Julia Mohr, Geschäftsführerin des Unverpacktladens "Frau Lose", findet es super, dass in der Rheinischen Straße eine Anlaufstelle für Obdachlose entsteht. © Maximilian Konrad
Hilfe für Wohnungslose

Obdachlosen-Anlaufstelle vor Dortmunder U: Anlieger reagieren überraschend

Mitten in der Innenstadt soll eine Anlaufstelle für Obdachlose entstehen. Wir haben uns bei den umliegenden Geschäften umgehört, wie sie diese bewerten und ob sie weniger Kunden befürchten.

Am Donnerstag (8.10.) entschied der Rat, dass in der Rheinischen Straße – genau vor dem Dortmunder U – eine fester Aufenthaltsort für wohnungslose Menschen entstehen soll. Bis zu 350 Personen könnten das Angebot laut Schätzung täglich zu zwei Öffnungszeiten wahrnehmen.

Toilettenwagen und Wärmebus geplant

Vorgesehen ist, ein großes Zelt aus den Beständen der Stadt aufzustellen. „Hier könnten die Lunchpakete und auch Heißgetränke ausgegeben werden“, heißt es von Seiten der Stadt. Und die Obdachlosen könnten sich hier eine zeitlang aufhalten. Auch der Wärmebus könnte auf dem Areal parken. Außerdem soll ein Toilettenwagen aufgestellt werden.

Den Betrieb, der zunächst bis zum 31. März begrenzt wäre, übernehmen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe im Verbund. Damit entsteht genau gegenüber des Gast-Haus ein Anlaufpunkt für Obdachlose. Momenten werden am Gast-Haus pro Tag bis zu 300 Essenspakete ausgegeben. Es fehlt jedoch an Toiletten für die Betroffenen.

Wir haben uns bei den Anliegern umgehört, was sie zu dem Vorhaben der Stadt meinen:

„Maggi“, Geschäftsführer des Plattenladens Idiots Records:

„Ich habe mit der Anlaufstelle kein Problem und finde es super, dass die jetzt hier errichtet wird. Es ist besser, wenn sie einen Anlaufort haben und nicht auf den Straßen sitzen müssen und dort ihren Schnaps trinken. Gerade in heutiger Zeit ist es wichtig, dass es solche Orte gibt. Manche Leute hatten ja sogar Pläne, dass hier ein Szeneviertel entstehen soll. Das wird unter diesen Bedingungen wohl schwierig werden.“

Julia Mohr, Inhaberin des Unverpacktladens Frau Lose:

„Ich finde es super, dass in der Innenstadt eine Anlaufstelle für Wohnungslose entsteht. Die Stadt tut meiner Meinung nach aktuell zu wenig für diese Menschen. Daher wird dieser Ort auf jeden Fall helfen. Außerdem ist es auch sehr wichtig für die Stadt, dass es nun einen zentralen Anlaufpunkt gibt – gerade in der Nähe des Gast-Haus.“

Direkt vor dem Dortmunder U soll eine Anlaufstelle für Obdachlose entstehen.
Direkt vor dem Dortmunder U soll eine Anlaufstelle für Obdachlose entstehen. © Maximilian Konrad © Maximilian Konrad

Unmittelbar in der Nähe der künftigen Anlaufstelle für Obdachlose befindet sich auch eine Rewe-Supermarkt. Dort hat man von den Plänen der Stadt anscheinend noch nichts gehört und reagierte auf Anfrage unserer Redaktion mit folgenden Worten: „Das Thema ist uns unbekannt und für uns aktuell irrelevant.“

Michael Kosslers, Inhaber des Plattenladens Black Plastic:

„Ich fand es schade, dass der große Parkplatz in letzter Zeit ungenutzt blieb. Umso besser, dass es jetzt in dieser Form Verwendung findet. Die Anlaufstelle ist zentral gelegen. Das finde ich super und wichtig. Außerdem liegt der neue Anlaufpunkt in unmittelbarer Nähe des Gast-Haus. Ich denke nicht, dass sich für uns als Geschäft durch die Pläne der Stadt etwas ändern wird. Viele Wohnungslose sind jetzt auch schon tagsüber da und das hat keinen Einfluss auf unseren Laden. Und ich denke, dass das auch so bleiben wird.

Dario De Rosa, Inhaber der Pizzeria De Rosa:

„Ich stehe der neuen Anlaufstelle offen gegenüber. Es ist vor allem wichtig, wenn es dort Sanitäranlagen gibt. Leider ist es aktuell so, dass häufig in freier Wildbahn uriniert wird. Manchmal findet man auch Fäkalien am Straßenrand. Deswegen hoffe ich, dass sich bezüglich dieser Situation einiges durch sanitäre Einrichtungen ändern wird. Nach meiner Erfahrung sind die Wohnungslosen in der Rheinischen Straße auch keine Rabauken. Daher wird sich für uns als Restaurant auch kaum was ändern.“

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Volontär
Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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