Nicht die Alten sind in Dortmund am häufigsten mit dem Virus infiziert

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Dortmund hat bei den Corona-Zahlen sehr schnell die Kurve flach gekriegt. Im Schnitt wird täglich nur ein neuer Fall gemeldet. Überraschend ist, welche Gruppe am häufigsten erkrankt ist.

Dortmund

, 26.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Dortmund haben sich bislang deutlich mehr Männer als Frauen mit dem Coronavirus angesteckt. Unter den 711 Dortmundern, die seit März als infiziert gemeldet wurden und genesen sind, sind 394 Männer und 317 Frauen.

„Spitzenreiter sind die Männer um die 50“, sagte Oberbürgermeister Ullrich Sierau am Dienstag bei der Vorstellung der Zahlen. Häufig habe es sich um Rückkehrer aus dem Ski-Urlaub in Italien, Österreich und der Schweiz gehandelt. „Die wohnen vor allem im Dortmunder Süden“, so der OB.

Die geringsten Infektionszahlen gibt es unter den Kindern. Vier Fälle sind es insgesamt bei den bis Vierjährigen und fünf bei den 5- bis 14-Jährigen. Deutlich höher sind die Zahlen bei den 15- bis 34-Jährigen. Unter den 212 Infizierten in dieser Gruppe sind 121 Männer und 91 Frauen.

Nur 24 Fälle bei Menschen ab 80 Jahren

Am häufigsten betroffen sind mit insgesamt 336 Fällen die 35- bis 59-Jährigen, darunter 189 Männer und 147 Frauen. In der Gruppe der 60- bis 79-Jährigen wurden 148 positiv getestet. Insgesamt nur 24 nachgewiesene Fälle gibt es in der Altersgruppe ab 80 Jahren. Das mag auch daran liegen, dass viele dieser Senioren in Dortmunder Pflegeheimen leben, in die das Virus bisher nicht eindringen konnte.

„Insgesamt sind wir mit dem Status, den wir im Augenblick haben, außerordentlich zufrieden“, stellte OB Sierau fest. Es habe zuletzt immer mehr Tage ohne positives Testergebnis gegeben. „Im Schnitt ist es ein Fall pro Tag“, so Sierau.

So verteilen sich die Corona-Infektionen auf die Altersgruppen.

So verteilen sich die Corona-Infektionen auf die Altersgruppen. © Leonie Sauerland

Auch am Dienstag (26.5.) gab es keinen neuen positiven Test bei gleichzeitig 19 aktiven Fällen in Dortmund. „Damit sind wir weit entfernt von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Woche“, sagte der OB. Ab diesem Grenzwert sollten laut Bundeskanzlerin Angela Merkel strengere Sicherheitsmaßnahmen in Kraft treten.

Dunkelziffer zehnmal so hoch

Geht man davon aus, dass die Dunkelziffer zehnmal so hoch ist wie die gemeldeten positiven Tests, gibt es in Dortmund knapp 200 aktiv Infizierte. Bei deutlich mehr als 600.000 Einwohnern sei das nicht viel, sagte Sierau: „Man könnte 600.000 Menschen umarmen, ohne infiziert zu werden. Das Problem ist, dass Sie nicht wissen, ob die Person, die man gerade umarmt, zu den Infizierten gehört.“

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Die Stadt werde alles dafür tun, das Infektionsrisiko weiterhin gering zu halten, betonte der OB. Sollten die Zahlen hochschnellen, werde die Stadt sehr schnell Maßnahmen ergreifen. Zudem verfolge man weiter, ob Lockerungen sich negativ auf das Infektionsgeschehen auswirkten.

Bislang 7800 Test-Abstriche

Insgesamt wurden in Dortmund bislang 7800 Test-Abstriche beim Gesundheitsamt und den beiden Corona-Behandlungszentren am Klinikum Nord und am Stadion gemacht. Dazu kommt noch die unbekannte Zahl der Tests bei den niedergelassenen Ärzten. Pro Woche würden in Dortmund aktuell insgesamt 2000 Menschen getestet, davon allein mehr als 1300 in den Krankenhäusern, berichtete der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Frank Renken.

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Nach den Infektionen in der Fleischindustrie hat die Stadt auch in Dortmund prekäre Wohnverhältnisse unter die Lupe genommen, die es dem Virus besonders leicht machen, sich zu verbreiten. Zusammen mit dem Wohnungsamt sei man Adresslisten durchgegangen von Mitarbeitern aus der Fleischindustrie, die in Dortmund wohnen.

Reihentestungen nicht angesagt

Man habe sie getestet, aber nichts gefunden, erklärte Gesundheitsdezernentin Birgit Zoerner, die den städtischen Corona-Krisenstab leitet. Auch in den prekären Wohnverhältnissen der Sinti und Roma habe es keinen Corona-Fall gegeben.

Reihentestungen, wie von der Gewerkschaft Verdi für die Kita-Beschäftigten gefordert, hält Renken aus infektiologischer Sicht nicht für angebracht. Angesichts eines Corona-Falls pro Tag sagte Renken: „Es gibt keine infektiologische Begründung für Reihentests derzeit in Dortmund.“

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