Carl Hendrik Draub setzt auf kostenlosen ÖPNV, eine Senkung der Gewerbesteuer und moderne Technologien. Doch ganz ohne Kohle, Stahl und Bier geht es auch bei dem 29-Jährigen nicht.

Dortmund

, 10.05.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Parteilose Kandidaten, die als Einzelkämpfer für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren, werden - vorsichtig ausgedrückt - oftmals als Fantasten bezeichnet. Auf Carl Hendrik Draub trifft diese Einschätzung aber in keiner Weise zu.

Wer sich mit dem 29-Jährigen unterhält, lernt einen Menschen kennen, der politisch überaus interessiert ist, sich vielfältige Gedanken um Dortmunds Zukunft macht und seine Heimatstadt von Herzen liebt. Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für einen OB-Kandidaten.

Partei ist keine Alternative

Mit seinem sportlich-schicken Outfit und dem abgeschlossenen Jurastudium wirkt der junge Mann auf den ersten Blick wie der Prototyp eines aufstrebenden CDU-Politikers. Doch solche Klischees weist Draub weit von sich.

Obwohl er sowohl die überregionale als auch die kommunale Politik seit vielen Jahren intensiv verfolge, sei er ganz bewusst nie in eine Partei eingetreten: „Ich vereine in mir christ- und sozialdemokratische, liberale sowie grüne Standpunkte - und das würde in keiner Partei funktionieren.“

Nichtsdestotrotz will sich der Rechtsanwalt nun mit dem Slogan „Für Dortmund“ um das Amt des Stadtoberhaupts in seiner Heimatstadt bewerben. „Denn gerade die Lokalpolitik betrifft doch direkt das Leben der Bürger“, findet Draub. „Und deshalb ist es umso trauriger, dass viele Menschen bei Kommunalwahlen automatisch immer gleich wählen oder erst gar nicht zur Wahl gehen.“

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Lange Zeit sah es so aus, als ziehe es den gebürtigen Dortmunder dauerhaft in die Ferne: Schon als Schüler verbrachte er ein Jahr in den USA, nach dem Abitur folgten Studienaufenthalte in Konstanz und Köln. „Das war eine schöne Zeit, aber ich wusste schnell, wo meine Heimat ist“, sagt der Jurist. „Je weiter ich weg war, umso mehr habe ich Dortmund geschätzt.“

Fehlender Mut

So kehrte er nach dem Studium zurück und stieg als Anwalt in der Kanzlei seiner Eltern ein. Die Entscheidung, selbst politisch aktiv zu werden, fällte er im Spätsommer 2019: „Damals zeichnete sich ab, wer als OB-Kandidat aufgestellt wird.“

Den etablierten Parteien attestiert Draub bei ihren Entscheidungen fehlenden Mut: Die CDU setze einmal mehr auf einen erfolgreichen „Mid Ager“, bei der Konkurrenz sollen es altbekannte Gesichter richten.

„Wir haben den Strukturwandel 2.0 vor uns“

Der falsche Weg, um die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen, findet Draub. „Der Strukturwandel wird mittlerweile seit über 30 Jahren in fast jeder politischen Rede als Argument bemüht. Aber seien wir doch mal ehrlich: Ich habe in meinem Leben keine aktive Dortmunder Zeche mehr kennengelernt. Auf uns warten ganz andere Herausforderungen, wir haben den Strukturwandel 2.0 vor uns.“

Kurz und knapp: „Für Dortmund“ lautet der Wahlkampf-Slogan von Carl Hendrik Draub.

Kurz und knapp: „Für Dortmund“ lautet der Wahlkampf-Slogan von Carl Hendrik Draub. © Michael Schuh

Eine Schlüsselrolle komme dabei dem öffentlichen Nahverkehr zu, dessen Attraktivität der 29-Jährige ohne „populistische und sinnlose Verbote“ für Pkw-Fahrer steigern will. „Der kostenlose ÖPNV ist die Zukunft der Mobilität in Dortmund“, glaubt Draub.

Busse und Bahnen sollen häufiger fahren

Einerseits werde so dem Klimawandel entgegengewirkt, andererseits der Standort Dortmund im Wettbewerb mit anderen Ruhrgebiets-Städten hervorgehoben.

Damit die Bürger ihr Auto aber tatsächlich stehen lassen, müssten Busse und Bahnen zudem häufiger und belastbarer fahren, mehr Strecken bedienen sowie sicherer und sauberer werden. Hohe Ziele, die auch finanziert werden müssen. „Der Mehrwert für unsere Stadt gleicht das mehr als aus“, ist sich der 29-Jährige sicher.

Erfolgsmodell Werkswohnungen

Außerdem müssten große Unternehmen künftig stärker in die Verantwortung genommen werden, findet der OB-Kandidat: „Zusammen mit der Stadt sollten sie unter anderem bezahlbaren Wohnraum schaffen - für die Bürger und Mitarbeiter.“ Dass er mit diesem Vorschlag eigentlich einen Schritt in der Geschichte zurückgeht, ist dem Dortmunder durchaus bewusst: „Warum auch nicht? Schließlich waren die Werkswohnungen, die es früher gab, ein absolutes Erfolgsmodell.“

Um Dortmund als Wirtschafts- und Technologie-Standort voranzutreiben, seien zudem der Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Reduzierung der - momentan auf einem Allzeithoch stehenden - Gewerbesteuer vonnöten. „So werden wir für große Firmen attraktiver“, sagt Draub, „und die bringen wiederum junge Familien mit.“

Kohle, Stahl und Bier

Wenngleich moderne Technologien und Mobilitätskonzepte im Mittelpunkt seiner politischen Ideen stehen, weiß der Ur-Dortmunder genau, wie die Menschen in dieser Stadt ticken: „Unsere Tradition, zu der andere Städte hochschauen, müssen wir bewahren. Wir waren mal Kohle, Stahl und Bier, das wird immer Teil unserer Kultur sein.“

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Und natürlich der BVB. Denn während er sich politisch nicht auf Rot, Schwarz oder Grün festlegen möchte, ist beim Sport das Gegenteil der Fall. „In meinen Adern fließt schwarz-gelbes Blut“, sagt der Besitzer eines - wie könnte es anders sein - Großkreutz-Trikots.

Gesunde Portion Optimismus

Auf die Frage nach seinen Chancen bei der Kommunalwahl weicht der OB-Kandidat allerdings ein wenig aus. Nur so viel: „Ich trete nicht an, um Zweiter zu werden.“ Eine gesunde Portion Optimismus kann man Carl Hendrik Draub auf jeden Fall nicht absprechen.

Noch fehlen Unterschriften

  • Carl Hendrik Draub hat eine Homepage angelegt, auf der er seine Ziele als OB-Kandidat näher erläutert: www.draubfuerdortmund.de
  • Die 450 benötigten Unterstützerunterschriften für eine Kandidatur hat Draub derzeit noch nicht zusammen. Wer ihm eine Chance als OB-Kandidat geben möchte, könne das Formular auf der Homepage herunterladen, erläutert der 29-Jährige.
  • „Ich hole das unterschriebene Blatt bei Bedarf dann auch ab“, sagt Draub, „und freue mich schon auf die dabei entstehenden Gespräche.“
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