Eine von zwei Französischen Bulldogen, die total ausgehungert und dehydriert aus der Wohnung geholt wurden, wo sie sich selbst überlassen waren. © Pyritz
Tierrettung

Polizei und Tierschützer befreiten Hunde und Katze aus schlimmem Elend

Es war ein Bild des Jammers, das sich Tierschützern und Polizei am Freitagabend (10.7.) in Wickede bot: Wieder einmal mussten halb verhungerte Kreaturen aus einer Wohnung gerettet werden.

„Nächste Woche wären die Tiere tot gewesen“, sagt Anne Pyritz immer noch fassungslos. Die Tierschützerin vom Verein „Arme Socken e.V.“ sah sich einmal mehr mit schlimmem Tierleid konfrontiert und setzte alle Hebel in Bewegung, um das Elend von zwei ausgehungerten und dehydrierten Hunden sowie einer Katze zu beenden.

Der Verein erhielt am Freitag einen Hinweis auf verwahrloste Tiere in einem Mehrfamilienhaus im Molnerweg in Wickede. Anne Pyritz fuhr raus und machte sich am frühen Nachmittag vor Ort selbst ein Bild: „Schon im Hausflur schlug uns ein bestialischer Gestank entgegen“, berichtet sie, „an der Wohnungstür hörten wir Hundegejammer.“ Schlimmes war zu befürchten.

Die Tierschützer versuchten, das Veterinäramt und das Ordnungsamt zu erreichen, doch hatten am Freitagnachmittag keine Chance. Es war schon Feierabend. Also beschlossen sie, die Polizei hinzuzuziehen.

Nachbarin öffnete die Wohnung

Die Polizei bestätigt den Einsatz um 18.45 Uhr. In dem Haus wohnen mehrere Familienmitglieder in verschiedenen Wohnungen. Die Beamten machten die Mieterin der Wohnung, aus der der Gestank kam, in einer anderen Wohnung ausfindig. „Sie hat sofort zugegeben, dass nicht mehr sie, sondern nur noch die Tiere in der Wohnung leben“, sagt Pyritz.

Doch die Wohnung wurde auf Drängen der Polizei erst nach langem Hin und Her von einer Nachbarin geöffnet. Die Mieterin selbst hatte angeblich den Schlüssel verloren, berichtet Anne Pyritz. Hinter der Wohnungstür waren zwei Französische Bulldogen und eine fünf Jahre alte Halblanghaar-Katze. „Alle drei Tiere waren bis auf die Knochen abgemagert und ausgetrocknet“, so die Tierschützerin.

Auch der zweite Hund ist total abgemagert.
Auch der zweite Hund ist total abgemagert. © Pyritz © Pyritz

Die Polizei beschlagnahmte sie und übergab sie dem Verein Arme Socken. Für die Halterin gab es eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Auch der Verein stellte Strafanzeige.

Die Tierschützer brachten Hunde und Katze sofort zu einer Tierärztin, die ihnen unter anderem Infusionen und Antibiotika verabreichte. Weil die Tiere in der Wohnung ständig durch Fäkalien und Urin gelaufen waren, hatten sich Ekzeme zwischen ihren Fußkrallen gebildet.

Tiere sind in einer Pflegestelle

Die zwei Jahre alte Hündin, so Anne Pyritz, habe ein Gesäuge wie eine Hündin nach zehn Jahren. Was die Vermutung nahelege, „dass diese beiden Hunden nur zur Welpen-Produktion gehalten wurden. Herzlos sich selbst überlassen.“

Inzwischen sind alle drei Tiere bei einer Pflegestelle untergebracht und sollen an neue Besitzer vermittelt werden. Doch eines bereitet dem Verein noch Sorge: In anderen Wohnungen der Familie leben weitere Tiere – und Kinder. Man werde dem Jugendamt einen Hinweis geben, kündigt Pyritz an.

Arme Socken e.V. bittet um Spenden auf das Konto Commerzbank Detmold, IBAN DE 40 4764 0051 0431 2765 00

oder über Paypal Paypal@armesocken.de

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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