Birgit Blanck hatte sich gut auf ihre Äthiopien-Reise vorbereitet - auch körperlich. Aber was der BVB-Fan in der Tigray-Region erlebte, brachte die Dortmunderin an ihre emotionalen Grenzen.

Kreuzviertel

, 16.07.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Alles fing mit einer Aktion des BVB-Fanclubs „Sonnenkönige ‘93“ für die Neven-Subotic-Stiftung an. 2014 war das, beim Still-Leben im Kreuzviertel. Subotic, Ex-BVB-Profi und jetzt bei Union Berlin unter Vertrag, setzt sich dafür ein, dass Menschen in Äthiopien sauberes Wasser bekommen. „Diese Aktion war bei mir der Startschuss“, sagt Birgit Blanck, die Gründungsmitglied der Sonnenkönige ‘93 ist und sich seit 2014 als Volunteer für die Stiftung engagiert.

Seit gut zwei Jahren hat Birgit Blanck auch eine ganz eigene Spendenaktion. Aktuell liegt die Spenden-Summe bei 43.377 Euro, die die Dortmunderin schon für Brunnen-Projekte in Äthiopien gesammelt hat. 45.000 Euro sind ihr Ziel. Das Geld sammelt sie für das WASH-Projekt (Trinkwasserbrunnen und Sanitäranlage an einer Schule) und zwei weitere Trinkwasserbrunnen. Somit wäre für ungefähr 1000 Menschen der Zugang zu sauberem Trinkwasser gesichert.

„Als das Wasser aus dem Bohrloch sprudelte, haben wir geheult und uns umarmt“

Die Reisegruppe der Spender, die sich für das Wasser-Projket von Neven Subotic einsetzen. © Mediacrew / Subotic Stiftung

Die Spenden gehen ins mehr als 7000 Kilometer entfernte Tigray-Region in Nord-Äthiopien, in der viele Menschen noch kein Zugang zu sauberen Trinkwasser haben. Zusammen mit weiteren Unterstützern der Neven-Subotic-Stiftung hat sich Birgit Blanck auf den Weg nach Afrika gemacht - in eine andere Welt.

Wasser schleppen, Tag und Nacht

„Was ich dort erlebt habe, werde ich nie vergessen. Man erkennt und spürt einfach noch mehr die Wichtigkeit des Projektes, wenn man es mit eigenen Augen sieht“, sagt Birgit Blanck.

Wasserlöcher, aus denen die Menschen eine braune Brühe schöpften und dann kilometerweit bis in ihre Hütten brachten. Ehrfürchtige Gesichter, als der Bohrer auf Grundwasser stieß und es in einer hohen Fontäne nach oben schoss. Oder die Gastfreundlichkeit der Land-Bewohner, die alles mit den Gästen aus Deutschland teilten - auch wenn nicht viel da war.

„Als das Wasser aus dem Bohrloch sprudelte, haben wir geheult und uns umarmt“

In den Orten, wo es noch keine Brunnen gibt, müssen die Frauen die mit schmutzigen Wasser gefüllten Kanister stundenlang nachhause schleppen. © Mediacrew / Subotic Stiftung

Es sind Momente, die sich in das Herz der Dortmunderin eingebrannt haben und die eines noch deutlicher machten. „Ich werde die Stiftung immer weiter unterstützen. Ich komme da in meinem Leben nicht mehr von los. Es muss doch noch so viel getan werden, bis die Menschen dort alle Zugang zu sauberen Wasser haben. Da kann ich doch nicht aufhören.“

Neun Tage war sie vor Ort. Zusammen mit neun weiteren Stiftern aus ganz Deutschland. Selbstverständlich wurde die Reise von den Unterstützern selbst finanziert, doch wie Birgit Blanck sagte: „Es ist mir finanziell nicht leicht gefallen, doch diese Reise, trotz der vielen Bedenken und auch Sorgen, war die Reise meines Lebens.“ Blanck nahm einen Kredit auf, um ihre Reise finanzieren zu können.

Von Frankfurt aus in das große Abenteuer

Die Mitarbeiter der Neven-Subotic-Stiftung, plus Mediacrew reiste bereits zum dritten Mal, gemeinsam mit Unterstützern, in die Tigray-Region.

Von Frankfurt ging es im Juni für die 18-köpfige Reisegruppe nach Addis Abeba und dann per Inlandflug nach Mek’ele. Mit Jeeps ging‘s weiter durchs Land.

„Als das Wasser aus dem Bohrloch sprudelte, haben wir geheult und uns umarmt“

So sehen die Wasserstellen teilweise aus. Die Menschen dort haben aber keine andere Wahl. © Mediacrew / Subotic Stiftung

Was waren die emotionalsten Momente? „Der Besuch bei einer Wasserstelle, von der die Menschen ihr Wasser holen“, sagt Birgit Blanck. „Das war nur eine braune Brühe und ein paar Meter weiter pinkelten die Esel rein.“ Von dort wurden die Kanister über große Entfernung zu den Häusern geschleppt - von Frauen und Mädchen.

„Die Menschen haben einfach keine andere Wahl. Hier gibt es sonst kein anderes Wasser“, erzählt die Frau aus dem Kreuzviertel, die angesichts der hygienischen Zustände vor Ort immer wieder mit den Tränen kämpfen musste - wie auch die anderen Mitglieder der Gruppe. „Wir konnten das nicht fassen.“ Durch das schmutzige Wasser brechen laut Blanck immer wieder Krankheiten aus, die Sterblichkeitsrate sei dementsprechend hoch.

Neue Brunnen bieten so viele Möglichkeiten

Auch an diesen Plätzen seien sie immer herzlich empfangen worden. Momente wie diese sind es, die bei Birgit Blanck den Willen verstärken, weiter für die Neven-Subotic-Stiftung tätig zu sein. Denn, was so ein Brunnen mit frischem Wasser vor Ort bewirkt, das gab es an einem weiteren Tag zu sehen. „Wir hatten das Glück, bei einer Bohrung dabei zu sein“, sagt Birgit Blank.

„Als das Wasser aus dem Bohrloch sprudelte, haben wir geheult und uns umarmt“

Hier sprudelt das Wasser aus einem frisch gebohrten Brunnen. © Mediacrew / Subotic Stiftung

Mehr als 60 Meter gehen die Bohrer in die Tiefe - und dann sprudelte das lebenswichtige Wasser. „Wir haben unter der Fontäne getanzt und uns umarmt“, sagt die Dortmunderin. „Wir haben die Menschen dort erst einmal an die Hand genommen und zum Wasser geführt. Die waren alle sehr ehrfürchtig, trotz der großen Freude.“

Der Besuch an einem weiteren Ort zeigte, was die Brunnen auf längere Sicht bewirken. In den Schulen seien plötzlich mehr Mädchen, da sie nun kein Wasser holen müssen und sie die Möglichkeit haben, die geschlechtergerechten Sanitäranlagen zu nutzen. Krankheiten werden seltener - und dann war da ja auch noch Neven Subotic. „Wir hatte das Glück, dass er auch da war, sein jährliches Monitoring der Projekte abgeschlossen war und er mit uns einige Tage durch das Land gefahren ist“, erzählt Birgit Blanck.

„Als das Wasser aus dem Bohrloch sprudelte, haben wir geheult und uns umarmt“

So sieht echte Freude aus: Birgit Blanck in dem Moment, als das Wasser aus einem der neuen Brunnen sprudelte. © Mediacrew / Subotic Stiftung

Blanck ist immer noch ganz geflasht von der Reise. „Ich habe Freunde fürs Leben gefunden“, sagt sie. Und wie die anderen Begleiter aus ganz Deutschland wird sie weitermachen mit der Unterstützung der Neven-Subotic-Stiftung und zukünftig auch als Botschafterin der Stiftung unterwegs sein. Aber erst will Birgit Blanck ihr großes Spendenziel erreichen - die 45.000 Euro. Zu diesem Zweck wird es am 11. Januar 2020 ein großes Benefizkonzert im Musiktheater Piano, Lütgendortmunder Straße 43, geben.

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