Pfefferspray-Alarm am Bert-Brecht-Gymnasium: Das blüht den Übeltätern (15)

mlzFeuerwehr-Einsatz

Wegen eines Reizgas-Alarms rückten am Montagmorgen (9. 12.) Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst zum Kirchlinder Bert-Brecht-Gymnasium aus. Schuld am großen Chaos waren zwei Schüler.

Kirchlinde

, 09.12.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf diese Premiere hätte das Bert-Brecht-Gymnasium in Kirchlinde gerne verzichtet: Erstmals in der Schulgeschichte gab es am frühen Montagmorgen (9. 12.) kurz vor Schulbeginn einen Reizgas-Alarm. Ein Schüler (15) hatte im Flur vor der Aula Pfefferspray versprüht – unbeabsichtigt, wie er gegenüber Schulleiterin Sabine Schmidt-Strehlau später beteuerte.

Der Hausmeister und die Schulsozialarbeiterin waren in der Nähe, als zwei Jungs mit der Pfefferspraydose hantierten und einer von ihnen die Sprühfunktion auslöste. Die Erwachsenen und umstehenden Schüler atmeten den Reizstoff ein und reagierten sofort mit Reizhusten. „Das ist nicht mit einem Deospray zu vergleichen. Wenn man bei einer solchen Dose einmal drückt, kommt richtig viel heraus“, berichtet die Rektorin.

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Der Hausmeister rief gegen 8.20 Uhr die Feuerwehr, während die Schulleiterin per Durchsage den Gebäudeteil vor der Aula evakuieren ließ. Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst rückten mit 35 Einsatzkräften und 16 Fahrzeugen aus. „Wir konnten im Gebäude nichts mehr feststellen, das Gas hatte sich bereits verflüchtigt“, sagt Feuerwehrsprecher Stephan Volkmann.

77 Schüler und Lehrer wurden durch eine Notärztin und weitere Sanitäter medizinisch versorgt. Neben Reizhusten klagten sie über brennende Augen und Atemprobleme. Fünf Schüler mussten in Krankenhaus eingeliefert werden, unter anderem wegen Hyperventilation. „Das ist eine Reaktion auf die Aufregung und steht nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Reizgas“, erklärt ein Feuerwehr-Sprecher.

Schüler reagierten auf Pfefferspray mit Übelkeit und Schwindel

Auch mit Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen reagierten einige Kinder auf das Spray. Ein Mädchen saß weinend in einem Sessel, ein Junge war in Decken gehüllt und konnte nicht aufhören zu zittern. Die Mehrheit der 77 Untersuchten war aber unversehrt und konnte zurück in den Unterricht. Nur eine Handvoll Schüler ließ die Notärztin vorsorglich von den Eltern abholen.

Torsten Eustrup, Chef der Lütgendortmunder Händlergemeinschaft „Aktiv im Ort“, gehörte zu den herbeigeeilten Müttern und Vätern. Er meldete sich später bei der Redaktion und gab Entwarnung: „Zum Glück ist bei unserer Tochter alles glimpflich ausgegangen, sie klagt noch über brennende Augen und Reizhusten. Wir haben alles noch kurz von unserem Hausarzt kontrollieren lassen. Wir denken, mit Spülen der Augen und Ruhe geht es ihr morgen wieder gut.“

Pfefferspray-Alarm am Bert-Brecht-Gymnasium: Das blüht den Übeltätern (15)

77 Lehrer und Schüler wurden nach dem Pfefferspray-Vorfall am Bert-Brecht-Gymnasium mediznisch versorgt. Die meisten blieben glücklicherweise unversehrt. © Beate Dönnewald

Für die beiden mutmaßlichen Täter wird der Vorfall hingegen nicht so schnell abgeschlossen sein. Der eine muss sich verantworten, weil er verbotenerweise seine Pfefferspraydose mit in die Schule gebracht hat, der andere, weil er damit gesprüht hat.

„Ich glaube beiden, dass es keine gezielte Attacke war“, sagt Schmidt-Strehlau. „Der Schüler, der gesprüht hat, war selbst ganz erschrocken darüber, was passiert ist.“ Er habe mehrfach beteuert, dass er versehentlich die Sprühfunktion aktiviert hat.

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Nichtsdestotrotz müssen die beiden 15-Jährigen mit Konsequenzen rechnen. Die Schulkonferenz werde über die „schulischen Ordnungsmaßnahmen“ entscheiden. „Da möchte ich jetzt nicht vorgreifen“, sagt Schmidt-Strehlau. Am Montag wurden beide nach dem Vorfall nach Hause geschickt.

Staatsanwaltschaft entscheidet, ob Anklage erhoben wird

Gleichzeitig ermittelt auch die Polizei. Laut Polizeisprecherin Dana Seketa wurde bereits eine Anzeige geschrieben und das Delikt nach ersten Erkenntnissen als gefährliche Körperverletzung eingestuft.

Der zuständige Beamte werde sich nun anhand von Zeugen- und Täteraussagen und Einblicken ins persönliche Umfeld ein Gesamtbild machen und den Vorgang an die Staatsanwaltschaft weiterleiten.

Diese werde entscheiden, ob Anklage erhoben wird oder nicht. „Das hängt immer vom Einzelfall ab, berücksichtigt wird dabei auch, ob Täter geständig sind oder schon einmal in Erscheinung getreten sind“, sagt Staatsanwalt und Pressesprecher Henner Kruse.

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