Tim Hesmer zeigt das sogenannte Distanzelektroimpulsgerät bei der Vorstellung am Trainingszentrum der Polizei in Aplerbeck. © Stephan Schütze
Pilotprojekt

Polizei testet Taser in der Nordstadt – trotz sinkender Fallzahlen

Die Dortmunder Nordstadt wird von der Polizei häufig als Beispiel ihrer guten Arbeit genannt. Doch jetzt bekommen Beamte dort zusätzliche Waffen, um mehr Kontrolle über Einsätze zu bekommen.

Einige der Polizisten in Dortmund bekommen eine neue Waffe: 14 Elektro-Taser werden für Einsätze in der Nordstadt verteilt. Wie bei den kleinen Videokameras, die sie seit Ende 2019 am Körper tragen, soll es auch diesmal um den Schutz der Beamten vor aggressiven Angriffen gehen.

Die gelben Kunststoff-Apparate sollen den Beamten eine weitere Option neben Schlagstock und Reizgas bieten. „Wichtig ist zu erwähnen, dass dieses Gerät nicht die Dienstpistole ersetzen soll“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul am Freitag (15.1.) in Dortmund.

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Polizei stellt Taser am Trainingszentrum in Aplerbeck vor

Polizisten können Strom als Drohung hörbar knistern lassen

Der Taser sei „vornehmlich in statischen Einsatzsituationen anwendbar“, so Reul. Zur Androhung kann der Polizist oder die Polizistin den Strom bereits hörbar knistern lassen. Beim Abzug knallt es einmal laut, zwei Elektroden werden bis zu acht Meter weit geschossen.

Ihre kleinen Pfeilspitzen müssen im Körper des Gegenübers stecken bleiben. Bewegt sich das Ziel schnell, seien die sogenannten Distanzelektroimpulsgeräte nicht hilfreich. Darum würden sie beispielsweise auch nicht gegen aufgehetzte Kampfhunde eingesetzt, hieß es bei der Vorstellung des Pilotprojektes. Dicke Winterjacken sollen sie durchbohren können.

Neben Düsseldorf, Gelsenkirchen und dem Rhein-Erft-Kreis ist die Polizei Dortmund für den Testzeitraum bis zum Frühjahr 2022 ausgewählt worden. „Wir haben uns dazu entschieden, das in der Wache Nord zu testen“, sagte Behördenleiter Gregor Lange.

Dabei handele es sich um einen Standort mit 40 Prozent weniger Straftaten in den vergangenen Jahren – aber einem sogar noch etwas höheren Anstieg an Widerstandshandlungen gegen Polizisten. Es sei zwingend notwendig, alles zu unternehmen, um solche Situationen zu vermeiden, so Lange. Das Tragen und Vorzeigen des Tasers soll als Drohung schon zur Deeskalation beitragen.

Zwar ist die Gesamtzahl der Straftaten in der Nordstadt zuletzt deutlich gesunken. Doch wurden in dem Stadtbezirk im Jahr 2019 17,3 Prozent aller Straftaten Dortmunds gezählt. Zum Vergleich: 9,9 Prozent aller Einwohner der Stadt leben dort.

Im Jahr 2019 seien 18.500 Beamte in Nordrhein-Westfalen Opfer von Gewalt geworden, sagte Innenminister Reul: „Da stimmt ja in unserer Gesellschaft irgendwas nicht mehr.“ Schließlich sei die Polizei dazu da, die Menschen zu beschützen. Als oberster Dienstherr wolle er dazu beitragen, den Arbeitsalltag der Polizisten sicherer zu machen.

Jede Nutzung des Tasers wird automatisch aufgezeichnet

„Wir gehen ergebnisoffen in ein Pilotprojekt“, sagte Thomas Roosen, Leiter des Landesamts für zentrale polizeiliche Dienste. Jede Nutzung eines Tasers werde automatisch aufgezeichnet und gespeichert. Die Geräte sollen idealerweise „die Lücke zwischen einfacher körperlicher Gewalt und dem Schusswaffengebrauch schließen“.

Fließt der Strom durch den Körper der Zielperson, sorge das dafür, dass die Impulse überlagert werden, die das Gehirn an die Muskeln schickt. Die Person könne sich nicht mehr bewegen. „Etwa bei Untergewicht, bei Kindern oder Schwangeren verbietet sich der Einsatz“, erklärte Projektleiter Bastian Marter.

Immer im Einzelfall müssten Polizisten abwägen, welches Einsatzmittel das passende für die Situation ist. „Beim Einsatz einer solchen Waffe gibt es sicherlich Chancen, aber auch Risiken“, so Innenminister Reul. Seiner Ansicht nach sei es aber besser, den Einsatz zu testen, als nur darüber zu diskutieren.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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