Papa war die treibende Wasser-Kraft

Er packt die Badehose nur noch selten ein. Obwohl ihn vor 40 Jahren der Meeresgott höchstselbst in sein Reich aufnahm. Alles verflossen. «Heute spiele ich zwei mal die Woche Volleyball», sagt Matthias Kriegesmann.

29.06.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aber an seine Zeit im feuchten Element («Was waren wir für Wasserratten!») erinnert sich der Wellinghofer gerne und im Verlauf unseres Gespräches immer besser. «Unser Vater war die treibende Kraft», sagt der 46-Jährige, überlegt kurz und schiebt nach: «Er brachte nicht nur mir und meiner Schwester, sondern auch seinen Enkeln das Schwimmen bei.»

Aber der Reihe nach: Vor 40 Jahren, am Samstag, 27. Juli 1968, richteten die Ruhr Nachrichten zum ersten Male die Frühschwimmer-Veranstaltung «Neptuns Nachwuchs» aus. Damals im beheizten Hörder Schallackerbad (Das sich im Laufe der Jahre in ein Beachvolleyballfeld verwandelt hat). Die RN hatten die Frühschwimmer-Aktion u. a. deshalb gestartet, um die Vorbeugung gegen Badeunfälle von Jungen und Mädchen zu unterstützen.

Zu den kleinen Premiere-Schwimmern vor vier Jahrzehnten gehörte Matthias Kriegesmann. «Da stehe ich, aber falsch geschrieben», sagt der technische Angestellte und lächelt, als wir gemeinsam die alten Zeitungsartikel der Ruhr Nachrichten anschauen. Im Felde der 49 aufgelisteten Starter findet sich nicht nur «Mathias» (mit nur einem T), sondern auch Birgit Kriegesmann. «Meine Schwester war ebenfalls dabei. Sie war fünf Jahre alt und damit eine der Jüngsten», erinnert er sich und lächelt schon wieder. Mit seinen sieben Jahren zählte er damals zu den Älteren.

Einzelheiten der Neptun Premiere, z. B. über die Urkunde oder die Plakette, gibt Kriegesmanns Gedächtnis allerdings nicht mehr preis. «Ich weiß nur noch, dass es für uns ein Riesenspaß war.» Ob denn seine beiden Töchter Mira (16) und Mona (15) mal bei Neptuns Nachwuchs angetreten seien? «Nein, ich glaube nicht...» «Doch, Mira war mal dabei», springt Ehefrau Sabine in die Gedächtnis-Lücke, «das muss so vor elf, zwölf Jahren gewesen sein.»

Während sich bei dem Gemahl der Wasser- allmählich zum Volleyball-Sport wandelte, taucht seine Gattin regelmäßig in Neptuns Reich ein. «Jetzt im Sommer gehe ich ins Freibad in Wellinghofen.» Allenfalls im Urlaub stürze sich ihr Mann bisweilen in die Fluten.

Zum Schluss hätte ich gerne noch seine Urkunde von damals gesehen, für ein Foto. «Oh, die hab' ich, glaube ich, nicht mehr», sagt Kriegesmann entschuldigend. Nicht so schlimm. Er hat ja seine Erinnerungen. Jetzt, nach 40 Jahren, frisch aufgegossen. Jörg Heckenkamp

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