Eine Corona-Infektion kann einen Menschen plötzlich und unerwartet in eine ungewisse gesundheitliche Situation versetzen. Wer dann bereits eine Patientenverfügung hat, hat bei den wichtigsten Fragen vorgesorgt. © picture alliance/dpa/CTK
Corona-Pandemie

Patientenverfügung: Das sollte drin stehen und das muss man wissen

In einigen Fällen wird eine Corona-Erkrankung lebensbedrohlich. In einer Patientenverfügung können notwendige Maßnahmen festgehalten werden. Ein Überblick zu den wichtigsten Fragen.

Was passiert, wenn ein Mensch plötzlich aufgrund einer Erkrankung nicht mehr eigene Entscheidungen treffen kann? Wie sollen die Ärzte handeln, welche Schritte sollen gemacht werden? All dies und noch viele weitere Dinge lassen sich in einer Patientenverfügung regeln.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie kann sich der Gesundheitszustand eines Erkrankten unerwartet ändern. Daher kommt der Patientenverfügung in diesen Tagen eine immer wichtigere Bedeutung zu. Wir geben eine Übersicht zu den meist gestellten Fragen.

Warum ist eine Verfügung wichtig?

Eine Patientenverfügung kommt zum Einsatz, wenn jemand selbst nicht einwilligungsfähig ist. Das heißt, über notwendige medizinische Behandlungen vorübergehend oder dauerhaft nicht entscheiden kann.

„Eine gute Patientenverfügung legt fest, wie ein Mensch im Falle einer schweren Krankheit therapiert werden möchte. Der Verfasser gibt darin präzise Behandlungsanweisungen für konkrete Krankheitssituationen, die in Zukunft eintreten könnten“, sagt Eugen Brysch, Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, die in Dortmund ihren Sitz hat. Er empfiehlt jedem Volljährigen ein solches Dokument.

Wie ist der Weg zu einer Patientenverfügung? Welche Institutionen stellen diese aus?

Zunächst einmal braucht es für eine rechtsgültige und praxistaugliche Patientenverfügung spezielles Fachwissen, sagt Brysch. Fachkundige Beratung ist gesetzlich zwar nicht vorgeschrieben, aber eine Voraussetzung, um ausreichend aufgeklärt entscheiden zu können.

Schließlich werde eine Patientenverfügung nicht einfach ausgestellt wie ein ärztliches Attest. „Sie ist ein sehr persönliches Dokument. Vorsicht ist daher geboten bei kostenlosen Standardverfügungen, Vordruckformularen oder Ankreuzbögen“, sagt der Vorstandschef.

Das Problem: Solche Schriftstücke seien oft nicht konkret genug oder unvollständig. Wer eine solche Patientenverfügung hat, wiege sich schnell in falscher Sicherheit. Mancher Satz, der zunächst vernünftig klinge, könne fatale Fallstricke enthalten, meint Brysch.

Eugen Brysch ist Vorstandschef der Deutschen Stiftung Patientenschutz.
Eugen Brysch ist Vorstandschef der Deutschen Stiftung Patientenschutz. © Dt. Stiftung Patientenschutz © Dt. Stiftung Patientenschutz

Braucht es zwingend einen Notar oder Rechtsanwalt? Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Notare, Rechtsanwälte und Mediziner sind zwar Experten in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Für ihre Unterstützung werden jedoch teilweise Beträge im dreistelligen Bereich verlangt. Die Qualität einer Patientenverfügung definiere sich aber nicht über den Preis, meint der studierte Rechtswissenschaftler.

Auch sei sie weniger ein juristisches als vielmehr medizinisch-pflegerisches Dokument. Gute Berater sollten daher alle notwendigen Fachgebiete abdecken. Brysch: „Wer bei der Erstellung von Patientenverfügungen Unterstützung anbietet, sollte auch im Krisenfall Patienten sowie Angehörigen zur Seite stehen.“

Was sollte unbedingt in einer Patientenverfügung drin stehen?

Behandlungssituationen, die in der Patientenverfügung geregelt werden sollen, müssen möglichst präzise beschrieben werden. Der Wille des Verfassers muss dabei so individuell wie möglich sein.

Daher sagt der Patientenschützer: „Formulierungen wie ‚ich möchte nicht an Maschinen angeschlossen sein‘ oder ‚ich möchte nicht unwürdig sterben‘ sind zu ungenau. Therapien und Eingriffe, die für bestimmte Fälle gewünscht oder abgelehnt werden, sind ebenso anzugeben.“

Nicht zu vergessen: Eine gute Patientenverfügung beschreibt nicht nur die Ablehnung von Maßnahmen. Auch die Einforderung gewünschter Behandlungen wie Schmerztherapie und Palliativversorgung macht ein solches Dokument stark, erklärt er. Auch die eigene Einstellung zur Organspende sollte enthalten sein und anderen Entscheidungen nicht widersprechen.

Wer hilft bei Fragen?

Wer unsicher ist, ob seine Patientenverfügung im Ernstfall praxistauglich ist, kann sie von den Experten der Deutschen Stiftung Patientenschutz kostenfrei prüfen lassen. Dazu genügt es, eine Kopie der Verfügung per E-Mail oder Post an die Stiftung zu schicken und seine Telefonnummer anzugeben. Eine Rückmeldung erfolgt dann telefonisch. Hier gibt es alle Infos dazu.

Gültigkeit einer Patientenverfügung
  • Eine Patientenverfügung verliert nach Ablauf von fünf Jahren ab der Errichtung ihre Verbindlichkeit, sofern der Patient nicht eine kürzere Frist bestimmt hat.
  • Eine jährliche Erneuerung ist deshalb nicht nötig – man sollte seine Patientenverfügung aber dennoch regelmäßig aktualisieren.
  • Nicht nur Wünsche und Vorstellungen können sich ändern, sondern auch medizinische Behandlungsmethoden.

Wie kurzfristig lässt sich eine Patientenverfügung ändern?

Eine Patientenverfügung stellt verbindliche Anweisungen an behandelnde Ärzte und Therapeuten dar. Rechtliche Vertreter – wie vom Verfasser Bevollmächtigte oder Betreuer – müssen zwar prüfen, ob diese Festlegungen in der konkreten Lebens- und Behandlungssituation zutreffen. Eine Änderung der Patientenverfügung kann jedoch nur der Verfasser selbst vornehmen.

Daher empfiehlt es sich, eine Verfügung regelmäßig daraufhin zu überprüfen, ob die formulierten Vorstellungen und Behandlungsanweisungen weiterhin so gelten sollen, sagt Brysch.

Können Patientenverfügungen von anderen Menschen für eine Person aufgesetzt werden – beispielsweise bei plötzlichen Erkrankungen/Komafällen oder Demenz?

Nein, sagt der Patientenschützer. Liegt keine Patientenverfügung vor oder treffen die Festlegungen einer Patientenverfügung nicht auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zu, müssen rechtliche Vertreter die Behandlungswünsche oder den mutmaßlichen Willen des Patienten feststellen.

Auf dieser Grundlage entscheiden sie sich, in eine ärztliche Maßnahme einzuwilligen oder sie zu untersagen. Dieser sogenannte mutmaßliche Wille ist aufgrund konkreter Anhaltspunkte zu ermitteln. Zu berücksichtigen sind insbesondere frühere mündliche oder schriftliche Äußerungen, ethische oder religiöse Überzeugungen und sonstige persönliche Wertvorstellungen des Verfassers.“

Über den Autor
Volontär
Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
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Maximilian Konrad

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