Dr. Ceyhun Dogan ist Hals-Nasen-Ohren-Arzt in der Dortmunder Nordstadt. Aktuell führt er auch viele Corona-Tests durch. © Oliver Schaper
Corona-Pandemie in Dortmund

Nordstadt-Arzt über Corona-Fallzahlen: „Social Distancing ist schwierig“

Die Nordstadt ist Dortmunds Corona-Hotspot. Woran kann das liegen? Ein Arzt schildert seine Eindrücke aus der Praxis: Von beengten Lebensumständen und kulturellen Unterschieden.

Es gibt Momente, in denen Dr. Ceyhun Dogan Zweifel kommen. Täglich trudeln neue Ergebnisse von Corona-Tests in seiner Praxis ein. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt führt eine der Corona-Test-Praxen in der Nordstadt. Hier kann man sich auch ohne Symptome testen lassen. Zehn Corona-Patienten stellen sich im Schnitt täglich bei ihm vor. Dementsprechend häufig gibt es positive Testergebnisse.

Gelegentlich Zweifel am Testergebnis

Manchmal überraschenderweise aber auch nicht: „Es gibt schon Konstellationen, wo ich mich hinterfrage: Wenn der Mann positiv getestet wurde, bei seiner Frau das Ergebnis aber negativ ist. War der Test wirklich richtig?“ Sich innerhalb einer Lebensgemeinschaft so zu distanzieren, dass man sich nicht ansteckt, dass sei „sehr, sehr schwierig.“

Denn Dr. Dogan weiß: Die Lebensumstände in der Nordstadt unterscheiden sich von denen in anderen Stadtteilen. Und das ist vielleicht ein Grund für die hohen Corona-Fallzahlen hier.

Über die Eindrücke aus den Gesprächen mit seinen Patienten drängt sich eine Vermutung auf: „Es leben große Familien in kleinen Räumlichkeiten zusammen.“ Viele Menschen auf engem Raum, das bestätigt ein Blick in die Statistik: Neben der östlichen Innenstadt ist die Nordstadt der Bezirk mit der höchsten Bevölkerungsdichte.

Abstand halten ist auf beengtem Wohnraum schwierig

Und die Umstände könnten dafür sorgen, dass sich das Virus einfacher verbreitet, als anderswo: „Leben zig Familien in einem Hochhaus mit einer Eingangstür – da ist Abstand halten schwieriger als im Einfamilienhaus“, sagt Dr. Dogan.

Der Arzt, der selbst türkische Wurzeln hat, weiß aber auch um die kulturellen Unterschiede, die Auswirkungen auf die Ansteckungsgefahr haben können: „Social Distancing ist in diesen kulturellen Bereichen schwierig. Die Vernetzung Untereinander hat einen größeren Stellenwert.“

Enger Kontakt innerhalb der Familien

„Der Kontakt zwischen den Generationen ist schon enger, als man es sonst kennt. Die Familie zu treffen, hat eine höhere Priorität als ins Schwimmbad oder ins Kino zu gehen“, so Dr. Dogan.

Der Arzt betont aber auch, dass sich die Patienten, die bei ihm positiv getestet werden und eine Quarantäne einhalten müssen, auch daran halten – so sein Eindruck.

Über die Autorin
Redakteurin
1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
Zur Autorenseite
Jessica Will

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt