Am Phoenix-See gibt es einen vergessenen U-Bahn-Tunnel – jetzt soll er genutzt werden

mlzNie genutzte Strecke

Er ist in Vergessenheit geraten und zugewuchert: Ein alter U-Bahn-Tunnel, der unter der B236 in der Nähe des Phoenix-Sees entlangführt. Bald könnten ihn die Dortmunder wieder nutzen.

Schüren

, 07.11.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von der ehemaligen Hoeschbahntrasse des Stahlwerks, an dessen Stelle heute der Phoenix-See liegt, führt der Tunnel unter der viel befahrenen Bundesstraße her in Richtung Schüren. Zum Gelände der ehemaligen Gustav-Schade-Maschinenfabrik.

Kaum jemand kennt das gut 80 Meter lange Bauwerk, das an der Ostseite immer noch an einen Teil der alten Schienen anstößt. Auch die sind nur noch schwierig zu finden.

Am Phoenix-See gibt es einen vergessenen U-Bahn-Tunnel – jetzt soll er genutzt werden

Benjamin Beckmann, Ulrich Riese und Fritz Goersmeyer (v.r.) vor dem westlichen Tunneleingang. © Jörg Bauerfeld

Immer den alten Schienen nach

Aber, wenn man den verrosteten Schienen folgt, dann stößt man auch irgendwann auf die B236 und den Tunnel. Von der Lissaboner Allee führt der Weg in Richtung Westen. Immer den alten Schienen nach. Die Natur hat sich den Bereich zurückgeholt. Büsche, Brombeeren und kleine Bäume versperren den Weg und verdecken die ehemaligen Schilder an der lange stillgelegten Bahnstrecke.

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Wann hier der letzte Zug hergefahren ist, ist nicht verbrieft. Die Firma Schade in Schüren schloss 2001 ihre Tore. Heute stehen hier Häuser. Ob der versteckte Tunnel unter der B236 entlang jemals genutzt wurde, ist schwer zu sagen. Irgendwie wirkt das große Bauwerk ungenutzt, wie neu. Schienen liegen hier zwar nicht mehr, aber es waren einmal welche geplant. Im großen Rahmen sogar.

Der Plan war, eine neue U-Bahn-Linie zu bauen

Mit dem Bau der B236 bis zur Abfahrt Dortmund-Schüren, Ende der 90er-Jahre, wurde auch noch an einem weiteren großen Projekt gearbeitet. Einer weiteren U-Bahnlinie im Dortmunder Süden.

Am Phoenix-See gibt es einen vergessenen U-Bahn-Tunnel – jetzt soll er genutzt werden

An der Ostseite des Tunnels schließt sich noch eine alte Werkstrasse an. © Jörg Bauerfeld

Durch den vergessenen Tunnel sollte einmal die Trasse der U48 führen. Eine neue Linie, die von der Innenstadt kommend auf die Trasse der ehemaligen Hoeschbahn verschwenkt werden sollte. Von dort sollte es unter der B236 hindurch weiter gehen bis zur Markscheiderstraße in Schüren.

2008 wurde die Idee mit der U48 in Richtung Schüren verworfen. Mit dem neuen Stadtbahnentwicklungskonzept Dortmund kam das Aus für die neue U-Bahn-Trasse. Zu hohe Mehrkosten, nicht genügend Fahrgäste, so die Schätzungen. Der Tunnel unter der B236 aber blieb.

Ein neuer Radweg von der Hoeschbahntrasse aus

Und der soll jetzt wieder zu neuem Leben erweckt werden – als Radweg. Denn mit dem Abbau der Schienen auf der ehemaligen Hoeschbahnstrecke, die jetzt ein Radweg werden soll, bietet sich diese Möglichkeit nahezu an, die die Aplerbecker Grünen auf dem Schirm haben. Und die in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Aplerbeck am Dienstag (12.11.) auf den Tisch kommen soll.

Am Phoenix-See gibt es einen vergessenen U-Bahn-Tunnel – jetzt soll er genutzt werden

Eine Anbindung an den geplanten Radweg würde perfekt passen. © Jörg Bauerfeld

Der vergessene U-Bahn-Tunnel soll Teil eines Geh- und Radweges zwischen der Lissaboner Allee und dem Gartenstadtradweg (Hoesch-Hafenbahn-Radweg) werden. „Der Tunnel ist ideal dafür, als Radweg genutzt zu werden“, sagt Benjamin Beckmann (Grüne).

Zum einen ist die Unterführung so gut wie neu, da noch nie richtig genutzt. Zum anderen hat sie auch die Höhe und die Breite, um einen Rad- und Fußweg bequem aufnehmen zu können.

Die Idee entspricht dem neuen Masterplan Mobilität

Und dann ist er ja nun einmal da. „Es müsste nur ein ordentlicher Untergrund aufgebracht werden und der Weg ist ohne viel Arbeit nutzbar“, sagt Fritz Goersmeyer (Grüne). Fraglich sei, ob es noch eine Beleuchtung bräuchte, so Goersmeyer.

Ob die Idee auf Gegenliebe stößt, sei abzuwarten. „Durch die Wegeverbindung werden eine fuß- und radverkehrsfreundliche Mobilitätskultur sowie ein attraktives Radverkehrsnetz vorangebracht“, sagt Beckmann. Das entspreche genau dem Zielkonzept zum „Masterplan Mobilität 2030“.

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