Die DB-Regio hat Probleme mit dem polnischen Zug Pesa Link. Erst wurden die Züge stark verspätet ausgeliefert, jetzt bleiben sie häufig liegen. Sechs Linien im Raum Dortmund sind betroffen.

Dortmund

, 09.04.2019, 18:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Ankündigung von DB-Regio im Juni 2018 war vollmundig: „Moderner Triebzug setzt neue Maßstäbe im Sauerland-Netz“. So kündigte die Bahntochter die neuen Züge des polnischen Herstellers Pesa an. Das Modell Link sollte ab Herbst auf den Regionalbahnlinien RB 43, 52, 53 und 54 als Zweiteiler fahren. Im Frühjahr 2019 sollten dreiteilige Pesa-Links auf den Linien RE 17 und 57 nach und nach die komplette, dort bisher fahrende Flotte ersetzen.

Zug Pesa Link: „Der kann wenig bis nichts“

Neue Maßstäbe setzt der Pesa-Link durchaus, allerdings nicht so, wie sich das DB-Regio vorgestellt hatte. In den letzten Wochen und Monaten kam es immer wieder zu Pannen und Störungen, teilweise blieben die Züge komplett liegen. Wer sich mit Zugführern unterhielt, bekam die Auskunft, dass das Modell von außen zwar schnittig aussehe. Probleme aber gebe es bei Ein- und Ausstieg, der Geräuschentwicklung im Zug und beim Kuppeln von Zügen. „Der kann wenig bis nichts“, so ein Zugführer in der dritten Märzwoche. In jener Woche war es alleine auf der RB53-Strecke von Dortmund nach Iserlohn mindestens zu vier Störungen gekommen.

Auf das Kuppeln lieber verzichten

Das Problem betrifft allerdings alle Strecken der sogenannten Sauerlandlinien. So teilt der NWL (Nahverkehr Westfalen-Lippe) am Dienstag mit, dass es auch auf den Strecken der RE 17 und RE 57 zu „einer erhöhten Anzahl an Zugausfällen und Verspätungen“ komme - bei den ganz frisch ausgelieferten dreiteiligen Zügen. Laut dem NWL werde die DB Regio als Betreiber „vorerst für einen Zeitraum bis Ende August 2019 deshalb Gebrauchtfahrzeuge aus dem Übergangsbetrieb einsetzen, um bei Störungen besser reagieren zu können“. Bei der DB-Regio soll jetzt geprüft werden, wie auf das Kuppeln und Trennen der Pesa-Link-Züge verzichtet werden kann, dabei traten vermehrt Probleme auf.

Softwareupdate in Polen

Insgesamt scheint die komplexe Fahrzeugleittechnik einer der größten Störfaktoren zu sein. Neben den Problemen bei der technischen Kupplung gab es laut NWL vermehrt Schwierigkeiten mit der Software zur Antriebssteuerung. Teils hätte das zu Zugausfällen auf freier Strecke geführt. Laut Zugführern sollen die neuen Züge der Reihe nach zurück nach Polen rollen, um dort ein „Softwareupdate“ zu erhalten. Das kann man so sagen: Inzwischen arbeitet eine Taskforce an den Problemen, bestehend aus Flottenmanagement und Instandhaltung von DB Regio, dem Hersteller Pesa und den Zulieferern. Während die Taskforce arbeitet, sollen alle Pesa-Link-Fahrzeuge noch einmal nach Polen zurückfahren und nachgebessert werden.

Zwei Jahre Verspätung

Eigentlich hätten die Pesa-Züge bereits lange vor Juni 2018 auf den genannten Linien laufen sollen. Bereits zum Fahrplanwechsel 2016, so sah es das Vertragswerk zwischen DB Regio und Pesa vor, hätten sowohl die zwei- als auch die dreiteiligen Züge rollen sollen. Dazu kam es nicht, die Züge sollten, so heißt es, die technischen Anforderungen hinsichtlich des Gewichtes und des Antriebes nicht erfüllen. Erst im Sommer 2018 erteilte das Eisenbahnbundesamt die Zulassung für die Züge. Als die dann da war, wurden die Züge auf die Gleise geschickt. Ohne entsprechende Testphase mit Leerfahrten - was sich jetzt offenkundig rächt.

Wie groß die Probleme sind, will die Bahn nicht konkretisieren

Laut Bahn-Sprecher Dirk Pohlmann habe sein Unternehmen mit den neuen Zügen nicht die „Qualität auf dem Hof, die wir erwartet haben“. Mit den dreiteiligen Pesa-Links sei man nicht zufrieden. In den letzten Wochen seien vermehrt auch Schwierigkeiten mit den zweiteiligen Zügen aufgetreten. Wie oft welche Züge wann und wo liegengeblieben sind, will Pohlmann nicht sagen. Diese Zahlen würden schwanken. Die Ersatzzüge, so der Bahnsprecher, reichen nicht jeden Tag aus. Für die 20 Zweiteiler gibt es zwei Ersatz-Pesas, für die 16 Dreiteiler gibt es 3 Ersatzzüge. Wenn das nicht reicht, kommen Altfahrzeuge zum Einsatz. Oder Züge fallen ganz aus.

Langmut aus Alternativlosigkeit?

Laut Pohlmann handelt es sich bei den Problemen um Kinderkrankheiten. „Noch sind wir von dem Zug überzeugt.“ Sein Unternehmen habe verschiedene Optionen geprüft, aber „andere Fahrzeuge bekommen Sie auch nicht schnell, das hätte vom Zeitfenster nichts gebracht“. So oder so beweist die DB Regio bei dem Zughersteller eine erstaunliche Langmut. Erst zwei Jahre lang nicht liefern und dann offenbar unausgereifte Züge auf die Reise zu schicken - das muss man sich leisten können. Der Langmut könnte einen simplen Grund haben. Würde DB-Regio die Verträge mit dem Zughersteller Pesa kündigen, müsste das Sauerlandnetz laut einer Klausel 2021 neu ausgeschrieben werden. Sollte es zu einer solchen Neuausschreibung kommen, würden keine Dieselfahrzeuge mehr ausgeschrieben werden. Wie das im Sauerland mit längeren Distanzen und vielen Höhenmetern funktionieren soll, ist heute noch unklar.

Eine „ewige Hängepartie“

Pohlmann von der Deutschen Bahn bittet die Fahrgäste um Entschuldigung. Der NWL seinerseits erwartet „eine nachhaltige, aber auch unverzügliche Beseitigung der Probleme“. Beide weisen daraufhin, dass es sich aktuell noch um Gewährleistungsmängel handelt, die der Zughersteller beheben müsse. Für den Fahrgastverband Pro Bahn zeigt sich in dem Ärger um die Züge eine „ewige Hängepartie“. Die Deutsche Bahn, so Pro Bahn-Sprecher Lothar Ebbers, „ist kein qualitativer Marktführer mehr, immer wieder hat sie Probleme mit Neufahrzeugen.“

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