Nicole Schalla: Wie viel kann eine Hautschuppe über eine Tat erzählen?

mlzSonntagsgericht

Unser Gerichtsreporter Jörn Hartwich über den Mord an Nicole Schalla und warum die Richter am Dortmunder Schwurgericht nun extra eine DNA-Expertin aus München anreisen lassen.

Dortmund

, 06.01.2019, 14:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Ermittler sind sie ein Segen, für die Täter der reinste Albtraum. Seit es DNA-Analysen gibt, werden plötzlich auch Morde aufgeklärt, die fast schon in Vergessenheit geraten waren. Der gewaltsame Tod der zur Tatzeit erst 16-jährigen Nicole Schalla könnte dazu gehören. Doch noch ist es nicht so weit.

Denn der Fall Schalla ist kompliziert. Vor allem, seit der Angeklagte vor Weihnachten noch einmal vehement seine Unschuld beteuert hat. „Ich bestreite die Tat“, hatte er den Richtern gesagt. „Ich habe damit nichts zu tun.“ Außerdem forderte er Respekt ein. Weil er schließlich nicht überführt sei.

Und das ist richtig. Für jeden Angeklagten gilt schließlich die Unschuldsvermutung. Über dem Presseplan, der vom Landgericht Essen jede Woche an Journalisten verschickt wird, steht sogar extra der Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention obendrüber. Um Vorverurteilungen vorzubeugen. Da heißt es nämlich: „Jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig.“

Was können Indizien über die Tat verraten?

Dass der 53-jährige Angeklagte überhaupt keine Verbindung zum Mordfall Schalla hat, ist aber auch schwer vorzustellen. Es gibt schließlich Indizien. Die wichtigste ist eine Hautschuppe, die auf der Haut der damals 16-Jährigen gefunden wurde – und zwar in der Leistengegend. Und genau sie führte schließlich zum mutmaßlichen Täter.

Die Frage ist jedoch: Wie viel kann uns eine einzelne Hautschuppe überhaupt erzählen? Die Richter haben dazu für Montag extra Diplom-Biologin Dr. Katja Anslinger vom Institut für Rechtsmedizin aus München geladen. Sie ist Expertin auf dem Gebiet der Hautschuppen-Analyse. Zuletzt hat sie dem Hagener Schwurgericht geholfen, den rund zwölf Jahre zurückliegenden Mord an einem Unternehmer aufzuklären. Auch auf seiner Haut waren einzelne Hautschuppen mit einer Folie abgenommen und untersucht worden. Sie führten zu zwei Männern, die erst alles bestritten, am Ende aber doch noch Geständnisse ablegten.

Die Analyse-Methode ist allerdings nicht unumstritten. Die erste Frage, die schon in Hagen diskutiert wurde, war die: Kann eigentlich jeder von uns fremde DNA am nackten Körper haben? Die Antwort: ja. Und zwar meistens die von Lebens- oder Geschäftspartnern. Wenn man sich die Hände gibt und sich dann am Hals kratzt zum Beispiel. Es könne aber auch sein, dass eine Hautschuppe auf eine Leiche herunterrieselt.

Was die DNA-Expertin den Dortmunder Richtern im Fall von Nicole Schalla sagen wird, wissen wir natürlich noch nicht. Es bleibt also spannend.

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