Plastik-Müll im Dortmunder Hafen soll sinnvoll genutzt werden

mlzMüllproblem

Die Idee klingt absurd: Juri Schäffer (30) will den Müll dort lassen, wo er ist – im Wasser. Er sagt: Aus dem Plastik-Abfall im Dortmunder Hafen könnten neue Lebensräume entstehen.

Nordstadt, Hafen

, 06.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er sei immer ein Naturbursche gewesen, sagt Juri Schäffer (30). Schon als Kind sei ihm aufgefallen, dass Plastik sich so gut wie gar nicht wieder auflöst. Heute schippert er mit selbstgebauten Bötchen über den Dortmund-Ems-Kanal und befreit ihn von diesem Müll, der Jahrhunderte braucht, um sich zu zersetzen.

Plastikabfall hat er zu seinem Thema gemacht, auch zu dem seiner Bachelor-Arbeit an der FH Dortmund. Kiloweise Tüten, Einwegflaschen und Verpackungen hat Juri Schäffer bereits aus dem Wasser gefischt. Die Boote baut er aus Lkw-Planen, Bambus und Fahrradschläuchen.

Plastik-Müll im Dortmunder Hafen soll sinnvoll genutzt werden

Müllsammler Juri bei der Arbeit am Kanal. © Alexandra Wachelau (Archiv)

Mit diesen einfachen Kanus geht er auf Plastikfang. Die leichten Boote dienen gleichzeitig als Fahrradanhänger, mit denen er anschließend seine „Beute“ abtransportiert.

Bislang brachte der 30-Jährige, der vor Kurzem sein Studium in Objekt- und Raumdesign abgeschlossen hat, seine Müllsammlung zur EDG. Ganz zufrieden war er mit dieser Lösung aber nicht: „Der Müll wird verbrannt, das ist nicht gut.“ Auch Plastik sei ein wertvolles Material, „schließlich war das mal Erdöl“.

Weltweites Projekt gegen Kunststoffverschmutzung

Mit dem internationalen Projekt „Precious Plastic“ fand er Alternativen. Die Initiative betreut von den Niederlanden aus Workspaces in vielen Ländern. Es geht darum, Plastik zu sammeln und sinnvoll weiterzuverwenden.

In der niederländischen Zentrale können Umweltschützer lernen, wie der Plastikmüll sortiert, geschreddert und geschmolzen wird, um daraus neue langlebige Produkte entstehen zu lassen: Skateboards, Geschirr, Kunstwerke oder Baumaterialien etwa.

Alle sollen die Technologie nutzen können. Auf der ganzen Welt sind so bereits Recycling-Werkstätten entstanden. Juri hofft, auch in Dortmund eine aufbauen zu können, möglichst an der Fachhochschule.

Plastik-Müll im Dortmunder Hafen soll sinnvoll genutzt werden

Die Initiative „Precious Plastic" zeigt, wie aus Plastikmüll etwas Neues entsteht. © Juri Schäffer

Mehrere Wochen hat der Objektdesigner in diesem Sommer bei „Precious Plastic“ verbracht. Er stellt aus dem Wertstoff Platten her, aus denen er neue Bote baut. In einem Innenhof in der Nordstadt setzt er nun die Workspace-Idee um. Ein Schredder steht bereits in seiner Mini-Fabrik.

Juri treibt aber vor allem die Idee um, den Müll - wenn er sich nicht von vornherein vermeiden lässt - vor Ort in etwas Neues zu verwandeln. „Durch UV-Licht und Reibung zersetzt sich der Müll in Mikroplastik. Deshalb muss man Strukturen bauen, die das verhindern“, sagt er.

Plastik-Müll im Dortmunder Hafen soll sinnvoll genutzt werden

In seiner Bachelor-Arbeit stellt Juri Schäffer seine Idee von den begrünten Plastikinseln vor. © Susanne Riese

So kommt er zu der zunächst absurd klingenden Idee, den Müll dort zu lassen, wo er ist: im Wasser. Er möchte aus dem Kunststoff bewachsene Inseln bauen, die neuen Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten. Korallen, Algen, Schwämme und Muscheln könnten sich an der Unterseite ansiedeln, Fische dort verstecken und laichen. Die Oberfläche böte Vögeln Schutz und Nistplätze.

Weiterer Plastikmüll soll sich in den mit Efeu, Wein und wasserwurzelnden Pflanzen kombinierten Konstruktionen verfangen. Die Inseln würden größer, das Problem Mikroplastik kleiner. Wasserpflanzen fungieren als natürliche Filter, an der Oberfläche tragen Pflanzen zur Luftreinigung bei. In Küstennähe könnten solche Inseln sogar bei Sturmfluten Schutz bieten.

Plastik-Müll im Dortmunder Hafen soll sinnvoll genutzt werden

Juri Schäffer aus Dortmund baut Boote aus Kunststoff-Platten, die einmal Flaschenverschlüsse waren. © Juri Schäffer

Problem direkt vor Ort angehen

„Am Kanal zeigt sich: Das Plastik-Problem gibt es nicht nur im Ozean, sondern es fängt direkt vor der Haustür an“, sagt Juri. Aber die Menschen könnten etwas dagegen unternehmen, „und das kann Spaß machen“. Der beste Weg sei natürlich immernoch die Müllvermeidung und Verwendung nachhaltiger Materialien.

Er möchte seine Plastikinseln in Dortmund testen und beobachten, wie sich die schwimmenden Müllverwertungsplattformen entwickeln; am liebsten in einem Nebenarm des Hafens. „Das Plastik bildet dort eh schon kleine Inseln“, sagt er. Die möchte er professionell installieren und kontrollieren. Wenn er dafür grünes Licht vom Hafenmeister bekommt.

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Juris Vision sind schwimmende Recyclingstationen, die nach der „Precious Plastic“-Idee arbeiten. Sie könnten vor Ort Grundbausteine für neue Inseln und schwimmende Parks produzieren.

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