verschiedene Sprachen sprechen. „Das Ziel ist schon, auch mal bei einer friedlichen Gegendemo aufzutreten“, sagt sie. Dort herrsche eine ganz andere Atmosphäre, die einen sofort mitreißt. Trotzdem sei die Teilnahme an so einer Demonstration kein „Muss“ für Chorbegeisterte, wird schnell hinzugefügt. Verschreckt werden soll niemand.

Die Idee zu „Singbunt“ habe in Svenja Reils Bekanntenkreis gleich für Begeisterung gesorgt. Jetzt, ein paar Monate später, hat der Chor bereits viele Unterstützer und bekomme sogar Fördergelder, so Winfried Meyer. Er wurde zum Chor als erprobte Unterstützung dazugeholt, seit 40 Jahren ist er in der „Chorszene“ der Stadt aktiv.

Der 57-Jährige sucht alle Lieder selbst aus, die meisten von ihnen sind auf anderen Sprachen: Chilenisch, verschiedene afrikanische Sprachen, Türkisch - und Hebräisch: „El haderech“ heißt ein Lied, das der Chor heute Abend singt. Darin geht es um einen beschwerlichen Weg, der zusammen gemeistert werden muss.

Und die Textzeilen sind nicht gerade einfach zu lesen, geschweige denn zu singen. „We shuv Ne-ze-a-el- ha-de-rech jad he jad la de-rech“, liest die Gruppe langsam zusammen, bevor es dann stockend ans Singen der ersten Strophe geht.

Auch viele junge Menschen dabei

Winfried Meyer meint: Die älteren Menschen in der Gruppe würden zwar noch mehr Probleme haben als jüngere, die fremden Sprachen zu lesen. Aber prinzipiell seien auch die älteren Teilnehmer alle offen. Schließlich heißt der Chor ja auch „Singbunt“, im wortwörtlichsten Sinne. Generell würden Chöre bei jüngeren Menschen wieder im Kommen sein. Der Blick in die Runde zeigt: Zwar sind die meisten Sängerinnen und Sänger um die 40, 50 Jahre - dazwischen sieht man aber auch viele jüngere Gesichter.

Noch kommen von Treffen zu Treffen neue Gesichter dazu, langsam bilde sich aber ein fester Kern, sagt Winfried Meyer. Der Chor hat vor allem über soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram auf sich aufmerksam gemacht, aber auch durch Mundpropaganda, so der Chorleiter.

Nach eineinhalb Stunden kann „Singbunt“ zumindest schon das hebräische Lied fast fehlerfrei singen - und geht direkt zum nächsten Lied über: Ein Lied über die Feindschaft zwischen der Türkei und Griechenland, in der gesungen wird: „Lasst und Freunde sein.“

Die Proben finden jeden Donnerstag ab 19 Uhr im „Bier Café West“, Lange Straße 42, statt. Interessierte können jederzeit einsteigen, eine Anmeldung ist nicht nötig. Mehr Informationen bei Instagram und Facebook oder direkt per E-Mail an den Chor: singbunt@gmx.de
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