OB Sierau wettert gegen Land: Corona-Regeln führen zu Akzeptanzproblem

mlzStreit um BVB-Spiel

Kurz vor seinem Abschied hat Oberbürgermeister Ullrich Sierau noch einmal heftig gegen die Corona-Politik von Bund und Land ausgeteilt. Anlass ist das Champions-League-Spiel des BVB.

Dortmund

, 27.10.2020, 20:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Samstag (31.10.) hat Ullrich Sierau seinen letzten Amtstag als Oberbürgermeister. Am Dienstag davor leitete er zum letzten Mal die Sitzung des Verwaltungsvorstands und die anschließende Pressekonferenz – und teilte dabei noch einmal kräftig aus.

Anlass für den erneuten Unmut sind neue Vorgaben des Landes zu Sportveranstaltungen. Sie sollen, wenn sie bundesweite oder internationale Bedeutung haben, wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen nach dem Willen des NRW-Gesundheitsministeriums nur noch ohne Zuschauer stattfinden.

Antrag zu BVB-Spiel

Davon betroffen wäre auch der BVB, der am Mittwochabend (28.10.) in der ersten Runde der Uefa-Champions-League die Mannschaft von Zenit St. Petersburg im Signal Iduna Park empfängt. Nach dem Willen der Stadt sollen dazu wie zuletzt beim Revierderby gegen Schalke 04 am vergangenen Samstag bis zu 300 Zuschauer zugelassen sein.

Das steht aber im Widerspruch zur neuen Maßgabe des Landes, das bereits am Montag angeordnet hat, dass Borussia Mönchengladbach das Champions-League-Spiel gegen Real Madrid ohne Zuschauer austragen muss.

Die Stadt Dortmund hat daraufhin bei der für sie zuständigen Bezirksregierung Arnsberg eine Sondergenehmigung beantragt. „Wir werden uns über die Entscheidung des Landes nicht hinwegsetzen, haben aber die Bezirksregierung Arnsberg angeschrieben und um eine Ausnahme vom Verbot gebeten“, teilte Rechtsdezernent Norbert Dahmen am Dienstag nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands fest.

Dahmen verwies dazu auf bisherige Spiele des BVB unter Corona-Bedingungen. Der Verein habe nachgewiesen, dass er den Coronaschutz und eine sichere Publikumssteuerung gewährleisten könne.

Die Entscheidung des Gesundheitsministeriums bewertet die Dortmunder Stadtspitze als rein politische Entscheidung, die infektiologisch nicht begründbar sei, brachte Sierau die Kritik auf den Punkt.

„Regelwerke sind nicht logisch“

„Wir vertreten einheitlich die Auffassung, das professionell organisierte Veranstaltungen günstiger sind für die Verhinderung von Infektionen als kleine, dezentrale, nicht professionell organisierte Veranstaltungen“, so der OB.

Dabei denkt er vor allem an private Treffe von Fußball-Fans, um die Spiele gemeinsam im Fernsehen zu verfolgen. „Das leistet der Verstärkung der Infektionsketten eher Vorschub“, sagte Sierau. Die 300 Zuschauer bei Revierderby seien an keinem Ort besser aufgehoben gewesen als im Stadion. Mit Blick auf das bevorstehende Champions-League-Spiel hoffe man auf eine sachgerechte Entscheidung“. „Der BVB will da keine Extrawurst“, betont Sierau.

Der scheidende Oberbürgermeister übte in diesem Zusammenhang Kritik am uneinheitlichen Vorgehen in den einzelnen Bundesländern. Man habe ein Akzeptanzproblem, wenn in der „Bundesinfektions-Hauptstadt Berlin“ 4500 Leute ins Stadion gingen „und woanders Null, obwohl es ein gutes Konzept gibt“. Die Regelwerke sind nicht logisch und nicht im Sinne des Erfinders.“

Sierau nutzte seine letzte Pressekonferenz als Oberbürgermeister noch einmal dazu, generelle Kritik an der Corona-Politik von Bund und Land zu üben. Es gebe sehr widersprüchliche Entscheidungen und unzureichende Vorgaben. Die Erfahrungen der Städte würden zu wenig einbezogen.

„Dass Deutschland bei der Bewältigung der Corona-Krise im internationalen Vergleich so gut dasteht, ist vor allem der kommunalen Ebene zu verdanken“, sagte Sierau.

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