Die Intendantin des Schauspiel Dortmund Julia Wissert hat am Samstag (11.9.) zusammen mit dem Ensemble das Programm der neuen Spielzeit 2021/22 vorgestellt. Zum ersten Mal seit langem applaudierte dabei wieder reales Publikum im Zuschauersaal. © Daniel Reiners
Eröffnung der Spielzeit 2021/22

Neustart am Schauspiel: „Krass, wieder vor echten Menschen zu spielen“

Ungewöhnliche Vorschau: Das Schauspiel Dortmund hat mit „Neu.Neu.Start." in einem umfangreichen Bühnenprogramm die neue Spielzeit vorgestellt. Und das erste echte Publikum musste gleich mit ran.

Wie funktioniert noch mal Theater? Wenn der große Scheinwerfer im Saal plötzlich auf einen Mann gerichtet ist, der sich über einen Overhead-Projektor beugt und anscheinend ohne Kontext über das Verschwinden der Dinosaurier referiert, kann man sich das als Zuschauer nach der langen Coronapause schon mal fragen.

„Sprechen Sie lauter!“, ruft eine ältere Dame aus dem Publikum. Was der Sprecher gekonnt in seinen Vortrag integriert – und lauter spricht. Allgemeines Lachen im Saal. Aber dennoch: Waren Zwischenrufe im Theater eigentlich angemessen? Und ist das an diesem Abend überhaupt eine Theaterinszenierung? Oder doch eine Informationsveranstaltung?

Julia Wissert und ihr Ensemble stellen geplante Inszenierungen vor

Am Samstag (11.9.) hat das Schauspiel Dortmund mit der Veranstaltung „Neu.Neu.Start“ das Programm der neuen Spielzeit 2021/22 in einem umfangreichen Bühnenprogramm präsentiert. Mit auf der Bühne standen neben der 2020 angetretenen Intendantin Julia Wissert und dem Schauspiel-Ensemble sämtliche Regisseure und Dramaturgen, um ihre geplanten Aufführungen der neuen, „eigentlich ersten“ Spielzeit vorzustellen.

„Ersten“ deshalb, weil die Corona-Pandemie viele der Antrittspläne von Wissert und Co. zunächst auf Umwege gebracht hatte. Umso außergewöhnlicher dann dieser Samstag-Abend, an dem die Intendantin mit einem tosenden Applaus auf der Bühne empfangen wird.

Julia Wissert (37) ist seit der Spielzeit 2020/21 Intendantin des Schauspiels Dortmund (Archivbild).
Julia Wissert (37) ist seit der Spielzeit 2020/21 Intendantin des Schauspiels Dortmund (Archivbild). © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

„Es ist wirklich ein krasses Gefühl, in einem Theatersaal wieder vor echten Menschen spielen zu können“, sagt Wissert. Und nutzt die aufmerksamen Ohren, um über ihre geplante Inszenierung von „Der Platz“ nach dem Roman von Annie Ernaux zu sprechen.

In dem Stück wird es um die eigenen Biografien gehen und die damit verbundenen Fragen, etwa, was Essen und Hobbies mit Klasse zu tun haben. Themen wie soziale Position, Macht und Gesellschaft als System gehören ohnehin zu Themenschwerpunkten, denen Wissert sich nicht erst seit ihrer Zeit in London widmet, wo sie bereits performativ arbeitete.

Der nächste tosende Applaus an diesem Abend gilt dem auftretenden Dortmunder Sprechchor, der altbekannt ist unter den anwesenden Zuschauern. Und wieder stellt sich die Frage, wie Theater funktioniert, als sich plötzlich zahlreiche Menschen aus ihren Sesseln erheben und lautstark dem Chor auf der Bühne entgegenbrüllen. Protest? Nur ein kleiner Wachtraum? Nein, Teil der Inszenierung, der Saal tobt.

Nur wenige junge Menschen im Saal – dafür umso stimmungsgeladener

Vor allem die jüngeren Menschen, von denen an diesem Abend nur wenige in den Zuschauersaal gefunden haben, bejubeln anschließend das Auftreten von Maria Babusch, Alexandra Glanc und Julienne De Muirier vom Künstlerkollektiv „Operation Memory“: Zum ersten Mal bietet das Schauspiel Dortmund ab der Spielzeit 2021/22 eine Künstlerresidenz für lokale Künstler an. „Operation Memory“ wird sich dabei in „Cherchez La Femme – Eine Suche“ mit Performativität von Femininität in Kunst und Kultur in ihrer Historizität auseinandersetzen.

Ins Schwitzen bringen soll das Publikum zukünftig die Aufführung „Und ihr wolltet tanzen, also Tanzt“, inszeniert von Antje Prust. Auf einem „exzessiv-installativen Dancefloor in neon-pastell“ kann sich das Publikum der „eigenen prekären Körper“ bewusst werden und sich nach Ekstase und Erschöpfung fragen, wie man in Zukunft leben will.

Insgesamt wurden am Samstag über ein Dutzend geplante Inszenierungen vorgestellt, die in den kommenden Wochen und Monaten wieder Leben in das Schauspielhaus bringen sollen. In dessen Institut sorgte im Anschluss an die Vorstellung bereits am Samstag der Dortmunder DJ Razzmatazz für eben dieses ganz reale Leben – auf der Tanzfläche.

Das vollständige Programm der neuen Spielzeit sowie weitere Informationen zum Schauspiel Dortmund sind zu finden unter www.theaterdo.de.

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