New York Times berichtet über Dortmunds Neonazis

Neonazi im Stadtrat

Kein schmeichelhaftes Bild von Dortmund: Die Europa-Chefkorrespondentin der New York Times hat Dortmund und die erste Stadtratssitzung mit Neonazi Siegfried Borchardt besucht. Wir fassen zusammen, was sie den Lesern in Amerika aus Dortmund berichtet.

DORTMUND

, 25.06.2014, 18:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

und auf Seite 10 der US-Ausgabe.

  • Zunächst geht die Reporterin auf Neonazi-Ratsherr Siegfried Borchardt ein. Sie beschreibt seine "Germania"-Tätowierung und seine Ähnlichkeit mit dem Wrestler Hulk Hogan.
  • Dann geht es um Dortmund - und darum, dass die Stadt sich deutlich von boomenden Regionen in Bayern und um Frankfurt herum unterscheidet. Smale schreibt: "Dortmund ist ein anderes Deutschland: ein heruntergekommenes früheres Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie." Ein heruntergekommener Norden, wenige Jobs, eine hohe Kriminalität und viele Einwanderer.
  • Smale betont, dass Neonazis bei der Wahl 2014 nicht mehr Stimmen erhalten hat als bei der Kommunalwahl 2009. Wegen der geringeren Wahlbeteiligung hätten die rund 4000 Stimmen für Rechtsaußen aber mehr Gewicht.
  • Die Korrespondentin war längere Zeit in der Nordstadt unterwegs, sprach mit Oma Bonke, eingewanderten Geschäftsinhabern und Blogger Alex Völkel. Interessant: Smale zitiert einen türkischstämmigen Kioskbesitzer, der sich über die vielen Roma in der Nordstadt beschwert. Smales nächster Satz: "Einige der Roma hatten Minuten zuvor Süßigkeiten oder Zigaretten bei ihm gekauft."
  • Smale schreibt, dass Borchardt und seine Neonazi-Freunde sich trotz mehrmaliger Versuche einer Kontaktaufnahme nicht äußern wollten.

Alison Smale ist nicht irgendwer von der New York Times. Als die Engländerin bis August 2013 als Chefredakteurin der International Herald Tribune tätig war, galt sie als mächtigste englische Redakteurin in Kontinental-Europa. Jetzt also schreibt sie für ihre Leser in den USA und der ganzen Welt über Dortmund. Sie hat von den Auseinandersetzungen mit den Neonazis vor dem Rathaus am 25. Mai gelesen – und gedacht: „Okay, das ist eine Stadt, deren Atmosphäre man beschreiben kann.“ Der Ausgangspunkt für ihre Recherchen war der Einzug der Partei Die Rechte mit Siegfried Borchardt in den Rat und der AFD gleich in Fraktionsstärke. Überall dort, wo hohe Arbeitslosigkeit herrsche und Menschen zuwanderten, die als fremd angesehen würden, sei dieses Phänomen zu beobachten, sagt sie. In anderen europäischen Ländern – und eben in Dortmund. Hier aber mit dem „speziellen deutschen Hintergrund“. Die meisten Menschen seien hier beim Thema Nationalismus viel aufgeklärter und „erschrocken“ über die Entwicklung.

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