„Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!“, weil Verdi mit Arbeitgebern um fairere Löhne verhandelt. © Robin Albers
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„Ohne uns kein Geschäft!“ – 1.000 Streikende machen den Wall dicht

Die Gewerkschaft Verdi hat am Mittwoch (7.7.) in Dortmund gestreikt. Knapp 1.000 Menschen machten ihrem Frust lautstark Luft – und legten auch den Verkehr in der City lahm.

Bei strahlender Sonne, blauem Himmel und gefühlten 25 Grad haben sich am Mittwochvormittag (7.7.) um 11 Uhr rund 1.000 Menschen auf dem Dortmunder Friedensplatz versammelt. Viele von ihnen trugen neongelbe Warnwesten, viele hatten Fahnen, Schilder und Banner dabei. Keine 99, aber rund ein Dutzend kreisrunder roter Luftballons schwebten über der Menge.

„Verdi“ stand auf den Luftballons. Die Menschenmenge hat sich nämlich nicht zum fröhlichen Miteinander getroffen, auch wenn die Kundgebung zu Anfang durchaus diesen Eindruck machte. „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!“ skandierte die Menge aus Gewerkschaftsmitgliedern mehrfach am Mittwoch.

Professionelle Bühne für Frust

Denn in den Brachen des Einzel-, Groß- und Außenhandels steht Verdi vor der vierten Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern. Verdi verhandelt mit ihnen seit geraumer Zeit für fairere Arbeitsbedingungen: 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Lohn bei einer Vertragslaufzeit von 12 Monaten soll es laut Verdi geben.

Zudem sollen die neuen Tarifverträge allgemeinverbindlich werden, also auch für nicht tarifgebundene Arbeitsverträge gelten. Im Einzelhandel soll es einen Mindestlohn von 12,50 Euro geben.

Der Eindruck eines fröhlichen Miteinanders war an diesem Mittwoch in Dortmund spätestens dann vorbei, als mehrere Rednerinnen und Redner auf der professionellen Bühne, die auf dem Friedensplatz für die Kundgebung aufgebaut wurde, aus ihrem Arbeitsalltag erzählten.

Wie hoch die Belastung in der Corona-Pandemie gewesen sei, mit Kurzarbeit und der ständigen Angst, sich anzustecken. Und dann nicht dafür fair entlohnt zu werden, während ihre Chefs weiter große Gehälter bekommen, sei für Verdi nicht mehr hinnehmbar.

Die Verdi-Streikenden sind frustriert, weil sie sich unfair bezahlt fühlen, während ihre Chefs weiterhin hohe Gehälter beziehen.
Die Verdi-Streikenden sind frustriert, weil sie sich unfair bezahlt fühlen, während ihre Chefs weiterhin hohe Gehälter beziehen. © Robin Albers © Robin Albers

Angestellte aus 130 Betrieben

Denn unter den Streikenden waren Angestellte keiner unbekannten Namen: Metro, Douglas, H&M oder Ikea, um ein paar Beispiele zu nennen. Übrigens nicht nur aus Dortmund, sondern aus der näheren und ferneren Umgebung.

Auf den Bannern konnte man „Saturn Bielefeld“, „Handelshof Köln-Poll“ oder „Kaufland Hagen-Hohenlimburg“ lesen. Dortmund war der Ort einer zentralen Kundgebung, an der laut Verdi Beschäftigte aus mehr als 130 Betrieben in NRW teilnahmen.

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1.000 Verdi-Streikende in der Dortmunder City

Gegen 12.15 Uhr wandelte sich die Standkundgebung zu einer Lauf-Demonstration. Lautstark machten sich die 1.000 Streikenden, begleitet von einer Polizei-Eskorte vom Friedensplatz über den Südwall Richtung Ostentor. Dabei kam es kurze Zeit zu Stau, da die Polizei die Kreuzungen am Wallring sperrte.

Um 12.30 Uhr bog die Demo in den Brüderweg in die Innenstadt ab und machte dort ihren Forderungen lautstark Luft, das auch zahlreiche Stadtbesucher mitbekamen. Gegen 13 Uhr fand der Verdi-Streik, der laut Polizei störungsfrei verlief, auf dem Friedensplatz sein Ende.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers

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