Pflege im Mehrgenerationen-Haus: Die Jüngsten ziehen ins „Lummerland“

mlzEinrichtung für Intensivpflege

Wo früher Matratzen, Tapeten und Teppichböden gehandelt wurden, gibt es jetzt ein vielfältiges Angebot an Pflegedienstleistungen. Mitten im Mengeder Ortskern entsteht ein neues Lummerland.

Mengede

, 03.06.2020, 13:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Neugierde war vor zwei Jahren groß, als der Tapeten- und Teppichbodenmarkt Henning nach Jahrzehnten abgerissen wurde. Was entsteht an der Siegburgstraße 27? Im vergangenen Jahr steigerte ein Baukran das Interesse noch. In den Neubau sollten drei Wohngemeinschaften für Menschen mit unterschiedlich starkem Pflegebedarf einziehen, teilte das Bauordnungsamt im September 2019 auf Anfrage mit.

Jetzt lüftet die Bonitas Holding als Betreiber das Geheimnis. Im Erdgeschoss des dreigeschossigen Neubaus öffnet am 1. September die Wohngemeinschaft (WG) „Haus Konstantin“, im 1. Obergeschoss „Haus Mattheo“ und unter dem Dach „Haus Lummerland“.

Im Erdgeschoss läuft noch der Innenausbau des Gemeinschaftsbereichs von "Haus Konstantin". Schlüsselübergabe ist am 31. Juli.

Im Erdgeschoss läuft noch der Innenausbau des Gemeinschaftsbereichs von "Haus Konstantin". Schlüsselübergabe ist am 31. Juli. © Uwe von Schirp

Die Lummerland-WG wird zwölf intensivpflegebedürftige Kinder und Jugendliche aufnehmen. Die Mattheo-WG bietet Platz für 17 intensivpflichtige Erwachsene. In der Konstantin-WG finden 18 Senioren über 60 ab dem Pflegegrad 2 ein neues Zuhause.

Ein Mehrgenerationen-Projekt

„Es ist ein Mehrgenerationen-Projekt für Pflege“, erklärt Tanja Irmer das Konzept, „von der Frühgeburt bis zur 100-Jährigen“. Irmer leitet die Konstantin-Wohngemeinschaft und den gleichnamigen Pflegedienst im Bestandsbau vorne direkt an der Siegburgstraße.

Derweil lagern in einem späteren Bewohner-Zimmer bereits die Einrichtungsgegenstände.

Derweil lagern in einem späteren Bewohner-Zimmer bereits die Einrichtungsgegenstände. © Uwe von Schirp

Der hat mitten in der Coronakrise im März seine Räume bezogen. Seit Mai erweitert er das Angebot an ambulanten Pflegediensten in Mengede. „Wenn unser ambulanter Tourendienst bei den Patienten an seine Grenzen stößt, können die Senioren hier einziehen“, erklärt Irmer. In der Pflege-WG wie auch auf den beiden oberen Etagen gebe es eine Rund-um-die-Uhr-Besetzung durch Pflegekräfte.

Durchlässigkeit durch drei Wohngemeinschaften

24 bis 36 Quadratmeter groß sind die Zimmer, die die Bewohner in den drei Wohngemeinschaften nach ihren Wünschen einrichten und gestalten können. Zum Garten hin ist auf allen drei Etagen ein sehr großräumiger Gemeinschaftsbereich mit Küche und Aufenthaltsmöglichkeiten.

Die Kombination der drei Wohngemeinschaften ermögliche auch innerhalb des Hauses Flexibilität und Durchlässigkeit. „Wenn Senioren nicht mehr intensivpflichtig sind, können sie ins Erdgeschoss ziehen“; sagt Katja Luckhaus. Sie leitet die beiden intensivpflegerischen WGs.

Hinter dem Haus erstreckt an zwei Seiten sich ein großer Garten, links entstehen Parklpätze für Mitarbeiter und Besucher.

Hinter dem Haus erstreckt an zwei Seiten sich ein großer Garten, links entstehen Parklpätze für Mitarbeiter und Besucher. © Uwe von Schirp

Das Haus der Wohngemeinschaften als ein gemeinsames Zuhause: „Obwohl das Haus groß ist, leben die Menschen in einem überschaubaren Rahmen“, erklärt Tanja Irmer. Die Kombination der Wohngemeinschaften biete auch Optionen für ältere Paare. Wenn ein Partner pflegebedürftig sei und ins Erdgeschoss ziehe, finde der andere Partner bei einem intensivpflichtigen Bedarf eine Etage höher einen Platz.

Platz für Kinder mit palliativem Hintergrund

In „Haus Lummerland“ finden intensivpflegebedürftige Kinder und Jugendliche ein Zuhause. „Das sind zum Beispiel Frühchen, die noch ein bisschen brauchen“, erklärt Katja Luckhaus, „Kinder mit mehrfacher Behinderung oder chronischen Erkrankungen.“ Vielfach sind es tracheotomierte Kinder, die durch einen Luftröhrenschnitt künstlich beatmet werden.

Der Gemeinschaftsbereich von Haus Lummerland ist fast fertiggestellt. Kräftige Farben dominieren in allen WG die Wände. Der Boden in Holzoptik schafft wohnliche Behaglichkeit.

Der Gemeinschaftsbereich von Haus Lummerland ist fast fertiggestellt. Kräftige Farben dominieren in allen WGs die Wände. Der Boden in Holzoptik schafft wohnliche Behaglichkeit. © Uwe von Schirp

„Auch Kinder mit einem palliativen Hintergrund können bei uns verbleiben“, sagt Luckhaus. Und wenn sie die Altersgrenze erreicht haben, können sie eine Etage tiefer in die Mattheo-WG ziehen.

„Rooming in“ für Eltern

Zur familiären Atmosphäre des Lummerlands soll ein „Rooming in“-Prinzip beitragen. Elternteile haben die Möglichkeit, mit in die WG zu ziehen. Entsprechend groß sind die Zimmer: „Wie eine Suite“, sagt Katja Luckhaus, „mit einem Bad für jede Familie“.

Die Bäder wurden als Boxen bereits fertig gefliest in die Bewohner-Zimmer eingebaut.

Die Bäder wurden als Boxen bereitsfertig gefliest in die Bewohner-Zimmer eingebaut. © Uwe von Schirp

Lummerland ist in Dortmund nicht neu, die Mengeder WG sei eine Erweiterung. Seit Mai 2015 unterhält die Bonitas-Holding „Haus Lummerland“ mit sieben intensivpflegerischen Plätzen in Berghofen. „Wir haben den Bedarf gesehen“, sagt Luckhaus, „und mussten neuen Raum schaffen“.

Nach Terminabsprache

„Tag der Begegnung“ am 5. Juni

  • Für Freitag (5.6.) lädt „Haus Konstantin“ zu einem „Tag der Begegnung“ an die Siegburgstraße 27a ein. Interessenten und Bewerber können sich über die pflegerischen Angebote und die Wohngemeinschaften informieren.
  • Aufgrund der Corona-Schutzbestimmungen findet keine Baustellen-Feier oder ein Tag der offenen Tür statt.
  • Besichtigungen sind ausschließlich nach Terminabsprache unter Tel. (0231) 42728176 oder per E-Mail an dortmund@konstantin-pflege.de möglich.
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