„Polenböller“ zerstören Holzhäuschen auf Spielplatz in Kirchlinde

mlzVandalismus an Silvester

Eine Spur der Verwüstung hinterließen Jugendliche in der Silvesternacht auf einem Spielplatz. Sie sprengten ein Spielhaus. Eine weitere Tat wurde ihnen eventuell zum Verhängnis.

Kirchlinde

, 02.01.2019, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jede Menge Trümmer beseitigten Mitarbeiter des Tiefbauamtes am Mittwochmorgen auf einem Spielplatz an der Siepmannstraße. Eine Gruppe von fünf bis sechs Jugendlichen steht im Verdacht, mit illegalen „Polenböllern“ ein hölzernes Spielhaus zerstört zu haben.

Möglicherweise hat die Polizei bereits drei mutmaßliche Täter geschnappt. Ihnen wird zur Last gelegt, gegen zwei Uhr in der Silvesternacht die Scheibe eines Wartehäuschens an einer Bushaltestelle in der Nähe des Spielplatzes eingeworfen zu haben. Die Drei sind für die Polizei keine Unbekannten. Ob sie möglicherweise auch für die Zerstörung auf dem Spielplatz verantwortlich sind, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben.

An Neujahr war das Maß voll

Für Karin Dahlke war an Neujahr auf jeden Fall das Maß voll. Als die Kirchlinderin mit ihrem Enkelkind zum nahe gelegenen Spielplatz an der Siepmannstraße ging, führte der Weg zunächst über ein Meer aus Scherben. Ein paar Meter weiter dann in einer Sandkiste Reste und Verpackungen von Böllern und Raketen. Und: Trümmer. Unbekannte hatten offenbar den Jahreswechsel auf dem Spielplatz nicht nur mit reichlich Alkohol begangen, sondern auch Wände und Dach des Spielhauses weggesprengt.

„Das muss ein ‚Polenböller‘ gewesen sein“, sagt ein Mitarbeiter des Tiefbauamtes bei den Reparaturarbeiten des Holzpodestes. Drei Bohlen des Bodens hatte der Böller gleich mit zerlegt. Das Team des Tiefbauamtes ist am ersten Arbeitstag im neuen Jahr schnell vor Ort und räumt die Trümmer zusammen. „Bis in die Büsche und den Hang hoch lag das Holz“, sagt der Mitarbeiter. „So schlimm sieht es im Stadtbezirk nirgendwo anders aus“, bestätigt seine für die Kontrolle der Grünanlagen zuständige Kollegin.

Flaschen auf dem Spielplatz

Das Tiefbauamt handelt schnell, sichert provisorisch mit zwei Brettern das Loch am Podest, holt Holzbohlen vom Bauhof und repariert den unteren Teil des Spielgeräts. Schließlich sind Ferien, und auch an diesem sonnigen Januarmorgen sind schon die ersten Kinder wieder hier. Der Aufbau des Spielhauses ist derweil irreparabel. Ein Mitarbeiter des Tiefbauamtes lädt mit einem Kran das zerborstene Holz auf einen Kipper.

„Seit 20 Jahren lebe ich hier in der Siedlung“, sagt Karin Dahlke. „Ich habe den Spielplatz immer sauber gemacht.“ Wenn Jugendliche abends mal ein Bier getrunken haben – geschenkt: „Ich habe mit denen geredet, und sie haben ihren Müll immer weggeräumt.“

Leere Wodka- und Sektflaschen

Seit einiger Zeit hat Dahlke jedoch andere Jugendliche beobachtet. „Die leben neu in der Siedlung“, berichtet sie. Seitdem findet sie zunehmend leere Wodka- und Sektflaschen auf den Wegen, Spielflächen und in den Sandkisten. Einen Baum, den sie den ganzen dürren Sommer über gegossen hat, hat die ungebetene Klientel gefällt.

Karin Dahlke kümmert sich seit Jahren um den Spielplatz in der Nachbarschaft. Für die Bank am Bolzplatz auf dem weitläufigen Gelände hat sie unter anderem mal um einen weiteren Abfalleimer gebeten. „Ich war Trainerin“, erzählt sie. Daher weiß die Seniorin auch, dass Jugendliche sich irgendwo treffen wollen.

Die Sandkiste mit dem zerstörten Spielhaus liegt zwar direkt an der Straße und der Zuwegung – aber ein paar Meter unter dem Straßenniveau und abgeschirmt durch hohe Büsche und Hecken. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Grün herunter geschnitten wird“, sagt die Mitarbeiterin des Tiefbauamtes und greift zum Besen, um Scherben und Böllerreste zu beseitigen.

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