Kirdorf-Siedlung: Mahntafel könnte seit 8 Jahren schon stehen

mlzKolonie in Eving

Emil Kirdorf war ein Freund Hitlers. Trotzdem ist die „Kolonie Kirdorf“ nach ihm benannt. Zur Erinnerung an die dunkle Vergangenheit soll eine Mahntafel aufgestellt werden. Nur wann?

Eving

, 13.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bezeichnung „Kolonie Kirdorf“ einer Evinger Siedlung wurde in den vergangenen Jahren bereits mehrfach kontrovers diskutiert. Grund dafür ist die dunkle Vergangenheit des Namensgebers.

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Emil Kirdorf war Generaldirektor der Gelsenkirchener Bergwerks AG und ein persönlicher Freund und Förderer Adolf Hitlers, Träger des Goldenen Parteiabzeichens der NSDAP und Gegner von Demokratie, Gewerkschaften und Arbeiterbewegung. Der 1938 verstorbene, als reaktionär und autoritär bekannte Industrielle förderte schon früh den Aufstieg Hitlers.

Umbenennung der „Kolonie Kirdorf“ stand im Raum

1927 trat Kirdorf in die NSDAP ein und wollte – um der Partei so neue Geldquellen zu erschließen – die NSDAP und die Ruhrindustrie näher zusammenbringen. Seit Jahren steht eine Umbenennung der Evinger Bergbausiedlung aufgrund dieser Vorgeschichte im Raum.

Soweit kam es bisher zwar nicht, allerdings entschied sich die Bezirksvertretung für eine andere Maßnahme. Bereits 2011 beschlossen die Politiker die Aufstellung einer Mahntafel, 2012 stellten sie dafür 10.000 Euro zur Verfügung. Eine klare Angelegenheit, sollte man zumindest meinen.

Acht Jahre nach dem Beschluss ist nichts passiert

Doch die Realität sieht anders aus: Seit acht Jahren sucht man eine Mahntafel in der „Kolonie Kirdorf“ vergeblich. So recht weiß niemand, was seit der Bereitstellung des Geldes passiert ist.

Der Status des Vorhabens ist nach der sowieso schon langen Verzögerung nun mit „In Ausführung - Die Gestaltung des Mahnmals wird derzeit überarbeitet“ angegeben. Den Bezirksvertretern ist das ein Dorn im Auge.

„Peinlich, dass sowas acht Jahre einfach herumschwirrt“

„Es geht um 10.000 Euro, die wir beschlossen haben. Peinlich für die Verwaltung und auch für die Bezirksvertretung, dass sowas acht Jahre einfach herumschwirrt“, meint Klaus Sichelschmidt, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Zur Sitzung der Bezirksvertreter hatte seine Partei einen Antrag mit der Bitte der Berichterstattung zum aktuellen Status eingereicht.

Bezirksbürgermeister Oliver Stens (SPD) konnte zumindest ein wenig Licht ins Dunkel bringen. So habe es eine Sitzung für Fraktionssprecher und Bezirksbürgermeister gegeben. Dort wurde der Stand bekannt gegeben. Eine Mahntafel gibt es demnach bereits, fertig bis zum letzten Schliff.

Wann diese aber aufgestellt werden soll, hinter dieser Frage steht weiter ein großes Fragezeichen. „Ein Termin steht dafür bisher noch nicht fest. Da werde ich mich aber hinterklemmen“, so Bezirksbürgermeister Oliver Stens.

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