100 Meter lange Warteschlangen vor Dortmunder Baumärkten am Ostersamstag

mlzBaumärkte und Corona

Trotz der Corona-Pandemie zog es die Dortmunder am Ostersamstag (11.4.) massenweise zu den Bau- und Gartenmärkten. Dennoch ging alles „sehr flott“ – wir haben uns an fünf Märkten umgesehen.

Dortmund

, 12.04.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ostersamstag 2020, die Sonne lacht, die meisten Menschen haben frei. Beste Bedingungen um Garten und Haus nach überstandenem Winter auf Vordermann zu bringen.

Wenn da nicht die Corona-Pandemie wäre. Sicherheitsabstand, Ansteckungsgefahr, Einlasskontrollen. In diesem Jahr ist alles anders – sollte man meinen.

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Drei Baumärkte und zwei Gartencenter in Dortmund – überall bietet sich am Ostersamstag (11.4.) ein ähnliches Bild. Lange Warteschlangen bilden sich über die Parkplätze, Sicherheitsleute stehen an den Eingängen. Doch die allgemeine Stimmung ist trotz allem erstaunlich gut. Wir waren vor Ort.

10.45 Uhr, Hellweg Hacheney: Der Parkplatz-Dialog mit dem Kunden

Erster Halt: Hellweg-Baumarkt Hacheney. Eine besonders lange Warteschlange ist auf den ersten Blick an der Zillestraße nicht zu erkennen.

Doch dieser erste Blick täuscht. Vom Einkaufswagenhäuschen und parkenden Autos zunächst verdeckt, offenbart sich eine lange Menschen-Schlange, die einen weiten Bogen über den Parkplatz macht. Abgegrenzt mit Flatterband und Absperrbaken.

Streng kontrolliert wurde der Einlass am Hellweg-Baumarkt Hacheney. Der verpflichtende Einkaufswagen war nur am Eingang vom Personal zu erhalten.

Streng kontrolliert wurde der Einlass am Hellweg-Baumarkt Hacheney. Der verpflichtende Einkaufswagen war nur am Eingang vom Personal zu erhalten. © Wilco Ruhland

Am Markteingang herrscht reges Treiben – Mitarbeiter in Hellweg-Rot gekleidet nehmen genutzte Einkaufswagen in Empfang, desinfizieren sie und geben sie an den nächsten wartenden Kunden ab. Die Zahl der Wagen ist auf 75 begrenzt, um den Einlass kontrollieren zu können. Sicherheitsleute mit Warnwesten sitzen im Schatten eines Pavillons – den für einen Baumarkt zu organisieren, war sicher ein Leichtes.

Ein junges Paar in der Warteschlange hat es gewagt, trotz Corona-Schutzmaßnahmen zum Baumarkt zu fahren. „Wir wollen den Balkon schön machen – momentan sucht man sich halt seine Aufgaben“, sagen sie. „Wir haben auch erst überlegt, ob wir wirklich herfahren sollen. Aber das geht erstaunlich gut voran.“ Seit ungefähr 15 Minuten stehen sie an, die Hälfte ist geschafft.

Dirk Brandt, Marktleiter des Hellweg-Baumarktes Hacheney ist Mitarbeitern und Kunden sehr dankbar für den reibungslosen Ablauf des Samstags, trotz Corona-Schutzmaßnahmen.

Dirk Brandt, Marktleiter des Hellweg-Baumarktes Hacheney ist Mitarbeitern und Kunden sehr dankbar für den reibungslosen Ablauf des Samstags, trotz Corona-Schutzmaßnahmen. © Wilco Ruhland

„Das geht sehr gesittet ab“, freut sich Marktleiter Dirk Brandt. Immer wieder steht er im Dialog mit den Kunden auf dem Parkplatz. Dass Baumärkte noch öffnen dürfen, findet er richtig.

Beispiel: „Auch die Feuerwehr und Altenheime kaufen bei uns ein. Gestern erst waren Feuerwehrleute da, die Klebehaken gekauft haben, um Schutzmasken zum Trocknen aufzuhängen“, sagt er. „Mein großer Dank geht an alle Kunden und Mitarbeiter“, betont Brandt.

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11.45 Uhr, Gartencenter Augsburg, Hörder Straße: Kleinere Schlange, keine Wagenpflicht

Angekommen an der Stadtgrenze zu Schwerte. Ort des Geschehens: Gartencenter Augsburg, Hörder Straße. Hier gibt es nur Gartenbedarf – der Markt ist ein gutes Stück kleiner als der Hellweg Baumarkt.

Auch vor dem Gartencenter Augsburg auf der Stadtgrenze zu Schwerte standen die Leute Schlange.

Auch vor dem Gartencenter Augsburg auf der Stadtgrenze zu Schwerte standen die Leute Schlange. © Wilco Ruhland

Dementsprechend kleiner ist auch die Warteschlange. Doch es gibt sie. Etwa 25 Menschen stehen zu diesem Zeitpunkt an. Eine Wagenpflicht herrscht nicht. Auch der Mindestabstand würde hier und da einer Zollstock-Überprüfung nicht standhalten.

„Ich musste schon überlegen, weil ich mir dachte, dass es voll wird“, sagt ein Mann auf dem Parkplatz. Doch auch sein Garten will gepflegt werden und das trotz Kontaktverbots und Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus.

12.20 Uhr, Gartencenter Risse Sölde: „Es gibt nur einige wenige, die versuchen, sich nicht dran zu halten“

Nächster Halt: Sölde. Am Gartencenter Risse ist wieder eine Warteschlange in weitem Bogen vor dem Eingang zu beobachten. Die etwa 30 wartenden Kunden halten hier besonders großen Abstand.

„Es geht schneller voran als man denkt“, sagt Angelika Joswig, die bereits ihren Einkauf – Blumen und die dazugehörige Erde – zum Auto bringt. Ihre Augen sind verdeckt von einer großen Sonnenbrille, die Ärmel der dünnen Fleecejacke hochgekrempelt.

„Die meisten halten sich an die Regelungen. Es gibt nur einige wenige, die versuchen, sich schnell an der Warteschlange vorbei reinzudrängeln“, sagt sie.

Lange Schlange vor dem Gartencenter Risse in Sölde – die Wartenden halten sehr großen Abstand zueinander.

Lange Schlange vor dem Gartencenter Risse in Sölde – die Wartenden halten sehr großen Abstand zueinander. © Wilco Ruhland

12.59 Uhr, Bauhaus Nordstadt: Die grade Warteschlange misst 110 Schritte

Der bislang größte Andrang auf einen Baumarkt an diesem Tag ist in der Nordstadt zu finden. Schon die Parkplatzsuche gestaltet sich nicht gerade leicht am Bauhaus-Markt an der Bornstraße. Eine Wagenpflicht herrscht hier nicht.

Die Warteschlange macht keinen Bogen, sondern führt gerade am Rand des großen Baumarktes entlang. Etwa 110 moderat große Schritte misst die Schlange. Die Hälfte davon bereits hinter sich haben Christian Engelhardt und sein erwachsener Sohn Pascal.

Der Vater schiebt den Baumarkt typischen Einkaufswagen mit der Transportfläche. Lässig sitzt Sohn Pascal auf eben jener Fläche. Der junge Mann trägt eine Basecap und eine Arbeitshose, aus deren Tasche ein Zollstock ragt. „Wir stehen genau seit 9 Minuten an“, sagt Pascal mit Blick auf das Smartphone – er hat zu Beginn der Wartezeit extra auf die Uhr geschaut. 9 Minuten vorher standen sie noch fast am Außenrand des Marktes.

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„Das geht relativ schnell. Wenn einer reingeht, kommt man durch den Mindestabstand direkt ein gutes Stück nach vorne“, sagt Christian Engelhardt. Warum sie ausgerechnet heute zum Baumarkt gefahren sind? „Das war jetzt relativ dringend“, sagt Engelhardt verschmitzt.

Die beiden hätten schon vor Längerem ein Projekt begonnen und dafür einiges vergessen einzukaufen, erklären sie. „Das Wetter passt jetzt und wir dachten uns, wenn der Baumarkt schon auf hat, können wir auch hin“, meint Christian Engelhardt.

13.30 Uhr, Hornbach Nordstadt: „Das ging sehr flott!“

Ein paar hundert Meter weiter bekommt der Bauhaus-Markt Konkurrenz – im wahren Sinne des Wortes. Auch der Parkplatz am Hornbach-Baumarkt an der Borsigstraße platzt augenscheinlich aus allen Nähten.

Hier ist wieder eine gebogene Warteschlange zu beobachten. Am Hornbach wurden viele Maßnahmen getroffen. Flatterband und Holzpfosten grenzen den Wartebereich ab. Auf den Asphalt gesprühte Striche und Pfeile zeigen genau an, wie groß der Abstand zwischen Wartenden sein muss, und wo die Warteschlange langführen soll.

Der Hornbach-Baumarkt hat einige Vorkehrungen getroffen – neben dem Bauhaus ein paar hundert Meter weiter, war hier mit am meisten los.

Der Hornbach-Baumarkt hat einige Vorkehrungen getroffen – neben dem Bauhaus ein paar hundert Meter weiter, war hier mit am meisten los. © Wilco Ruhland

Aufgestellte Schilder, die auf die Onlinebestellung und die Online-Reservierung hinweisen. Auf einem der Hinweis, dass der letzte Einlass um 19.45 Uhr – eine Viertelstunde vor Ladenschluss – gewährt wird.

Wolfgang Brandtner wohnt seit 2011 in Dortmund. Der gebürtige Österreicher ist gerade dabei, eine Decke im Kofferraum seines Autos auszulegen. Daneben steht ein Einkaufswagen mit dem erfolgreichen Einkauf: Spanplatten und augenscheinlich Dachpappe.

Wolfgang Brandtner mit seinem Einkauf vom Hornbach. Lange warten musste er nicht, sagt er: "Das ging sehr flott!"

Wolfgang Brandtner mit seinem Einkauf vom Hornbach. Lange warten musste er nicht, sagt er: "Das ging sehr flott!" © Wilco Ruhland

„Ich muss einiges im Garten und im Kinderzimmer machen“, erklärt er mit österreichischem Akzent. Er habe im Garten einen Unterstand, bei dem das Dach im vergangenen Jahr weggeweht worden ist.

„Wir hatten eigentlich einen Osterurlaub gebucht“, sagt er. Jetzt sei die Zeit eben für die Arbeiten an Haus und Garten da. Sorgen habe er sich vor dem Baumarkt-Besuch nicht gemacht, sagt der Mann mit den runden Brillengläsern. Er gehöre nicht zur Risikogruppe und zu Oma und Opa hätte die Familie nur durch die Fenster Kontakt.

Lange warten musste er trotz sehr langer Schlange vor dem Baumarkt nicht. „Das waren so 15 bis 20 Minuten Wartezeit“, sagt Wolfgang Brandtner, „das ging sehr flott!“

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