Phoenix-See: Neue Gedenkstätte soll an Nazi-Opfer erinnern

mlzNS-Zeit in Dortmund

Sie mussten schuften, damit die deutsche Wirtschaft weiter lief. Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg arbeiteten und starben weit entfernt von ihrer Heimat. Nun soll an sie erinnert werden.

Hörde

, 24.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dmitriy Kostоvarov ist zwiegespalten. Zum einen ist er froh, dass endlich mit dem Bau begonnen wird, zum anderen gibt es örtliche Begebenheiten, die dem Anlass nicht gerecht werden.

Das ist zumindest die Meinung des Mitgliedes im historischen Verein „Ar.kod.M“. Denn der jetzige Entstehungsort des Mahnmals für Zwangsabeiter auf der Kulturinsel am Ostufer des Sees ist stark belebt. Hier werden im Sommer Partys gefeiert. Eine Bank ist dort in der Nähe und ein Mülleimer. „Das ist alles nicht so passend“, sagt Kostоvarov, der in Dortmund lebt.

Familien der Vermissten unterstützen

Er und die anderen Vereinsmitglieder haben sich auf die Fahnen geschrieben, der sowjetischen Kriegsgefallenen und Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg zu erinnern. Der Verein unterstützt vor allem die Familien, die nach ihren vermissten oder gefallenen Angehörigen suchen.

So soll die Gedenkstätte am Phoenix-See in Dortmund mal aussehen.

Diese Skizze zeigt, wie das Mahnmal aussehen wird. Vier Meter hoch soll die Gedenkstätte aus Stahl werden. © Privat

Auch in Dortmund gab es Tausende sowjetischer Zwangsarbeiter, die sich in den Zechen oder Stahlwerken zu Tode schufteten. Über 80.000 waren es in Dortmund. „Im Jahre 1945 waren es allein bei Hoesch noch 13.000 Zwangsarbeiter“, sagt Dmitriy Kostоvarov.

Auffanglager am heutigen Seeufer

So gab es auch im Hörder Stahlwerk, wo sich heute der Phoenix-See befindet, den brutalen Umgang mit Zwangsarbeitern. An der heutigen Südseite des Gewässers gab es sogar ein sogenanntes Auffanglager. „Emschertor“ hieß das. Hier wurden etwa 80 bis 100 Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) „diszipliniert“.

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Ein Ort, so war auch die Auffassung von Dmitriy Kostоvarov, der wie geschaffen ist, für ein Mahnmal. 2014 gab es dazu einen Wettbewerb. Am Ende hatte die Dortmunder Architekturstudentin Pia-Laureen Emde die Nase vorn.

Der Ort zur Erinnerung an die russischen Kriegsopfer wird begehbar sein.

Der Ort zur Erinnerung an die russischen Kriegsopfer wird begehbar sein. © Privat

Ihr Vorschlag sollte schon 2015 umgesetzt werden. Ein fast vier Meter hohes Mahnmal aus Stahlblechen soll es werden. Im Inneren der Stahlkonstruktion sind beleuchtete Infoboxen geplant mit Texten und Grafiken.

Aber es wird eben nicht am Südufer stehen, sondern auf der Kulturinsel. Anwohner hatten sich beschwert. Keiner wollte auf das vier Meter hohe Mahnmal blicken. Also musste mit der Kulturinsel ein neuer Standort gefunden werden.

Kulturinsel ist für die Bauarbeiten gesperrt

Der Zugang zur Insel ist seit Mitte März gesperrt. Nicht etwa aufgrund von Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus, wie schon einige Hörder vermuteten, sondern weil die Arbeiten für das Mahnmal begonnen haben.

„Leider liegt das Fundament hinter den Bäumen“, sagt Kostоvarov. So könne man das Mahnmal vom Ufer sehr schlecht sehen. Ein weiteres Problem sieht Kostоvarov in der sozialen Kontrolle. „Ich hoffe, dass das Mahnmal auch als solches respektiert wird und baue auf die Rücksicht unserer Mitbürger, wenn es einmal fertig ist““, sagt Kostоvarov.

Eine Beleuchtung soll angeschafft werden

Und es müsse eine Beleuchtung her, denn die einzige Laterne auf der Kulturinsel stehe neben der Thomas-Birne. Aber es sei zumindest schön, dass es endlich losgehe mit dem Bau. Wann die vier Meter hohe Gedenkstätte eingeweiht werden kann, da kann auch Dmitriy Kostоvarov nur mit den Schultern zucken. Ein Datum freilich würde sich anbieten: der 75. Jahrestag des Kriegsendes, der 8. Mai.

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