Personal-Trainer im Selbsttest: eine individuelle, ganzheitliche Beratung

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Der Fitness-Wahn hält an, im Netz wimmelt es von Fitness-Gurus, Videos und Tipps. Wer eine individuelle Beratung sucht, geht zum Personal-Trainer - so wie unser Reporter im Selbsttest.

Dortmund

, 29.07.2018, 04:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der heiße Stahl verbrennt mir die Finger, der Schweiß rinnt. Während die Sonne mich langsam röstet, motiviert Dennis Horn mich: "Noch zwei Wiederholungen, noch eine!" Der Satz Liegestütze ist geschafft, auf zur nächsten Übung: Kniebeugen.

Zwei Stunden zuvor: Dennis Horn (38), diplomierter Sportwissenschaftler, und ich sitzen im Konferenzraum unseres Medienhauses. Horn ist Personal-Trainer, wir sind zu einem gemeinsamen Training verabredet. Personal-Training ist ein ganzheitliches Einzeltraining, bei dem ein ausgebildeter Trainer einen Sportler individuell zu Fragen wie Technik, Gesundheit, Regeneration, Ernährung und mehr berät.

Bevor wir uns bewegen, unterhalten wir uns. "Mit meinen Klienten mache ich zuerst eine Eingangsuntersuchung", sagt Horn und reicht mir einen elfseitigen Fragebogen. Dieser dient der Anamnese, einer Einschätzung meiner gesundheitlichen Verfassung. Aber auch dazu, um mich besser kennenzulernen. Ich blättere durch den Fragebogen: Sitze ich oder stehe ich die meiste Zeit im Beruf? Wie beschreibe ich mein Essverhalten? Welche Zivilisationskrankheiten oder orthopädische Probleme habe ich? Nur einige von vielen Fragen.

Die Eingangsuntersuchung dauert normalerweise zwei Stunden, wir beschränken uns heute auf die kurze Variante: Horn fragt nach meinen drei Trainingszielen. Ich überlege kurz und sage: "Leistungssteigerung, eine sportliche Figur und dabei will ich nichts kaputt machen, nachhaltig trainieren." Für das Ziel Nachhaltigkeit erhalte ich ein kleines Lob, bei den anderen Punkten bohrt er nach: "Und wie genau willst du deine Leistung steigern?" Kalt erwischt, ich beginne zu grübeln. "Viele Klienten wissen oft gar nicht genau, was sie erreichen wollen", sagt Horn. "Aber man braucht klar definierte Ziele und einen Tag im Kalender, bis wann man sie erreichen möchte. Sonst wird das nichts."

Woran erkennt man einen guten Personal-Trainer?
Christoph Edeler, Leiter des Hochschulsports der TU Dortmund: "Einen guten Personal-Trainer erkennt man einerseits an einer anerkannten Ausbildung wie etwa einem Abschluss in Sportwissenschaften an einer Hochschule." Außerdem zähle die Erfahrung. Es sei zum Beispiel gut, wenn Trainer selbst Leistungssport betreibt. Bei Zertifizierungen solle man vorsichtig sein, diese könnten oft für viel Geld gekauft werden und seien wenig aussagekräftig. "Nur langlebiege Zertifikate, die auch an Hochschulen anerkannt werden, sind ein Indiz für Qualität", sagt Edeler. Außerdem wichtig sei die individuelle Beratung, ob ein Trainer nach persönlichen Zielen und Vorerkrangungen frage oder ob er ein Standardprogramm durchziehe.

Horn holt ein Stethoskop und eine Blutdruckmanchette aus seiner Tasche. Die Messung ist in Ordnung: "120 zu 78, das ist gut." Auch mein Puls passt: "80 Schläge pro Minute." Leicht erhöht - ich bin etwas aufgeregt, weil ich ich weiß, was mich gleich erwartet.

Nach etwa einer Stunde verschwinde ich kurz im Bad, um mich umzuziehen. Wir fahren los, unser Ziel: der Trimm-Dich-Pfad in der Bolmke, unser Trainingsplatz für das Workout.

14.45 Uhr, 35 Grad, keine Wolke am Himmel und Windstille: Das Training wird anstrengend. Wir wärmen uns auf - zu ACDCs "Thunderstruck". Horn erklärt die Aufgabe: "Jedes Mal, wenn es im Song 'Thunder' heißt, machen wir einen Burpee, sonst springen wir auf der Stelle." Bei einem Burpee macht man einen Liegestütz, geht von da in die Hocke und anschließend einen Strecksprung.

Personal-Trainer im Selbsttest: eine individuelle, ganzheitliche Beratung

Mit dem Schlingtrainer kann auch Rudern trainiert werden. © Oliver Schaper

Da ich bei meinem Training für gewöhnlich Grundübungen mit dem eigenen Körpergewicht wie Liegestütze, Kniebeuge, Klimmzüge und Co. mache, geht Horn heute darauf ein. Mit Horn finde ich heraus, ob ich die Übungen richtig mache.

Wir beginnen mit Liegestützen. Eine erste Fehlerquelle zeigt sich schnell: Ich muss den oberen Rücken durchdrücken, damit ich nicht im Kreuz hänge. Horn korrigiert mich. Eigentlich achte ich beim Training auf die richtige Ausführung, aber die Fremdwahrnehmung ist dann doch eine andere.

Richtige Ausführung, Schwachpunkte aufdecken

Weiter geht es mit Kniebeugen - diese klappen ganz gut, Horn bemängelt nur leichte Fehler in der Haltung. Beugestützen, Klimmzüge, Ausfallschritte - das volle Programm. Aber trotzdem leicht gedrosselt. "Bei dem Wetter sollten wir es nicht übertreiben", sagt Horn. Zum Schluss zeigt er noch ein paar Übungen, mit denen ich meine Beweglichkeit erhöhen kann. Ein Schlüsselmoment: Ich soll auf allen Vieren meinen Oberkörper zur rechten Seite drehen - und das ist viel schwieriger, als gedacht. "Das ist ein Schwachpunkt, daran solltest Du arbeiten."

Mein Fazit: Beim Training hab ich viel über die Ausführung meiner Übungen gelernt, wo meine Schwächen liegen und was ich bisher falsch gemacht habe. Die Arbeit mit Dennis hat außerdem Spaß gemacht. Trotzdem werde ich wohl ein Personal-Training in Zukunft höchstens gelegentlich buchen, da es doch einen stolzen Preis hat, den ich mir derzeit nicht leisten möchte.

Wie viel kostet ein Personal Trainer und wie finde ich einen?

Eine Stunde Personal-Training kostet laut Dennis Horn im Raum Dortmund etwa 80 bis 130 Euro. Sein eigener Stundensatz beträgt 120 Euro. "Da ist aber auch etwa die An- und Abfahrt mit inbegriffen."

Laut der Website „Bundesverband Personal-Training“ ist ein Stundenpreis von unter 75 Euro nicht haltbar, da Personal-Trainer sonst ihren Lebensunterhalt nicht sichern können.

Ein Personal-Training eignet sich laut Horn auch als Geschenk für Freunde und Familie - als Motivation, um sportlich aktiv zu werden. Trainer böten in diesem Fall auch Rabatte an.

Personal-Trainer haben oft eine eigene Website und lassen sich daher leicht per Suchmaschine finden. Außerdem hilft der „Premium Personal Trainer Club“ und das Portal „PersonalFitness“ bei der Trainersuche.

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