Forderung nach Verbot der Reptilienbörse - für immer

mlzExotische Tiere

Die Tierrechtsorganisation Peta sieht im Handel mit Wildtieren den Grund für die Corona-Krise. Dass ein Virus von Reptilien auf den Menschen übergeht, bezweifelt ein Dortmunder Experte jedoch.

Dortmund

, 27.05.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Reptilienbörse Dortmund hat seit vielen Jahren ihren festen Platz im Veranstaltungskalender, am 17. Mai sollte sie zum 62. Mal in den Fredenbaumhallen stattfinden. Wenn es nach der Tierrechtsorganisation Peta geht, wird aber nicht nur der jüngste Mai-Termin gestrichen: In einem Schreiben an Oberbürgermeister Ullrich Sierau und die Dortmunder Rats-Fraktionen appelliert Peta, die Reptilienbörse dauerhaft zu schließen. Und dabei spielt auch das Coronavirus eine Rolle.

„Börse darf nie wieder öffnen“

„Die Reptilienbörse in Dortmund darf nie wieder öffnen. Der Handel und die Ausbeutung von Wildtieren haben nicht nur die aktuelle Corona-Krise ausgelöst, sondern in der Vergangenheit bereits zahlreiche tödliche und hochansteckende Pandemien verursacht – darunter die Sars-Pandemie, die Vogelgrippe H5N1, das Ebolafieber und sogar Aids“, sagt Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta.

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Denn bei einem großen Teil der auf deutschen Börsen verkauften exotischen Tiere handele es sich laut Peta um Wildfänge aus Asien, Afrika und Südamerika. Und ob oder welche tödlichen Viren oder Bakterien die Tiere in sich trügen, sei unbekannt.

Fest stehe jedoch, dass der größte Teil aller Zoonosen - also der von Tier zu Mensch übertragbaren Infektionskrankheiten - aus dem Kontakt mit wildlebenden Tierarten resultierte. „Die Kommunalpolitiker stehen nun in der Verantwortung, die Bevölkerung vor weiteren Pandemien und gefährlichen Krankheiten zu schützen“, fordert Hoger.

Weltweites Artensterben

Zudem bestätige eine aktuelle Studie, dass der Handel mit exotischen Wildtieren zum weltweiten Artensterben beitrage. „Dortmund kann nun einen wichtigen Teil zum Schutz von Menschen und Tieren beitragen und ein kommunales Verbot für Exotenbörsen aussprechen“, teilt Peta mit.

Roman Straub, Veranstalter der Dortmunder Reptilienbörse, möchte die Peta-Aussagen nicht kommentieren. Er verweist allerdings darauf, dass die Dortmunder Veranstaltung jedes Mal vom Veterinäramt abgenommen werde.

„Und es gab noch nie Beanstandungen“, sagt Straub. „Außerdem liegt unser Hauptaugenmerk auf privaten Züchtern aus Deutschland - und giftige Tiere werden bei uns nicht angeboten.“

Über die Dortmunder Börse möchte auch Dr. Hans-Dieter Otterbein, Leiter des Naturschutzhauses Agard im Westfalenpark, keine Mutmaßungen anstellen. Generell seien solche Veranstaltungen ja in Verruf geraten, weil in anderen Städten geschützte Tiere gehandelt wurden: „Und so etwas darf nicht passieren.“

Kein Vergleich zu Wildtiermärkten

Dass jedoch eine Reptilienbörse für einen Krankheitsausbruch unter Menschen sorgt, hält der Experte für unwahrscheinlich: „Mir ist kein Fall bekannt, dass ein Virus beispielsweise von einer Schlange auf einen Menschen übertragen worden wäre - auch aus der Literatur nicht.“ Solche Börsen seien nicht mit asiatischen Wildtiermärkten zu vergleichen.

April 2020 in Dortmund: Im Rombergpark sonnen sich ausgesetzte Wasserschildkröten auf einem Ast am Wasser.

April 2020 in Dortmund: Im Rombergpark sonnen sich ausgesetzte Wasserschildkröten auf einem Ast am Wasser. © Stephan Schütze

Zoonosen würden vielmehr durch die abnehmende biologische Vielfalt und die Massentierhaltung begünstigt. „Wenn 40.000 Schweine auf einem Hof gehalten werden, dann können Viren auch leichter auf den Menschen übergehen“, sagt Otterbein.

Salamanderfresser tötet Lurche

Eine Gefahr bedeuten exotische Reptilien oder Amphibien aber trotzdem - und zwar für heimische Arten. So gehören amerikanische Wasserschildkröten, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden, längst zum alltäglichen Bild im Rombergpark oder im Teich am Schloss Rodenberg. Sie fressen den heimischen Arten nicht nur die vorhandene Nahrung weg, sondern auch deren Laich.

Zudem können Exoten Krankheiten einschleppen. Jüngstes Beispiel ist ein als „Salamanderfresser“ bekannter Pilz, der aus Asien stammt und über den Amphibienhandel nach Europa gelangte. Mittlerweile werden viele Lurche, vor allem Feuersalamander, von ihm befallen und verenden. Auch in Dortmund.

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