Bislang prägt der Autoverkehr den Wallring rund um die Dortmunder City. Das soll sich langfristig ändern. © RN-Archiv
Online-Debatte

Pläne für radikalen Wall-Umbau in Dortmund erhitzen die Gemüter

Die Stadt Dortmund plant einen radikalen Umbau des Wallrings mit mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger. Die Meinungen der Bürger dazu prallten jetzt bei einer Online-Diskussion aufeinander.

Breite Spuren für Radfahrer auf dem Wallring oder sogar der Wall als Einbahnstraße? Es sind radikale Visionen, mit denen sich die Stadtplaner zurzeit beschäftigen.

Die bisherigen Überlegungen zur Verkehrswende auf Dortmunds zentraler City-Straße wurden am Donnerstagabend (28.1.) in einem Online-Forum Corona-gerecht vorgestellt und heiß diskutiert.

Bislang gibt es meist nur schmaler Radwege am Wallring. Das soll sich ändern.
Bislang gibt es meist nur schmaler Radwege am Wallring. Das soll sich ändern. © Schaper (A) © Schaper (A)

Der beauftragte Gutachter Dr. Frank Weiser präsentierte bei dem „Digitalen Dialog“ die vier bislang entwickelten und untersuchten Varianten – von einer Umweltspur am nördlichen Wallring, über eine Einbahnstraßen-Regelung, bei der der Wall nur gegen den Uhrzeiger-Sinn befahren werden kann, und breiten Radspuren auf dem Wall bis zu einer Unterbrechung des Rings vor dem Hauptbahnhof.

Wie groß das Interesse an dem Thema ist, zeigte die Teilnehmerzahl. Bis zu 1000 Menschen klickten sich im Internet in das Online-Forum ein. Für eine Bürgerversammlung müsste man da wohl die Westfalenhalle mieten, stellte Planungsdezernent Ludger Wilde fest. Doch bis dahin muss Corona erst einmal verschwinden.

Beteiligen konnten sich die Zuschauer aber auch online. Eine ganze Flut von Mails und Anrufen ging während der zweistündigen Veranstaltung ein. Viele davon wurden als Fragen und Diskussionsbeiträge von den souveränen Moderatoren Jürgen Anton und Gregor Schnittker von „IKU – Die Dialoggestalter“ vorgetragen.

Meinungen gehen weit auseinander

Und dabei zeigte sich, dass die Meinungen über Sinn und Unsinn einer Verkehrswende auf dem Wall weit auseinandergehen. Während Einigen die Vorschläge zur Eindämmung des Autoverkehrs nicht weit genug gehen, beklagen Kritiker eine „Zwangs-Umerziehung“. Die Hauptsorge gilt der Erreichbarkeit der City und der Zukunft des Einzelhandels.

Planungsdezernent Ludger Wilde versuchte, die Gemüter zu beruhigen. „Die gute Erreichbarkeit der City ist weiterhin wichtig“, sagte Wilde. „Wir wollen keinen Verkehrsteilnehmer ausschließen oder drangsalieren.“ Aber man wolle eine gute Erreichbarkeit und hohe Attraktivität für alle Verkehrsteilnehmer.

Weiter erreichbar für Autofahrer

„Auch Besucher aus dem Sauerland werden weiter in die Innenstadt fahren können. Es wird dort auch weiter Parkhäuser geben“, ergänzte Andreas Meißner als Projektleiter für das Programm „Emissionsfreie Innenstadt“, in dessen Rahmen die Verkehrsuntersuchung stattfindet.

„Aber die Mobilität verändert sich.“ Bis 2030 will Dortmund einen Radverkehrsanteil von 20 Prozent erreichen, aktuell sind es rund 10 Prozent.

Die Diskussionsbeiträge gingen aber auch weiter über die City hinaus. Bessere Radverbindungen in die Innenstadt wurden ebenso gefordert wie niedrigere Preise für Bus und Bahn. Die vier Varianten für die Umgestaltung des Wallrings waren oft nur am Rande Thema. So gibt es die Sorge, dass es auf einer Umweltspur zu Konflikten zwischen Bussen und Radfahrern kommt.

Sorgen um Verkehrsverlagerung

Vor allem Innenstadt-Anwohner befürchten, dass es zu einer Verlagerung des Autoverkehrs auf andere Straßen kommt. „Der Verdrängungseffekt der verschiedenen Varianten ist ein Kernpunkt der Untersuchung“, erklärte Verkehrsexperte Frank Weiser.

Schon jetzt gibt es Berechnungen, dass etwa eine Unterbrechung des Wallrings für den Durchgangsverkehr am Hauptbahnhof vor allem die Nordstadt belastet. Bei einer Einbahnstraßen-Regelung würde sich der Ausweichverkehr auf die Straßen rund um die City verteilen, prognostizierte Weiser.

All diese Annahmen und Erkenntnisse fließen in die Bewertung der Varianten ein, die auch noch verändert und ergänzt werden können, erklärte der Experte. Auch Themen wie Emissionsminderung und Verkehrssicherheit spielten dabei eine wichtige Rolle.

Noch keinen Favoriten

Einen klaren Favoriten unter den bislang vier Varianten gab es in der Online-Diskussion nicht. Auch die Verwaltung habe da noch keine Präferenz, betonte Ludger Wilde. Immerhin geht er davon aus, dass sich die Politik noch in diesem Jahr für eine Variante entscheidet, die dann Grundlage für die weiteren Planungen ist. Dazu sollen die Beiträge zum Online-Forum aufgearbeitet und bewertet werden.

Und auch bei den weiteren Planungen würden die Bürger weiter beteiligt, versichert der Dezernent. Zumal es bis zur angestrebten Verkehrswende auf dem Wall noch ein langer Weg ist.

Auch die Wallquerung für Fußgänger, wie hier am Burgtor, soll verbessert werden.
Auch die Wallquerung für Fußgänger, wie hier am Burgtor, soll verbessert werden. © Oliver Schaper (A) © Oliver Schaper (A)

Die zweite Stufe nach einer Grundsatzentscheidung sei ein städtebaulicher Wettbewerb zur Neugestaltung des Wallrings, der 2023 starten könnte, erklärten Meißner und Wilde. Auch dabei würden Politik und Bürger wieder beteiligt.

Einen echten Baubeginn werde es realistisch frühestens in acht bis zehn Jahren geben, kündigte der Planungsdezernent an. „Es ist ein langer Prozess“, sagte Verkehrsplaner Andreas Meißner.

Aber es wird Zwischenschritte geben. In diesem Frühjahr beginnt so der Bau des Radwalls mit komfortablen Zweirichtungs-Radwegen am Ostwall und Schwanenwall. „Da brauchen wir eine schnelle Lösung“, erklärte Meißner.

Und er stellte auch baldige Verbesserungen für Fußgänger in Aussicht. So soll noch in diesem Jahr die Ampelschaltung verändert werden, damit Fußgänger etwa an der Burgtor-Kreuzung den Wall in einem Rutsch überqueren können.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
Zur Autorenseite
Oliver Volmerich

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt