Platzt der Schul-Neustart in Dortmund? „Chaos“ kurz vorm Stichtag

mlz„Billignummer des Ministeriums“

Für 14.625 Schülerinnen und Schüler, davon etwa 10.000 an den Berufskollegs, ist der Schulbesuch ab Donnerstag (23.4.) wieder verpflichtend. Ob es dazu kommt, wird offen in Frage gestellt.

Dortmund

, 22.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schulleiter, Lehrergewerkschaften und auch die Stadtverwaltung Dortmund kritisieren die geplante Schul-Öffnung für Abschlussklassen. Der Tenor: Die Schulen werden allein gelassen und sind nicht ausreichend vorbereitet.

„Wenn das Schulministerium auf diese Weise weiter macht, werden wir das angestrebte Ziel nicht erreichen. Wir erleben eine Flut von Erlassen, die in sich widersprüchlich, nicht abgestimmt und nicht nachvollziehbar sind“, sagte Oberbürgermeister Ullrich Sierau am Dienstag.

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Man erwäge im Kreis der Oberbürgermeister „angesichts des Chaos, das das Schulministerium angerichtet hat“, die Zustimmung zur Öffnung einer Schule zu verweigern.

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Harald Willert, Vorsitzender des Schulleiterverbands NRW, steht unter anderem im Kontakt mit Kollegen aus Dortmund, die sich gerade verzweifelt fragen, wie sie am Donnerstag bereit sein sollen. Er sieht die Schulen in einem „Dilemma“.

Deutliche Kritik am Schulministerium

Es gebe eine verbreitete Unsicherheit, ob Kinder und Lehrer ausreichend geschützt werden können. „Das ist eine Billignummer des Ministeriums“, sagt Harald Willert. „Ich frage mich, wann die ersten Schulen wieder schließen, weil sie sagen, dass sie es nicht schaffen.“

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Die Bezirksregierung Arnsberg geht derzeit davon aus, dass mindestens rund 25 Prozent der 38.000 Lehrer in NRW zur Risikogruppe gehören und nicht arbeiten können. Laut Harald Willert schwankt diese Quote aber in den Schulen zwischen 10 und 50 Prozent.

Schüler sollen Seife, Handtuch und Toilettenpapier mitbringen

Wie wenig vorbereitet Schulen im Moment sind, drückt vielleicht am besten eine Nachricht aus, die ein Lehrer einer Dortmunder Gesamtschule an seinen Leistungskurs geschickt hat.

Von Abiturvorbereitungen unter besonderen Bedingungen ist in dieser Nachricht die Rede, von Abständen und Mundschutz, der dringend empfohlen werde. Und dass bitte eine Plastiktüte mitzubringen sei, darin Seife, ein Handtuch und Toilettenpapier, denn „daran mangelt es zurzeit noch“.

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Die Mutter eines der Schüler fragt sich, an wie vielen Schulen in der Stadt es im Moment ähnlich aussieht. Und was eigentlich mit den Schülern sei, die Schutzmasken oder Seife oder Toilettenpapier nicht besitzen.

Daniela Schneckenburger ist Dortmunds Schuldezernentin und Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen. Auf diesen Fall angesprochen sagt sie am Dienstag, dass sichergestellt sein müsse, dass an den Schulen bis Donnerstag ausreichend Hygienematerial zur Verfügung stehe.

Die Stadt Dortmund schreibt in einer Mail, dass, sollten Seife und Handtücher am Donnerstag nicht vorliegen, die Schulen nicht geöffnet würden.

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