Oper bringt eine Rarität in einer spektakulären Inszenierung auf die Bühne

mlzTheater Dortmund

In Paris war das Publikum aus dem Häuschen, wenn eine Oper von Auber gespielt wurde. Im Dortmunder Opernhaus inszeniert ein Star Aubers berühmteste Oper. Und am Schluss bricht der Vesuv aus.

Dortmund

, 27.02.2020, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Daniel-Francois Aubers Oper „Die Stumme von Portici“ bietet alle Zutaten für einen großen Opernabend: Tolle Musik in der Tradition von Rossini mit rasanten Koloraturen, Ballett, Revolution, Drama und eine Liebesgeschichte. Dazu vier Tenöre und Bühnenbilder, die so abwechslungsreich sind wie die Musik des 1828 in Paris uraufgeführten Werks, das im 17. Jahrhundert spielt.

Bei der öffentlichen Probe sah das Publikum von alldem wenig. Es war die erste Bühnenprobe. Und weil der Opernchor, die Erwachsenen- und Kinderstatisterie dabei waren, war Regisseur Peter Konwitschny fast ausschließlich damit beschäftigt, die Menschenmasen in den Szenen der Fischer zu bewegen und vorteilhaft auf der Bühne zu postieren. Schade, denn von Rossinitenor Sunnyboy Dladla, der im Parkett auf seinen Einsatz wartete, hätte man gerne etwas gehört. Er singt den Sohn des Vizekönigs, der sich in die „Stumme von Portici“ verliebt.

Die Titelfigur der Oper ist stumm

Dass die Titelfigur einer Oper stumm ist, hat den Star-Regisseur Peter Konwitschny, dessen 202. Inszenierung diese Oper ist und der ab 2021 in Dortmund auch Wagners „Wing“ herausbringen wird, gereizt und bewogen, in Dortmund zuzusagen. Viele Häuser besetzen die stumme Fischertochter mit einer Tänzerin, in Dortmund verkörpert Musicaldarstellerin Sarah Wilken die Fenella. Ihren Bruder Masaniello, einen jungen Fischer, singt Mirko Roschkowski – ein Dortmunder Tenor, der in vielen großen Häusern gastiert und im Opernhaus nun sein Debüt gibt.

Rechts auf der Bühne stand bei der Probe ein armseliges, hölzernes Fischerhäuschen – fast zu klein war die Hütte für den hoch gewachsenen Mirko Roschkowski. Kurz vor der großen Marktszene schieben die Fischer ein Floß auf die Bühne, unter dem sie Waffen versteckt haben. Die Drehbühne wird viel im Einsatz sein, und auf die weißen Streifenvorhängen die bei der Probe noch etwas trist aussahen, werden spektakuläre Postkartenbilder vom Vesuv projiziert. Der Vulkan bricht im Schlussbild der Oper aus.

Die Adeligen sprechen französisch, die Fischer deutsch

Das Theater hat einen schönen Trick gefunden, um die Welt der Adeligen und die der Fischer noch deutlicher einandern gegenüberzustellen und gleichzeitig Text und Inhalt für das Publikum verständlicher zu machen: Die Adeligen singen in der Originalsprache französisch, die Fischer in deutsch. Die rund zweieinhalbstündige Oper besteht aus fünf kurzen Akten und gehört zu den schönsten der 40 Opern von Auber und der französischen Grand Opéra. Trotzdem ist sie auf der Bühne eine Rarität und Entdeckung, die Opernfreunde nicht verpassen sollten. – Auch, wenn diese Probe leider mehr verschwiegen als gezeigt hat.

Motonori Kobayashi wird die Dortmunder Philharmoniker dirigieren; bei der Probe musste er noch mit dem Klavier Vorlieb nehmen.

Es gibt nur sechs Termine: 13./19./25./29.3., 8./23.5.; Karten: Tel. (0231) 5027222 oder www.theaterdo.de

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