PCB-Werte an der Stadtgrenze leicht erhöht – Stadt gibt Entwarnung

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Im Umfeld einer Firma an der Grenze zu Dortmund hat das Landesumweltamt wegen möglicher PCB-Belastung Proben genommen. Für Kruckel und Persebeck gibt es jetzt teilweise Entwarnung.

Kruckel, Persebeck

, 18.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem in der Nähe eines Kunststoffherstellers in Körne eine PCB-Belastung festgestellt worden war, gab es ähnliche Befürchtungen auch für Kruckel und Persebeck wegen der Nachbarschaft zu einem silikonverarbeitenden Betrieb. Das NRW-Umweltministerium hatte das Landesumweltamt (LANUV) beauftragt, im Umfeld verdächtiger Betriebe Untersuchungen durchzuführen.

Löwenzahn gibt Auskunft über PCB-Belastung

Mitte März wurde in Witten das sogenannte Löwenzahn-Screening gestartet. Die Politiker der Bezirksvertretung Hombruch beauftragten die Verwaltung über die untersuchten Bioproben zu informieren und eine Risikoabschätzung für die PCB-Belastung auf Dortmunder Stadtgebiet abzugeben.

Mittlerweile ist der Untersuchungsbericht des Landesumweltamts auf der Internetseite des Ennepe-Ruhr-Kreises einzusehen. Die Umweltverwaltung der Stadt habe die Bezirksvertretung Hombruch und den Rat umgehend informiert, teilt Stadt-Sprecher Christian Schön mit. „Im Fachausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen am 10. Juni konnte die Verwaltung auf Nachfrage bereits kurz mündlich Entwarnung geben.“

Grünkohl nimmt Schadstoffe besonders gut auf.

Grünkohl nimmt Schadstoffe besonders gut auf. © dpa

Bei der Firma Sico an der Stadtgrenze zu Witten sind im Umfeld an fünf Stellen Löwenzahnproben entnommen und auf PCB und weitere organische Stoffe untersucht worden.

Eine davon liegt an der Menglinghauser Straße/Ecke Bahnlinie in Persebeck, eine weitere an der Kreisstraße 112 nahe Kruckel.

Messpunkte 4 und 5: Erhöhte Werte, aber keine Verzehrwarnung

Diese beiden Messpunkte 4 und 5 der Untersuchung repräsentieren die Immissionssituation bei Wind aus westlicher Richtung.

Beide Messpunkte 4 und 5 sowie eine weitere Stelle unmittelbar nördlich der Firma Sico ergaben kritische Werte. Es „wurden PCB Werte ermittelt, die den sogenannten Hintergrundgehalt überschreiten“, heißt es.

Die Messpunkte weisen laut Bericht „deutliche Einträge“ freigesetzten PCB 47, 51 und 68 auf, die bei der Silikonproduktion mit chlorhaltigem Vernetzer entstehen. So steht es auf der Internetseite des Kreises.

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Dieser chlorhaltige Vernetzer wird nach Auskunft der Kreisverwaltung seit Anfang März 2020 nicht mehr verwendet.

Die Grenzwerte für Dioxine, Furane und dioxinähnliche PCB lagen an allen Messpunkten unterhalb des NRW-Orientierungswertes und auch unterhalb des EU-Auslösewerts.

Wind wehte die giftigen Stoffe Richtung Dortmund

Für die für die Dortmunder wichtigen Messstellen an der Stadtgrenze heißt es in dem Bericht des LANUV: „In den vier Wochen vor der Probenahme gab es in Witten vornehmlich Wind aus WSW-SW. Dementsprechend sieht man auch in den Löwenzahnproben an den Messpunkten 4 und 5, die östlich bzw. nordöstlich der Firma Sico liegen, deutliche Einträge an PCB 47, 51 und 68, die 40 bis 44 Prozent des PCB-Gesamtgehalts ausmachen.“

Die Stadt Dortmund spricht bei den in Richtung der Dortmunder Stadtgrenze entnommenen Proben von PCB-Gehalten, „die leicht über den landesweiten Hintergrundkonzentrationen (sogenannte Orientierungswerte maximaler Hintergrundbelastung) liegen“.

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Die Dortmunder können demnach ihren Kohl und Salat weiterhin essen. Die PCB-Werte würden aus Sicht des LANUV nur dann eine vorsorgliche Verzehrwarnung nötig machen, wenn Sico anders als momentan wieder einen chlorhaltigen statt eines chlorfreien Vernetzers einsetzen würde.

Messstelle 1: Kleingärtner sollen auf Freilandgemüse verzichten

Kritisch ist die Bewertung unmittelbar nördlich des Betriebs an Messstelle 1 auf Wittener Stadtgebiet. Dort sind die gemessenen PCB-Werte so hoch, dass sich eine „gesundheitsrelevante Belastung auch von Nahrungspflanzen nicht ausschließen lässt“, heißt es in dem Bericht.

Die Nutzer der nahe gelegenen Kleingartenanlage werden vorsorglich vor dem Verzehr von Freilandgemüse gewarnt.

Info

„Hintergrundbelastung“

  • Als Hintergrundbelastung wird die durchschnittliche Belastung einer Region mit Schadstoffen bezeichnet, also die Summe aus natürlichen Quellen und dem durchschnittlichen Eintrag durch den Menschen.
  • Die Gehalte werden durch Analyse des Ober- und Unterbodenmaterials ermittelt, wobei je Region eine statistisch aussagekräftige Menge an Probepunkten vorliegen muss.
  • Die Hintergrundbelastung der Kreise und Regionen in Deutschland liegt in Form von Tabellen vor.
  • PCB sind organische Chlorverbindungen, die wegen ihrer Giftigkeit verboten sind. Sie sind nach wie vor weltweit in Böden nachweisbar.
  • Da jedes PCB eine eigene Analyse benötigt, wird bei Standard-Untersuchungen nur auf sechs der häufigen Verbindungen getestet. Im Wittener Fall wurden drei weitere hinzugenommen.
    (Quelle: Wikipedia)
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