Neuer Imagefilm für Dortmund: Ist dieser Sierau-Auftritt peinlich?

mlzBewerbungsvideo

Dortmund bewirbt sich um den Titel der Europäischen Innovationshauptstadt. Hauptdarsteller im zugehörigen Imagefilm neben der Stadt selbst ist OB Sierau – mit Fahrrad, Klavier und Pott-Slang.

Dortmund

, 16.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Image-Werbung ist Chefsache. Schließlich geht es um den Titel der Innovationshauptstadt Europas 2019. Oberbürgermeister Ullrich Sierau ist die Leitfigur in dem Dreieinhalb-Minuten-Video, das Dortmund in den schönsten Bildern zeigt auf seinem Weg zur „iCapital“.

Am Auftritt von OB Sierau allerdings scheiden sich die Geister. Der hemdsärmelige OB fährt Taxi mit dem gebürtigen Dortmunder Journalisten und Moderator Jörg Thadeusz, isst mit ihm eine einzigartige Currywurst bei Wurst Willi, fährt ein schwarz-gelbes Fahrrad und steigt ab, um einem Musiker dabei zu helfen, sein Klavier zum Friedensplatz zu schieben. Der zupackende Sierau: „So machen wir dat in Dortmund.“ Das wirkt stellenweise wie ein SPD-Werbevideo für die nächste Kommunalwahl.

„Strukturwandel ist wie Stoffwechsel“

Auch wenn Sierau solche Sätze spricht wie „Strukturwandel, Transformation – das ist wie Stoffwechsel. Das ist nie zu Ende“ oder „Das ist hier eine völlig andere Mentalität. Am Ende des Tages weiß man, worum es geht und was dabei herauskommt“ – eine schauspielerische Glanzleistung ist sein Auftritt nicht. Sollte es auch nicht sein. „Wir stellen bei der Bewerbung ehrlich dar, was in unserer Stadt Innovation heißt“, erklärt der Chef der Dortmunder Wirtschaftsförderung, Thomas Westphal, zur Bewerbung.


Auch die Produktionsgesellschaft des Videos, Urbanfilm aus Recklinghausen, betont auf ihrer Homepage zum Projekt: „Alle Darsteller in den Filmen sind ,echte Menschen‘ aus Dortmund und Umgebung.“ Man habe bewusst auf die echten Dortmunder in ihren alltäglichen Lebenssituationen gesetzt.

„Sozial, digital und innovativ“

Das Video ist als Startschuss zur Bewerbung am 10. Juli (Mittwoch) ins Netz gegangen. „Sozial, digital und innovativ – das ist Dortmund und auch der Kern der Bewerbung Dortmunds um den Europäischen Titel iCapital 2019“, so die Stadt in einer Pressemitteilung. Bei dem europäischen Spitzenwettbewerb in Brüssel treten seit 2014 jedes Jahr mehr als 50 Städte an. Es geht darum, wer am besten technische Innovationen zur Verbesserung des Lebens der Bürger einsetzt. Dortmund bewirbt sich mit den zentralen Bausteinen Allianz Smart City, nordwärts, Technologiezentrum und den neuen Smart Urban Areas wie Phoenix-West, Speicherstraße im Hafen und der Internationalen Gartenausstellung 2027 – insgesamt fast 400 aktive Projekte.

Die Bilder im Video zeigen das schöne Dortmund, eine grüne Stadt mit sauberen Technologien, glücklichen Menschen und am Ende mit einem eigens komponierten Dortmund-Song: „So machen wir das.“ Ein Wohlfühlfilm.

Bei Facebook: „Digital? Lachhaft!“

„Die Rückmeldungen auf das Video sind bisher positiv“, erklärte am Montag der Sprecher der Wirtschaftsförderung, Robert Litschke. Bei Facebook wurde es bis Montagmittag mehr als 23.000 Mal abgerufen. Allerdings sind die Kommentare eher negativ. Dabei zielt die Kritik unter anderem auf zu langsames Internet („Digital? Lachhaft!“) und wenig smarte Parkscheinautomaten. Auch die überforderten Bürgerdienste bekommen ihr Fett weg.

Die Kosten für die Bewerbung und das Video sowie mehrere Trailer belaufen sich auf 50.000 Euro. Weitere 5000 Euro kostet die Kommunikation rund um die Bewerbung und den Film in den sozialen Medien. Die Kosten für den Bewerbungsfilm wären ohnehin angefallen, so Litschke, da die Wirtschaftsförderung für Messen und Präsentationen in diesem Jahr einen aktuellen Standortfilm hätte produzieren lassen müssen.

Die Gewinnerstadt des Titels „iCapital 2019“ erhält eine Million Euro. Die besten zehn Bewerber kommen ins Finale, die fünf Finalisten werden mit je 100.000 Euro belohnt. Das entscheidet sich im August. Der Gewinner steht im September fest. 2018 hat es Hamburg als führende Innovationsmetropole unter die letzten Fünf geschafft, Siegerstadt wurde Athen.

Sollte Dortmund unter die letzten fünf Finalisten kommen, verbunden mit dem Preisgeld von 100.000 Euro, möchte die Stadt das Geld wieder in Innovationen investieren. Geplant ist eine digitale Plattform, auf der Bürger innovative Projekte vorschlagen können. Über diese Vorschläge soll dann offen abgestimmt werden.
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