Seit 2017 steht der Hannibal-Wohnkomplex in Dorstfeld leer. Doch es gibt noch Hoffnungszeichen: Der Eigentümer hat der Stadt ein erneuertes Brandschutzkonzept vorgelegt.

Dortmund

, 27.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zuletzt sorgte der Hannibal Anfang Mai für Schlagzeilen als Jugendliche in den leerstehenden Gebäudekomplex am Vogelpothsweg in Dorstfeld eindrangen und Möbel von den Balkonen warfen. Es wurde Kritik am Sicherheitsdienst und an der Verwaltung des Komplexes laut.

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Der Eigentümer, der inzwischen unter dem Titel Lianeo Real Estate firmiert, scheint den Hannibal aber noch nicht aufgegeben zu haben. Er hat der Stadt Dortmund inzwischen ein überarbeitetes Brandschutzkonzept vorgelegt. Einen entsprechenden Bericht der WAZ bestätigten ein Sprecher der Stadt und ein Sprecher des Eigentümers auf Nachfrage. „Wir sind der Aufforderung der Stadt Dortmund nachgekommen, den von uns gestellten Bauantrag in Bezug auf Brandschutzthemen zu überarbeiten“, erklärte Lianeo-Sprecher Robert Döring.

Streit um Brandschutzmängel

Brandschutzmängel hatten im September 2017 zur plötzlichen Räumung des Wohnkomplexes durch die Stadt geführt. Mehr als 750 Menschen mussten Hals über Kopf ihre Wohnungen verlassen. Die mehr als 400 Wohnungen am Vogelpothsweg stehen seitdem leer.

Mehr als 400 Wohnungen bietet der Hannibal-Wohnkomplex. Sie stehen alle leer.

Mehr als 400 Wohnungen bietet der Hannibal-Wohnkomplex. Sie stehen alle leer. © Dieter Menne (A)

Der Eigentümer streitet mit der Stadt über die Notwendigkeit der Räumung, versprach aber auch, die vorgeworfenen Brandschutzmängel zu beseitigen. Ein dazu im vergangenen Jahr vorgelegtes Konzept fiel bei der Stadt allerdings durch. Bauordnung und Feuerwehr reklamierten Mängel und Nachbesserungsbedarf. Die will Lianeo jetzt mit dem im April vorgelegten überarbeiteten Konzept ausgeräumt haben.

Das eingereichte Konzept umfasse „alle behördlicherseits geforderten Brandschutzmaßnahmen. Hierzu zählen etwa die komplette Instandsetzung der Versorgungsschächte, die Ertüchtigung der Brandmeldeanlagen und der Brandabschottungen, die Erneuerung der noch nicht sanierten Aufzugsanlagen sowie die Verbesserung des Rauchabzuges der Aufzugsschächte“, erklärte Döring auf Anfrage. Die Sanierung sei „abschnittsweise“ geplant.

Abstimmungsgespräche laufen

Die Stadt prüft noch das Konzept, bestätigte Planungsdezernent Ludger Wilde auf Anfrage. Dazu fänden auch Abstimmungsgespräche zwischen Eigentümer, Feuerwehr und Bauordnung statt. Man erkenne daran das Bemühen des Eigentümers, eine Lösung zu finden, erklärte Wilde, der sich ansonsten mit einer Bewertung zurückhält. „Ich wage zum Hannibal keine Prognose“, sagte Wilde.

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Ähnlich vorsichtig äußert sich Tobias Scholz vom Mieterverein, der die Vorgänge rund um den Hannibal seit vielen Jahren kritisch begleitet. Scholz berichtet von Gerüchten, dass der Komplex erneut zum Verkauf stehen soll.

Doch ganz gleich ob Lianeo Eigentümer bleibt oder der Hannibal in neue Hände übergeht: „Die Lösung des Brandschutz-Themas ist ganz entscheidend“, stellt Scholz fest. Mit der Brandschutzsanierung allein sei es aber nicht getan. Es gebe weiteren dringenden Erneuerungsbedarf im Hannibal, sagt der Vertreter des Mietervereins.

Wohnungen sind dringend nötig

Um die Vermietbarkeit der gut 400 Wohnungen macht sich der Experte keine Sorgen. Die Lage sei attraktiv, viele Wohnungen hätten familiengerechte Zuschnitte. Solche Angeboten fehlten dringend auf dem Wohnungsmarkt.

So sieht man es auch bei Lianeo. Man sei überzeugt, dass man mit einer Wiederinbetriebnahme des Gebäudes einen wesentlichen Beitrag zur Entspannung dieser Situation auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt leisten können. „Daher setzen wir alles daran, das Gebäude nach erteilter Baugenehmigung zügig in Betrieb nehmen zu können“, erklärt Döring.

Unklar sei, wie viele alte Hannibal-Mieter dann zurückkehren wollen. Döring: „Unsere Hausverwaltung All Sites Property Management GmbH steht in Kontakt mit unseren Mietern und hält diese über Neuigkeiten informiert. Wie viele Mieter sich in dem Fall der Wiederinbetriebnahme des Gebäudes für eine Fortsetzung des Mietverhältnisses entscheiden, können wir derzeit nicht seriös abschätzen.“

Juristischer Streit geht weiter

Der juristische Streit um die Räumung geht indes weiter. Der Eigentümer hatte gegen die Räumungsanordnung der Stadt vom September 2017 und die in Rechnung gestellte Übernahme der Räumungskosten von rund 781 000 Euro geklagt. Es sei noch keine Entscheidung gefallen, sagte ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen der dpa.

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