Oberbürgermeister unterstützt Kampf um die Traditionsgaststätte „Im schönen Wiesengrund“

mlzWesterfilder Institution

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Ullrich Sierau unternahm die Bürgerinitiative zum Erhalt der Gaststätte „Im schönen Wiesengrund“ einen Stadtteilspaziergang. Der OB fand deutliche Worte.

Westerfilde

, 17.03.2019, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für die Westerfilder ist es viel mehr als nur eine Kneipe: Die Traditionsgaststätte „Im schönen Wiesengrund“ gilt als eine Institution. Und in dem etwas vergessenen Stadtteil ist der „Wiesengrund“ einer der wenigen Orte, an dem man sich trifft und soziale Kontakte pflegt.

Groß war also die Empörung, als bekannt wurde, dass der Verpächter beabsichtige, die Immobilie umzubauen und möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Das würde das Aus für den engagierten Wirt Marian Ribicic und den beliebten Treffpunkt bedeuten. Daraufhin gründete sich eine Bürgerinitiative (BI) , die für den Erhalt der Gastronomie kämpft.

Oberbürgermeister lobt Engagement der Bürger

Auf die Zusage von Oberbürgermeister Ullrich Sierau, sich an einem Stadtteil-Spaziergang zu beteiligen, musste BI-Initiator Dolf Mehring nicht lange warten. „Ich selbst war früher in vielen Bürgerinitiativen aktiv, und ich finde das bürgerschaftliche Engagement klasse“, sagt Sierau.

Westerfilde sei auf einem sehr guten Weg der Erneuerung, was auch der Stadtverwaltung viel Einsatz und Arbeit abverlangt habe. „Wenn etwas gutes Neues entsteht, muss das gute Alte aber auch bleiben“, fasst Sierau zusammen. Und da sei die Botschaft über den geplanten Verkauf ein herber Rückschlag.

Spaziergang führte vom Netto über Kiepeweg zur Gaststätte

Der Weg der Spaziergänger, der von der Polizei und Ordnungskräften begleitet wurde, führte vom Netto-Parkplatz an der Westerfilder Straße über die Siedlung Kiepeweg zu der Gaststätte. Am Kiepeweg überzeugten sich die Teilnehmer mit eigenen Augen, wie der gesamte Stadtteil in Zukunft aussehen könnte: Der Dialog mit der Wohnungsbaugesellschaft Vonovia habe dazu geführt, dass die dortigen Hochhäuser saniert und modernisiert wurden, so Sierau. Das Ergebnis könne sich durchaus sehen lassen.

„Viele gute Zeiten im Wiesengrund“

Der OB hofft darauf, dass andere Wohnungsbaugesellschaften nachziehen werden. Die anwesenden Westerfilder begrüßten, dass sich ihr Stadtteil positiv entwickelt. Aber: Auch die Tradition sei wichtig. So kann sich Erika Wilke an viele gute Zeiten im Wiesengrund erinnern: Regelmäßig kehre sie nach einem Spaziergang dort ein und habe Familienfeste dort erlebt. „Wer will schon zu Tante Amanda?“, sagte sie etwas spöttisch. Dieses Lokal sei was für Touristen, Westerfilder gingen in den Wiesengrund.

Wilke muss es wissen, immerhin wohnt sie schon seit 77 Jahren in Westerfilde. Der Verpächter des Wiesengrundes erschien an diesem Sonntag nicht. Wirt Marian Ribicic berichtete, dass mehrere Kontaktversuche, um ihm ein Kaufangebot zu unterbreiten, fehlgeschlagen seien. Eigentlich habe er immer ein gutes Verhältnis zum Vermieter gepflegt, sagt Ribicic – nun gehe es aber auch um seine Existenz und die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter.

Ziel des Stadtteil-Spaziergangs war die Gaststätte „Im schönen Wiesengrund“.

Ziel des Stadtteil-Spaziergangs war die Gaststätte „Im schönen Wiesengrund“. © Stephan Schütze

Wirt ist dankbar für Einsatz der Bürgerinitative

Um so dankbarer ist Ribicic für den Einsatz der BI. In diesem Zusammenhang betonte Initiator Dolf Mehring, dass sich die Bürger nicht vom Wirt „vor den Karren haben spannen lassen“, sondern die Idee von den Gästen ausging.

Auch für Mehring gestaltete sich die Kontaktaufnahme zum Vermieter bislang schwierig. Man suche keine Konfrontation, sondern den Dialog.

Dennoch habe nur ein Anwalt die BI-Anfrage nach einem Gespräch beantwortet. Dieses wird nicht stattfinden und so hofft Mehring darauf, dass die Politik mehr erreichen kann. Für die BI sei es positiv, so Mehring, dass der Bauvorantrag negativ beschieden worden sei. Das bedeute, dass der Hausbesitzer vorerst keine Perspektive auf eine Baugenehmigung habe – zumindest, solange das notwendige Planungskonzept nicht vorliegt.

Finanzierung für einen sofortigen Kauf durch den Wirt steht

Auf der sicheren Seite sind Wirt und BI dadurch aber nicht. Denn: Der Pachtvertrag wurde zum 31. Mai gekündigt. Zwar ist der Wiesengrund Privateigentum, der Tenor lautete am Sonntag aber: Eigentum verpflichtet. „Er soll nicht aufs viele Geld schauen, dann haben wir ihn auch wieder lieb“, sagt Sierau. Er und die BI hofften auf ein Einlenken seitens des Vermieters. Die Finanzierung durch den Wirt für einen sofortigen Kauf stehe ja bereits.

80 Bürger nahmen am Spaziergang teil

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