Optiker verzweifelt: „Alles, was man sich aufgebaut hat, ist weg“

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Als Optiker darf Peter Winhold sein Geschäft auch in Corona-Zeiten geöffnet haben. Doch das nützt dem Dortmunder nicht viel. Die Umsätze brechen weg. Und die Soforthilfe hilft nur bedingt.

Hombruch

, 02.04.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tür an der Harkortstraße 36 ist geöffnet. „Wir sind noch da“, sagt Peter F. Winhold. Eigentlich ist es seit 20 Jahren selbstverständlich, dass der Augenoptikermeister da ist mit seinem Geschäft „Optik Winhold“. Ob und wie er es auch in Zukunft sein wird, ist aber unklar.

Während zahlreiche Gewerbe in der Corona-Krise schließen müssen, dürfen Optiker wie Winhold weiter geöffnet haben. Klar, auch sie müssen Hygiene-Vorschriften beachten und dafür sorgen, dass Abstände eingehalten werden.

Schon seit mehreren Tagen hängt ein Zettel an der Tür des Geschäftes in Hombruch. Ab sofort gebe es nur noch eine Notfallversorgung, Reparaturen seien möglich, Brillen könnten gerichtet oder auf Rezept abgeholt werden.

Geschäfte gehen um 80 Prozent zurück

Via Facebook hat Winhold mittlerweile angekündigt, im Sinne von „stay at home“ Hausbesuche für ältere und gefährdete Mitmenschen anzubieten. Das alles hilft aber nicht viel. „Die Geschäfte gehen extrem nach unten“, sagt Winhold. Auf mindestens 80 Prozent beziffert er den Rückgang.

Erst 2019 hat Augenoptikermeister Winhold viel Geld in die Modernisierung seines Geschäftes in Hombruch investiert.

Erst 2019 hat Augenoptikermeister Winhold viel Geld in die Modernisierung seines Geschäftes in Hombruch investiert. © Marc D. Wernicke

Desinfektionsmittel und Mundschutz musste er sich wie so viele andere selbst zulegen, seine beiden Mitarbeiterinnen hat er in Kurzarbeit schicken müssen.

„Es kommt niemand rein“, sagt Winhold. Die übliche Laufkundschaft ist derzeit nichts weiter als eine Erinnerung an die Zeit vor dem Virus. „Ich sehe die Existenz des Geschäftes bedroht“, sagt er. „Wie lange es so noch weitergehen kann, ist schwer zu sagen. Irgendwann werden wir auf Kredite zurückgreifen müssen.“

Erst vergangenes Jahr habe Peter F. Winhold viel Geld in die Hand genommen, um seinen Laden zu modernisieren. „Ich habe neue Geräte gekauft, um für die Jahre bis zur Rente gegen den Online-Handel bestehen zu können“, sagt er. Nun müsse er überlegen, ob er seine Altersvorsorge oder die Lebensversicherung in das Geschäft steckt.

Jetzt, im Frühjahr 2020, weiß niemand, wie lange es mit den Einschränkungen und ob es überhaupt weitergehen wird. Und das sei für ihn das Schlimmste.

Nicht minder schlimm: „Keiner der Geschäftsleute ist selbstverschuldet in diese Situation geraten.“ Keine Misskalkulation, kein schlechter Geschäftssinn bringt die Menschen in Not – sondern ein Virus.

„So eine Krise habe ich noch nie auch nur annähernd erlebt“, sagt Winhold. Zu Beginn der 00er-Jahre, als Brillengläser aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen wurden, sei der Umsatz eingebrochen.

„Nach dem ersten Jahr hatten wir 30 Prozent Verlust. Wir haben fünf Jahre gebraucht, um uns davon zu erholen“, sagt er. „Alles, was man sich seitdem aufgebaut hat, ist wieder weg.“

Online-Handel ist keine Option

Von heute auf morgen sein stationäres Geschäft in einen Online-Handel umzuwandeln, sei nicht so ohne Weiteres möglich und ohnehin keine Alternative: „Weil ich den Kundenkontakt liebe.“

Die staatliche Soforthilfe hat er beantragt und auch erhalten. Ob sie ihm langfristig hilft? „Die 9000 Euro muss ich in der nächsten Steuererklärung angeben. Sie werden dort als Gewinn versteuert“, erklärt Winhold. Und Kredite müssten auch innerhalb von fünf Jahren getilgt werden.

Normale Ausstattung zu Zeiten von Corona: Optiker Peter F. Winhold mit Mundschutz, Handschuhen und Plexiglas-Trenner.

Normale Ausstattung zu Zeiten von Corona: Optiker Peter F. Winhold mit Mundschutz, Handschuhen und Plexiglas-Trenner. © Marc D. Wernicke

Über Zusagen aus der Politik, wonach jeder Betrieb, der 2019 gesund war, die Corona-Krise ohne Insolvenz überstehen werde, kann er daher nur müde lächeln. Peter F. Winhold appelliert an Banken und Vermieter, sich solidarisch zu zeigen.

Dispokredite dürften nicht mit hohen Zinsen belastet werden, sondern auf 1 oder gar 0 Prozent heruntergestuft werden. „Es müssen jetzt alle zusammenhalten, jeder muss den anderen unterstützen. Ich wünsche allen, dass sie gesund bleiben und keiner aufgrund des Virus auf der Strecke bleibt.“

Eine Hoffnung setzt er auch in die Kunden: Winhold wünscht sich, dass sie wieder in die lokalen Geschäfte gehen, sobald es möglich ist – und nicht jetzt den Online-Handel reich machen.

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