Obhut wird zum Rechenspiel

Neues Kindergartengesetz soll 2008 in Kraft treten / Qualitätsverlust befürchtet

15.05.2007 / Lesedauer: 3 min

Immer im Blick von Kita Mitarbeiterin Jennifer Thesen, die ein Auge darauf hat, dass dem kleinen Architekten nichts passiert. 15 Kinder tummeln sich zurzeit in der Kindertagesstätte ?die Kleinen Strolche? in Kruckel. Moritz ist mit seinem halben Jahr der Jüngste, Melanie mit sechs die Älteste. Zwei Ganztags- und drei Halbtagskräfte sorgen an den Wochentagen von 7.30 Uhr bis 16.45 Uhr dafür, dass die kleinen Strolche gut betreut werden, dass es an nichts fehlt. Finanziell kam die Kita bislang gut über die Runden. Nach einem festen Schlüssel laufen die Betriebs-, Personal- und Sachkosten auf dem Konto ein. Bezahlt vom Landesjugendamt und vom Jugendamt in Dortmund ? immerhin macht das 96 Prozent der Gesamtkosten. Die restlichen vier Prozent werden von den Eltern getragen. Jetzt droht der Kita Ungemach ? es sei denn, es ändert sich die Gruppengröße. Der Grund ist ein neues Kindergartengesetz, genannt ?Kibitz?, das am 1. August 2008 in Kraft treten soll. ?Wir werden nach dem neuen Gesetz nur noch nach einer festgelegten Kinderpauschale Geld aus den öffentlichen Töpfen erhalten?, erläutert Gisela Gerhard (Foto), Leiterin der ?Kleinen Strolche?. Das Problem: Die Kita ist nur eingruppig (kleine altersgemischte Gruppe, so die Bezeichnung im alten Kindergartengesetz). 15 Kinder, davon 5 unter drei Jahren. Und diese Art von Gruppe gibt es nach dem neuen Gesetz nicht mehr. Eine Umstellung ist erforderlich, ansonsten fehlen finanzielle Mittel. Die einzige Lösung: man nehme eine Gruppe von 10 Kindern unter drei Jahre, füge 10 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren hinzu (nach Absprache mit dem Jugendamt) und komme so wieder auf die Anzahl von Kindern, die auch ein weiterbestehen der Kita ermöglichen (Kinderpauschale). Sorgen macht sich Gisela Gerhard um die Qualität der Betreuung: ?Gerade die dann hohe Zahl an unter dreijährigen erfordert eine erheblich höheren Pflegeaufwand. Die Mitarbeiter werden sich nicht mehr so intensiv um die einzelnen Kinder kümmern können wie jetzt.? Dazu kommen zusätzliche finanzielle Belastungen: Schlafgelegenheiten, Wickelplätze und Mobiliar. Die Kita wird die bittere Pille der ?Platzaufstockung? aber dennoch schlucken müssen, um weiterhin bestehen zu können. Und Moritz kann sich dann nicht immer darauf verlassen, dass Jennifer Thesen dann noch so viel Zeit für ihn hat. jöb Das Gesetz tritt am 1. August 2008 in Kraft und wird bis zum Jahr 2011 überprüft. Die Landesregierung berichtet dem Landtag bis zum 31. Dezember 2011 über die Erfahrungen mit dem neuen Gesetz.

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